UN-Aktuell Internationale Debatte

UN-Weltgipfel für Humanitäre Hilfe 2016

Der allgegenwärtige Klimawandel, rasantes Bevölkerungswachstum und die steigende Anzahl regionaler und internationaler Konflikte sind lediglich einige der Aspekte, welche zunehmend direkte und schwerwiegende Auswirkungen auf die internationale humanitäre Situation zur Folge haben. Somit machen sie auch weiter eine verstärkte Kooperation der Staatengemeinschaft im Rahmen der Vereinten Nationen notwendig. Das macht z.B. der WeltRisikoBericht 2013 des Instituts für Umwelt und menschliche Sicherheit der UN-Universität in Bonn deutlich. (Sehen sie auch DGVN News Für eine solidarische Gesundheitsfinanzierung - weltweit). Während sich die Zahl der Naturkatastrophen in den letzten 20 Jahren verdoppelte, stieg gleichzeitig auch der beispielsweise durch gewaltvolle Krisen und Konflikte verursachte Bedarf an finanziellen Mitteln für humanitäre Hilfe auf 11 Milliarden Euro. Dies stellt eine Verdreifachung der notwendigen Finanzmittel innerhalb eines Zeitraums von nur acht Jahren dar. Deutschland zählt weltweit zu den wichtigsten Geberländern humanitärer Hilfe. So stellte das Auswärtige Amt allein im Jahr 2013 mehr als 358 Mio. Euro zur Verfügung. Die dynamischen Veränderungen der Aufgabe und die stetig steigenden Mittel verdeutlichen die Notwendigkeit für die Anpassung und Modernisierung des gegenwärtigen Systems. Dabei sollen Prozesse optimiert und die besten Vorgehensweisen vergangener Jahre festgehalten werden. Dies könnte eine effizientere Handhabung humanitärer Notlagen innerhalb der internationalen Gemeinschaft ermöglichen.

Zwei Männer sitzen vor LKWs des World Food Program
©UN Photo/Albert González Farran

Im Rahmen der 68. Generalversammlung der Vereinten Nationen im September 2013 kündigte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon an, dass hinsichtlich dieser vielseitigen Herausforderungen, der die Weltgemeinschaft im humanitären Bereich gegenübersteht, erstmals eine Konferenz zum Thema humanitäre Hilfe im Jahr 2016 in Istanbul stattfinden solle. (Bereits im März berichtete die DGVN über den Besuch von Valerie Amos, der UN Nothilfekoordinatorin, die in ihrem damaligen Vortrag Bezug auf den Weltgipfel nahm und die Wichtigkeit der Weiterentwicklung des internationalen Systems der humanitären Hilfe hervorhob.) Als Standort ausgewählt worden sei die Türkei unter anderem aufgrund ihrer herausragenden humanitären Beiträge auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene, betonte Ban. Derzeit ist sie der weltweit viertgrößte Geldgeber für humanitäre Zwecke und hat zudem bereits über eine Million syrischer Flüchtlinge aufgenommen, welche aufgrund der anhaltenden Gewalt ihre Heimat verlassen mussten. Während der vom Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) organisierte Gipfel erst im Juli 2016 stattfinden soll, laufen die allgemeinen Vorbereitungen hierfür bereits seit Mitte dieses Jahres.

Nothilfekoordination der Vereinten Nationen

OCHA Logo

Bereits im Jahr 1971, wurde durch die Resolution 2816 der UN-Generalversammlung die Organisation der Vereinten Nationen für Katastrophenhilfe (UNDRO) eingerichtet. Exakt 20 Jahre später, im Jahr 1991, wurden daraus die Position des UN-Nothilfekoordinators, sowie  die Abteilung für humanitäre Angelegenheiten geschaffen. Weitere 7 Jahre später und mit einem über die Jahre stetig verstärkten Mandat ging aus dieser Abteilung schließlich das bis heute bestehende OCHA (engl. Office for the Coordination of Humanitarian Affairs) hervor. Dieses Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheitengehört dem Sekretariat an. Dort ist das Büro in erster Linie für die effiziente Planung und Durchführung von Nothilfe zuständig. So sorgt es unter der Leitung des UN-Nothilfekoordinators oder der Nothilfekoordinatorin beispielsweise dafür, dass im Fall einer Krisensituation weltweit ein effizientes Netzwerk aus UN-Organisationen und anderen humanitären Helfern zur Verfügung steht. Dies vereinfacht in Notsituationen nicht nur die Koordination zwischen den jeweiligen Helfern, sondern sorgt gleichzeitig dafür, dass deren unterschiedliche Kompetenzen bestmöglich eingesetzt werden können. Ein wichtiges Anliegen OCHAs ist es, Regierungen in potenziellen Krisengebieten frühzeitig zu instruieren, damit sie im Ernstfall einer humanitären Notlage, z.B. durch gewalttätige Konflikte oder Umweltkatastrophen, optimal vorbereitet sind.

So treffen sich bereits im Vorfeld des Gipfels Vertreterinnen und Vertreter nationaler Regierungen, verschiedener Stiftungen und Unternehmen und Repräsentantinnen und Repräsentanten betroffener Gemeinden in regionalen Lenkungsausschüssen. Ziel dieses sich insgesamt über fast zwei Jahre erstreckenden Konsultationsprozesses ist es, dass alle relevanten Interessengruppen die Möglichkeit haben, vorab zusammenzukommen, um in regionalen Konferenzen die Schwerpunkte für die jeweiligen geographischen Gebiete zu identifizieren und erste Diskussionsansätze zu entwickeln. Auch die Öffentlichkeit kann sich jetzt schon aktiv beteiligen. So bietet sich Bürgerinnen und Bürgern weltweit die Möglichkeit, sich unter anderem in Online-Konsultationen und Diskussionsforen einzubringen (dies ist nur auf Englisch möglich, die Online-Konsultation für Osteuropa, Westeuropa und Andere findet vom 15. Januar bis 7. Februar 2015 statt, mitdiskutieren kann man aktuell bei der globalen Konsultation). Bereits stattgefunden haben die Konsultationen und Konferenzen für West- und Zentralafrika in der Elfenbeinküste, sowie die für Nord- und Südostasien in Japan, während sich die restlichen der insgesamt acht regionalen Konferenzen noch bis Ende 2015 erstrecken werden. Diese umfassen die Regionen: Süd- und Ostafrika; Osteuropa, Westeuropa und Andere; der Mittlere Osten und Nordafrika; Lateinamerika und die Karibik; die Pazifikregion und Süd- und Zentralasien. Anschließend wird es im Herbst 2015 noch eine thematische Konsultation in Berlin und eine globale Konsultation in Genf geben. Zusammengefasst werden die Berichte der regionalen Ausschüsse einen Großteil der Grundlage für den Themenkatalog des Gipfels in Istanbul bilden. Gegliedert wird dieser Themenkatalog in insgesamt vier Kategorien: 1) Die Effizienz humanitärer Hilfe; 2) Die Reduktion von Anfälligkeit & Risikomanagement; 3) Wandel durch Innovation; 4) Den Anforderungen von Menschen in Konflikten gerecht werden. Ziel des Gipfels ist es, die Zusammenarbeit humanitärer Akteure zu stärken und zu optimieren, so dass Netzwerke entstehen, die optimal gerüstet sind, in Krisensituationen schnell und verlässlich zu reagieren. Des Weiteren sollen Kapazitäten für die Rüstung von nationalen Regierungen und Organisationen zur Krisenbewältigung in enger Zusammenarbeit mit den potenziell betroffenen Gemeinden geschaffen werden. Außerdem wird erwartet, dass die Erfahrungen jüngster humanitärer Einsätze das Potenzial besitzen, mögliche Lösungsansätze aufzuzeigen welche zukünftig systematisch genutzt werden könnten. Der erste Konsultationsprozess konnte dementsprechend tatsächlich bereits einige Empfehlungen hervorbringen. So scheint zum Beispiel der Vorschlag, einen regionalen Fonds einzurichten, welcher dazu beiträgt, den Kontakt zwischen lokalen Innovatoren und dem privaten Sektor sowie verschiedenen Organisationen herzustellen, um die Chancen auf Kooperation zu erhöhen, bereits ein sehr guter Ansatz zu sein. 

Alexandra Korn

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