Arbeitsplätze und wirtschaftliche Entwicklung (SDG 8)

UN-Umweltprogramm festigt seine Rolle als „global player“

Frau Sanajaasuren hält ihre Rede auf dem Podium

Oyun Sanajaasuren, die Umweltministerin der Mongolei, leitete als Präsidentin die Beratungen der UN-Umweltversammlung. Foto: UNEP

„Bei unserer ständig steigenden Nachfrage nach Wasser und Ressourcen würden wir fünf weitere Planeten benötigen“, diagnostizierte Oyun Sanajaasuren, die Umweltministerin der Mongolei, den Umgang der Menschheit mit der Erde. 

Sie engagiert sich im eigenen Land und weltweit für ein nachhaltiges Wirtschaften und einen schonenden Umgang mit der Umwelt. Die couragierte Umwelt- und Klimaschützerin wurde zur Präsidentin der „United Nations Environment Assembly“ (Umweltversammlung der Vereinten Nationen - UNEA) gewählt, die vom 23.-27. Juni 2014 in Nairobi/Kenia tagte. 

Das Thema für diese erste Umweltversammlung lautete: „Ein Leben in Würde für alle“. Mehr als 1.200 Umweltpolitiker und -experten aus über 160 Ländern berieten über ein breites Spektrum von Umweltthemen. Zusätzlich zur Versammlung selbst wurden Foren für Jugendliche, Bürgermeister und soziale Bewegungen sowie ein Gender-Forum durchgeführt.  

Mehr Partizipation und ein größeres Gewicht für das UN-Umweltprogramm

Viele Staaten, darunter Deutschland, hatten sich beim Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2012 in Rio de Janeiro dafür eingesetzt, das „United Nations Environment Programme“ UNEP von einem UN-Programm zu einer UN-Organisation aufzuwerten. Dies scheiterte vor allem am Widerstand von Regierungen mit einem tiefen Misstrauen gegenüber multilateralen Organisationen und gegenüber einem entschlossenen UNEP-Umweltengagement. Immerhin gelang es, UNEP innerhalb des UN-Systems aufzuwerten. Dazu gehört die Einrichtung einer Umweltversammlung der Vereinten Nationen, in der alle UN-Mitgliedsstaaten vertreten sind, während vorher ein kleinerer Verwaltungsrat alle wichtigen Entscheidungen traf.  

In der Eröffnungssitzung der ersten Umweltversammlung hob UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner hervor: „Die Tatsache, dass erstmals alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen in UNEA vertreten sein werden, erhöht die Legitimität, ermöglicht die Mitwirkung aller Stimmen im Spektrum von Regional- und Entwicklungsrealitäten und gibt den für Umweltfragen zuständigen Ministern ein stärkeres Gewicht.“

Achim Steiner spricht
Unter der Leitung des Exekutivdirektors Achim Steiner hat das UN-Umweltprogramm seine inspirierende und koordinierende Rolle in Umweltfragen im Rahmen des UN-Systems weiter ausbauen können, Foto: UNEP

Die Umweltversammlungen, zu der Beratungen und Entscheidungen der nationalen Umweltminister gehören, werden in Zukunft alle zwei Jahre stattfinden. Auch Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft werden in die Beratungen einbezogen.

Nachhaltige Entwicklungsziele mit starker Umweltdimension

Einige Monate vor dem Beschluss der UN-Generalversammlung zu den nachhaltigen Entwicklungszielen ab 2016 nahm in Nairobi die Rolle der Umweltdimension im Rahmen einer umfassenden nachhaltigen Entwicklung breiten Raum ein. In seiner Begrüßungsrede hob der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta hervor: „Wir benötigen eine bessere Balance zwischen den Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsansätzen von Entwicklung.“ Die Umweltkomponente dürfe nicht länger „der arme Cousin in diesem Trio sein“. Das UNEA-Ministertreffen forderte die UN-Mitgliedsstaaten u. a. auf, sich stärker für nachhaltige Produktions- und Konsumformen einzusetzen, wozu auch ein energie- und ressourcensparender und nachhaltiger Lebensstil gehört.

Sascha Gabizon, die Direktorin von „Women International for a Common Future“, begrüßte es, dass im Rahmen der UN-Beratungen über die nachhaltigen Entwicklungsziele und auch bei UNEA verschiedene Organisationen der Zivilgesellschaft einbezogen sind. Auf diese Weise könne sichergestellt werden, „dass die Bedürfnisse der besonders gefährdeten und marginalisierten Gruppen berücksichtigt werden und dass es eine breite Unterstützung für die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele geben wird“. 

International koordinierter Schutz für gefährdete Tierarten gefordert

Das UN-Umweltprogramm arbeitet mit INTERPOL und weiteren internationalen Organisationen zusammen, um den kriminellen Tierhandel zu unterbinden, mit dem jedes Jahr Milliardengewinne erzielt werden. Im Mittelpunkt des internationalen Interesses steht das systematische Abschlachten von Elefanten und Nashörnern, weil deren Stoßzähne und Hörner von kriminellen Banden zu hohen Preisen aufgekauft und weltweit vermarktet werden. In Afrika werden jedes Jahr schätzungsweise 20.000 Elefanten und 1.000 Nashörner von Wilderern getötet. 

Ein großer afrikanischer Elefant mit großen Stoßzähnen
Ein ständig wachsender illegaler Handel mit Elfenbein verursacht in Tansania die Tötung von täglich etwa 30 Elefanten. Es besteht die Gefahr, dass es 2020 in diesem ostafrikanischen Land keine Elefanten mehr geben wird. Foto: UNEP

Das Ministertreffen in Nairobi beschloss eine Null-Toleranz-Politik im Kampf gegen diese Formen der Wilderei. Ebenso soll der illegale Handel mit anderen bedrohten Tierarten wie Menschenaffen, Fischen, Vögeln und Tigern unterbunden werden. Teilnehmer der Versammlung betonten zugleich die Notwendigkeit, den Lebensraum dieser Tiere zu erhalten und zum Beispiel die Abholzung von Regenwäldern zu stoppen.

Ein unterschätztes Problem: Plastik im Meer

Eine Studie, die UNEP gemeinsam mit Partnerorganisationen während der UN-Umweltversammlung präsentierte, analysiert die negativen Auswirkungen von Plastikmüll auf die Ökosysteme der Meere und Küsten. Während große Plastikteile, die sich zu unübersehbaren Müllflächen im Meer sammeln oder an die Strände gespült werden, in den Küstenländern als Problem erkannt worden sind, werden die Gefahren durch die weniger als fünf Millimeter kleinen Mikroplastikteilchen meist noch unterschätzt. Sie entstehen u. a. durch den allmählichen Zerfall von Plastikteilen und werden von Fischen, Seevögeln und anderen Tieren als vermeintliche Nahrung aufgenommen, nicht selten mit tödlichen Folgen. 

Die Ministerrunde forderte UNEP auf, die wissenschaftliche Untersuchung dieser Prozesse zu intensiveren, den internationalen Informationsaustausch zu fördern und bei der nächsten UNEA diese Thematik wieder auf die Tagesordnung zu setzen. 

Zunehmende Luftverschmutzung bedroht Menschen und Ökosysteme

Nach einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jedes Jahr sieben Millionen Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung. Besonders in den Städten, aber nicht nur dort, wachsen die Gesundheitsrisiken für die Menschen, aber negative Auswirkungen lassen sich auch für Klima, biologische Vielfalt, Ernährungssicherheit und viele andere Bereiche nachweisen. 

Das UN-Umweltprogramm arbeitet gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern auf Gebieten wie der Reduzierung der Emissionen durch Autos und der Verminderung der Luftbelastung durch chemische Stoffe. UNEP wird die Regierungen in Zukunft verstärkt dazu ermutigen und dabei unterstützen, Grenzwerte festzulegen und eine systematische Politik der Emissionsreduzierungen umzusetzen. Solche Initiativen sollen eingebunden sein in den Übergang zu einem nachhaltigen Wirtschaften. 

Jochen Flasbarth und Judy Wakhungu stehen zusammen und lächeln in die Kamera
Die Konferenz bot die Gelegenheit zu vielen bilateralen Gesprächen wie hier zwischen Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, und der kenianischen Umweltministerin Prof. Judy Wakhungu. Beide Länder wollen u. a. bei der Verwirklichung nachhaltiger Entwicklungsziele und bei der Bekämpfung des illegalen Wildhandels zusammenarbeiten. Foto: BMUB/Melanie Klußmann

Gewaltige Aufgaben beim Umgang mit chemischen Stoffen

Ein weiteres Thema in Nairobi waren die Umweltrisiken durch die inzwischen mehr als 100.000 chemischen Substanzen, die in der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion eingesetzt werden. Erforderlich sind nach Auffassung der versammelten Experten systematische Analysen ihrer Auswirkungen auf Menschen und Umwelt während des gesamten Lebenszyklus. Angesichts des weiter wachsenden Einsatzes dieser chemischen Substanzen und ihrer globalen Verbreitung setzt sich das UN-Umweltprogramm ein für einen verantwortungsbewussten Umgang mit diesen Substanzen und eine Unterstützung der Entwicklungs- und Schwellenländer angesichts wachsender Belastungen durch giftige chemische Substanzen. 

Vernetzung von Umweltinitiativen im UN-System 

Das UNEA-Ministertreffen traf außerdem Beschlüsse, die die koordinierende Rolle von UNEP im Netz der UN-Organisationen, -Programme und -Initiativen weiter intensivieren soll. Dazu gehören u. a. die Zusammenarbeit mit den UN-Klimainitiativen im Rahmen des Klimaabkommens UNFCCC, die Partnerschaft mit den kleinen Inselentwicklungsländern und ihrem Zusammenschluss SIDA im „Internationalen Jahr der kleinen Inselentwicklungsländer 2014“ und die Kooperation mit UNCCD bei der Bekämpfung der Desertifikation. 

Als wichtig wurde in Nairobi auch die Beteiligung von UNEP an einer Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in praktische Schritte der nachhaltigen Entwicklung angesehen. Unverzichtbar bleibt die Zusammenarbeit des UN-Umweltprogramms mit den zahlreichen internationalen und nationalen Umweltschutzorganisationen und -Initiativen. 

Schritte auf dem Weg zu einem nachhaltigen Wirtschaften

Im Rahmen von UNEA wurde ein Symposium zu Fragen von Umweltrecht und nachhaltiger Entwicklung durchgeführt. Dabei beklagte Tony Oposa, der Präsident einer Stiftung zu Recht und Natur auf den Philippinen: „Es herrscht bei vielen immer noch die falsche Vorstellung, dass Umweltverbrechen irgendwie weniger gravierende Straftaten seien als andere Verbrechen.“ 

Ebenso befasste sich die Umweltversammlung mit der Frage, wie der Übergang zu einer grünen Wirtschaft finanziert werden kann, wobei die Mobilisierung von Privatkapital im Fokus stand. Ein Instrument zur Verwirklichung des Konzeptes der grünen Wirtschaft ist die Initiative „Partnership for Action on Green Economy“ (PAGE), in der UNEP mit mehreren anderen UN-Organisationen und -Programmen zusammenarbeitet. Während der Umweltversammlung in Nairobi konnte bekannt gegeben werden, dass nun auch das UN-Entwicklungsprogramm UNDP in diesem Netzwerk mitarbeitet. 

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, bezeichnete in Nairobi PAGE als sehr gute Initiative für den globalen Transformationsprozess zu einer grünen Wirtschaft. Er betonte: „Nur durch die Entkoppelung von Ressourcenverbrauch und Wirtschaftsentwicklung können wir die ambitionierten Ziele erreichen, die wir uns für Klima, Biodiversität und Nachhaltigkeit international setzen.“ 

Auf einem langen Podium steht Ki-moon ganz links und redet
In seiner Rede am Ende der Umweltversammlung in Nairobi appellierte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon an die Delegierten, mehr für den Schutz der Umwelt und die Einbeziehung des Umweltengagements in den Übergang zu einer nachhaltigen Entwicklung zu tun. Foto: UN Photo/Eskinder Debebe

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon fasste solche Erkenntnisse am Ende des UNEA-Treffens in einem Appell zusammen: „Wir müssen auf entschiedene Weise handeln, um das Verhältnis zwischen der Menschheit und unserem Planeten zu verändern.“

(Frank Kürschner-Pelkmann

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