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UN-Bericht fordert globale Finanzmarktsteuer zur Zukunftssicherung

„Die Verbindung von Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit ist nicht nur in diesem Bericht, es ist auch in der politischen Wirklichkeit die Aufgabe Nr. 1“, meinte der ehemalige Entwicklungsminister Erhard Eppler auf der Pressekonferenz. Foto: DGVN/

Berlin, 2. November 2011. Die aktuelle Ausgabe des weltweit renommierten UN- Berichts über die menschliche Entwicklung ist heute vom UN-Entwicklungs­programm (UNDP) und der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) vorgestellt worden. Darin fordern die Autoren endlich die Einführung innovativer Finanzierungsquellen wie eine Devisentransaktionssteuer und eine „grüne“ Wirtschaftspolitik, die nicht nur auf Nachhaltigkeit setzt, sondern auch soziale Gerechtigkeit fördert.

Viele stark benachteiligte Menschen tragen eine „doppelte Last der Armut“. Sie sind durch die allgemeineren Auswirkungen der Umweltschäden stärker gefährdet, weil ihre Belastungen größer sind und sie über geringere Möglichkeiten zur Problembewältigung verfügen. Sie müssen aber auch mit Bedrohungen in ihrer unmittelbaren Umgebung wie Raumluftverschmutzung, unsauberem Wasser und schlechten Sanitäreinrichtungen fertig werden, stellt der Bericht fest. So muss es - auch mit Blick auf den bevorstehenden Weltumweltgipfel 2012 in Rio - darum gehen, die gravierenden Umweltrisiken und die wachsenden sozialen Ungleichheiten zu verringern.

Der neue UNDP-Report sieht eine unauflösliche Verbindung von ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit - eine Frage der Zukunftssicherung, die Leitschnur der Politik werden muss.

Die unauflösliche Verbindung von ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit ist von entscheidender Bedeutung, damit die menschlichen Freiheiten für die heute lebenden Menschen, aber auch für die künftigen Generationen sich erweitern. „Und das ist genau das zentrale Ziel der menschlichen Entwicklung“, sagte Eva Jespersen, stellv. Leiterin des UNDP-Berichts bei der Vorstellung des Reports. „Die Verbindung von Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit ist nicht nur in diesem Bericht, es ist auch in der politischen Wirklichkeit die Aufgabe Nr. 1“, meinte der ehemalige Entwicklungsminister Erhard Eppler bei der Buchpräsentation. „Wir haben eine weltweite kollektive Verantwortung gegenüber den am wenigsten privilegierten Gruppen“ sagte er und verwies auf den moralischen Imperativ, der uns verpflichte, dafür zu sorgen, dass die Gegenwart nicht zum Feind der Zukunft wird.

Der negative Zusammenhang zwischen Ungleichheit und fehlender Nachhaltigkeit macht jedoch auch Spielräume für positive Synergien deutlich, erklärt der Bericht. Wachstum, das durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe vorangetrieben wird, ist keine unabdingbare Voraussetzung für ein besseres Leben im Sinn einer breiteren menschlichen Entwicklung. Investitionen, die zu mehr Verteilungs- und Chancengerechtigkeit führen – zum Beispiel Investitionen in den Zugang zu erneuerbarer Energie, Wasser- und Sanitärversorgung und reproduktiver Gesundheit –, könnten sowohl die Nachhaltigkeit als auch die menschliche Entwicklung fördern. Die Rechenschaftspflicht und die demokratischen Prozesse zu stärken, unter anderem durch die Unterstützung einer aktiven Zivilgesellschaft und engagierter Medien, kann ebenfalls zu besseren Ergebnissen führen.

USA stürzt ab

Der Bericht präsentiert auch die aktuelle Weltrangliste der Länder nach ihrem Entwicklungsstand, der über den Index der menschlichen Entwicklung (HDI) gemessen wird. Immer mehr Länder ziehen diesen Index heran, der neben Einkommen auch Lebenserwartung, Bildung und Gesundheit berücksichtigt. Die Top5- Länder sind Norwegen, Australien, Holland, USA und Neuseeland, das Schlusslicht ist die vom Bürgerkrieg zerrüttete Demokratische Republik Kongo. Werden jedoch bei den Ländern an der Spitze die innerstaatlichen Ungleichheiten in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Einkommen mit einbezogen, fallen einige der wohlhabendsten Länder aus der Gruppe der ersten 20 heraus: Die USA stürzen sogar hauptsächlich wegen krasser Einkommensungleichheit von Rang 4 auf Rang 23, die Republik Korea von 15 auf 32 und Israel von 17 auf 25.

Andere Länder konnten ihren Rang verbessern. Deutschland behält seinen 9. Rang, auch nach Messung der Ungleichheit.

Die Berichte über die menschliche Entwicklung verstehen sich als Beitrag zu einer weltweiten gesellschaftlichen Diskussion über menschliche Freiheit und Gerechtigkeit.

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