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"Tsunami in Zeitlupe"

Blick aus größter Höhe auf die überflutete Region Punjab in Pakistan. Ein breiter Streifen Landschaft bis zum Horizont geflutet.

Ausblick auf die überflutete Region Punjab nach der Flutkatastrophe 2011

Flutkatastrophe in Pakistan

Ende Juli bis August 2011 war Pakistan von der größten Flutkatastrophe in der Geschichte des Landes betroffen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bezeichnete das Desaster als einen „Tsunami in Zeitlupe“,  dessen „Kraft der Zerstörung sich mit der Zeit verstärkt“.

Bis Ende August stand ein Fünftel des Landes unter Wasser, was circa 160.000 km² entspricht oder einer Fläche, die halb Deutschland bedecken würde. Fast 20 Millionen Menschen sind direkt von den Folgen der Flut betroffen, sechs Millionen sind obdachlos und 1600 sind in den Fluten ums Leben gekommen. Vor allem das Kernland Pakistans, die Kornkammer des Landes, ist von der Katastrophe betroffen. Die Folgen für die Landwirtschaft sind verheerend, und für die nächsten Jahre werden weitere starke Beeinträchtigungen im Agrarsektor erwartet. Die Lebensmittelpreise sind in den betroffenen Gebieten stark gestiegen. Experten rechnen mit einer Hungersnot in den überfluteten Gebieten, nachdem das Wasser zurückgegangen ist. Zudem sind in weiten Teilen öffentliche Gebäude, Straßen, Brücken und rund sechs Millionen Wohnungen zerstört.

Klimaanomalien sind schuld an der Flut

Der regelmäßig wiederkehrende Monsun bringt jedes Jahr zwischen Juli und August Regen nach Indien und Pakistan und ist normalerweise ein erfreuliches Ereignis für die Menschen in der Region. Die Landwirtschaft ist auf den Niederschlag angewiesen, gleichzeitig füllt der Regen die Seen und Wasserreservoirs. In der jetzigen Intensität ist der Monsun seit Bestehen Pakistans noch nie aufgetreten. Die ungewöhnlich starken Niederschläge sind der Auslöser der gegenwärtigen Überschwemmungen, welche auf Wetteranomalien im Äquatorbereich und die Auswirkungen der extremen Hitze in Russland zurückgeführt werden.

Die Schäden in Pakistan können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollständig beziffert werden, da noch nicht alles aufgenommen werden konnte. Fast zwei Monate lang bewegte sich die Flut durch Pakistan, bis es in das Arabische Meer abfloss. Zum jetzigen Zeitpunkt werden die entstandenen Kosten für den Wiederaufbau von der pakistanischen Regierung auf bis zu 15 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Mit Andauern der Katastrophe verschlechtern sich die Bedingungen der Menschen in den betroffenen Gebieten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete, dass sich Krankheiten wie Durchfall, Haut- und Atemwegserkrankungen und Malaria ausbreiten. Vor allem bei der Nahrungsmittelproduktion werden hohe Ausfälle erwartet. Auch die Nutztierhaltung wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) berichtete, dass schon über 200.000 Nutztiere verendet sind und die Zahl voraussichtlich in den Millionenbereich ansteigen wird. Durch die Flut sind die Futterpflanzen vernichtet worden, und tausende Tiere müssen geschlachtet werden.

Ein Militärhubschrauber überflutet die Region Punjab. Ein ganzer Landstrich steht unter Wasser
Katastrophenhilfe in der Region Punjab nahe Multan

Nur ein Teil der Opfer wird erreicht

Die Vereinten Nationen und ihre Organisationen kämpfen gegen die Notstände an, stoßen dabei aber durch das enorme Ausmaß der Katastrophe an ihre Grenzen. Aufgrund unzureichender finanzieller Mittel und des Fehlens geeigneter Geräte, wie z.B. Hubschraubern, konnte bislang nur ein kleiner Teil der Opfer erreicht und versorgt werden. Auf einer Sondersitzung der UN-Generalversammlung am 19. August 2010 rief der UN-Generalsekretär die Staatengemeinschaft auf, den Opfern schnelle Hilfe zukommen zu lassen. Mit der Resolution A/RES/64/294 beschloss die UN-Generalversammlung, die pakistanische Regierung bei der Bewältigung der Katastrophe zu unterstützen.

Bis jetzt konnten die UN schon mehreren Millionen Menschen helfen. Das Welternährungsprogramm (WFP) konnte im August 3 Millionen Menschen mit einer Monatsration an Lebensmitteln versorgen. Zum Beispiel wird eine Familie mit 80 kg Weizenmehl, 4,5 kg Energiekeksen und 4 Litern Öl versorgt. Das Kinderhilfswerk (UNICEF) verteilt Trinkwasser, repariert Brunnen und stellt Materialen für die Wasseraufbereitung zur Verfügung. Ferner versorgt UNICEF gezielt Kinder mit Medikamenten und Nahrung. Außerdem werden Menschen in den überfluteten Gebieten gegen Masern, Polio und Tetanus geimpft. Gleichzeitig verteilen Mitarbeiter vom Hohen Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) Zelte, Kochutensilien und Decken. Neben den Vereinten Nationen sind auch andere Hilfsorganisationen im Katastrophengebiet tätig und unterstützen die notleidende Bevölkerung wie das Deutsche Rote Kreuz, Care oder Oxfam. Trotz der Anstrengungen der UN und anderer Hilfsorganisationen, warten immer noch hunderttausende Menschen auf Hilfe.

Um in der akuten Krise allen Betroffenen helfen zu können, hat das Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten der Vereinten Nationen (OCHA) am 11. August 2010 den „Pakistan Initial Floods Emergency Response Plan“ ins Leben gerufen und Gelder in Höhe von knapp 460 Millionen US-Dollar angefragt. John Holmes, Leiter von OCHA, berichtete am 26. August, dass bereits 70 Prozent der 460 Millionen US-Dollar eingegangen seien. Mit den zugesagten Mitteln aus dem Plan, belaufen sich alle Hilfszusagen und Spendengelder für Pakistan Ende August auf knapp eine Milliarden US-Dollar.

Spendenbereitschaft niedrig

Die bisher gemachten Zusagen aus Deutschland liegen bei geschätzten 60 Millionen Euro. Seit Beginn der Katastrophe haben Deutsche mehr als 16 Millionen Euro für die Flutopfer gespendet. Das deutsche Spendenaufkommen verharrt auf einem niedrigen Niveau. Vor allem die Angst, die Spendengelder könnten den Taliban zugutekommen oder von der pakistanischen Regierung veruntreut werden, hält die deutsche Spendenbereitschaft gering. Mit der Dauer der Katastrophe wächst aber das deutsche Spendenaufkommen kontinuierlich.  

Hier können Sie spenden:
UNO-Flüchtlingshilfe e.V.
UNICEF

Für weitere Informationen siehe:
Themenschwerpunkt Humanitäre Hilfe
UN Nachrichten zu Pakistan
(Christian Rehmer)

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