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UN Konferenz zur biologischen Vielfalt droht Desaster

Ein botanischer Garten mit Besuchern repräsentiert die Gefährdung der Artenvielfalt

Der effektive internationale Schutz der Artenvielfalt scheint gefährdet durch das drohende Desaster der Vertragsstaatenkonferenz zur CBD

 

Am 18.10.2010 begann die zweiwöchige Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) im japanischen Nagoya – mit schlechten Vorboten. Das Ziel, das Artensterben bis 2010 zu verlangsamen, ist schon verfehlt. Auch die diesjährige Konferenz droht zu scheitern.

Bei dieser zehnten Konferenz entscheidet sich, ob es die Staaten schaffen werden, verbindliche Ziele zum Schutz der Artenvielfalt festzulegen. Der Plan aus dem Jahr 2002, das Artensterben bis zum Jahr der biologischen Vielfalt 2010 stark zu reduzieren, wird angesichts dramatischer Zahlen als gescheitert beurteilt: Durch menschliche Nutzung der Natur ist die Quote des Artensterbens 100 bis 1000 mal höher als der natürliche Verlust – alle 12 Minuten stirbt eine Art aus. Hauptursachen dafür sind die Überfischung der Meere und die Rodung des Regenwaldes, aber auch der globale Klimawandel.

Der kritischste Teil der Verhandlungen ist dabei die Verteilung der Kosten für den Naturschutz. Die Länder des globalen Südens, die den größten Teil der biologischen Vielfalt beheimaten, fordern von den Industrienationen eine stärkere Beteiligung an den Kosten, denn deren Wirtschaft sei maßgeblich für die Ausbeutung der Natur verantwortlich. Hinzu kommt, dass die USA die Konvention zwar unterzeichnet, aber bis heute nicht ratifiziert haben.

Neben dem Schutz der Biodiversität und Strategien für deren nachhaltige Nutzung ist die gerechte Verteilung der Vorteile, die aus dem Nutzen der biologischen Vielfalt entstehen, ein zentrales Thema der Konferenz. Im Mittelpunkt steht dabei das ABS-Protokoll der Konvention (Access and Benefit Sharing / Zugang und Vorteilsausgleich), durch das die Nutzung von genetischen Ressourcen eines Landes rechtssicher geregelt werden kann, damit auch die Herkunftsländer solcher Ressourcen von ihnen profitieren. Wenn Unternehmen beispielsweise Medikamente durch die Erforschung von Pflanzen eines Landes entwickeln, soll auch dieses Land an den Gewinnen beteiligt werden.

Die Konferenz könnte ein wichtiger Schritt im weltweiten Bemühen um Naturschutz und Verteilungsgerechtigkeit sein. Ein Scheitern würde jedoch nach dem Kopenhagener Weltklimagipfel im vergangenen Jahr den zweiten Rückschlag für den internationalen Umweltschutz bedeuten.

Mehr Informationen zum Thema gibt es im DGVN-Schwerpunkt Biodiversität, auf der offiziellen Seite der Konvention (engl.) http://www.cbd.int/ und beim NABU (deutschsprachige Übersicht) http://www.nabu.de/themen/naturschutz/vielfalt/cbd/.

(Karsten Schubert)

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