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Städte nachhaltig entwickeln – Wie die UN dazu beitragen, Metropolen zukunftsfähig zu gestalten

Ein typisches Bild in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Im Vordergrund neugebaute Wohnhäuser, sogenannte Condominiums. Die Wohneinheiten werden häufig über ein staatliches Lotteriesystem vergeben. Im Hintergrund die Wellblechdächer eines Slums

Ein typisches Bild in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Im Vordergrund neugebaute Wohnhäuser, sogenannte Condominiums. Die Wohneinheiten werden häufig über ein staatliches Lotteriesystem vergeben. Im Hintergrund die Wellblechdächer eines Slums

Weltweit sehen sich Städte unvergleichlichen sozialen, demographischen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen ausgesetzt. In den letzten Jahren hat der Grad der Urbanisierung und der Zuwanderung vom Land in die Städte in hohem Maße zugenommen. Seit einigen Jahren gibt es global erstmalig mehr Stadt- als Landbewohner. Und der Trend der Verstädterung verstärkt sich noch. Ein paar Zahlen: 2050 werden weltweit 2,5 Milliarden Menschen mehr als heute Stadtbewohner sein – insgesamt 70% der Weltbevölkerung. Die Zahl der Städte mit einer bis fünf Millionen Einwohnern wird Prognosen zufolge von heute 417 auf 558 im Jahr 2030 ansteigen. Im Vergleich zum Jahr 1970 ist dies eine Vervierfachung. In den Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Lateinamerika ist der Zuwachs an Stadtbewohnern – hervorgerufen durch Landflucht und hohe Geburtenraten – am größten. Gerade dort finden sich auch die drängendsten Herausforderungen. Es fehlt häufig an bezahlbarem Wohnraum, Gesundheitsversorgung und nachhaltigen Entwicklungskonzepten. Alleine in Afrika leben 225 Millionen Menschen in Slums – das ist mehr als jeder zweite afrikanische Stadtbewohner – und die Slums wachsen jeden Tag.

Genügend Argumente also, das im kommenden Jahr nach den Konferenzen in Vancouver 1976 und Istanbul 1996 die sogenannte „Habitat III“-Konferenz, die "Third United Nations Conference on Housing and Sustainable Urban Development" in Ecuador stattfindet. Habitat III ist die erste große UN-Konferenz, die sich nach der Verabschiedung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) im September 2015 mit ihrer Umsetzung befassen wird. Sicherlich ein sinnvoller Anfang, schließlich findet in den Städten bereits heute 70% der globalen Wirtschaftsleistung statt – sie produzieren jedoch auch 70% des Mülls und verbrauchen 60% der Energie. Ausreichend Anknüpfungspunkte sind also vorhanden.

Das Bild zeigt einen Ausschnitt der Jevanjee-Gardens in Nairobi
Auch die Bereitstellung öffentlichen Raums gehört zum Konzept der nachhaltigen Stadtentwicklung: Die öffentlichen Jevanjee-Gardens im Central Business District von Nairobi wurden gemeinsam von UN Habitat und dem Nairobi City County neugestaltet - unter starker Einbeziehung der Bürger und mithilfe des Computerspiels "Minecraft". Nun ist der Park deutlich sicherer, für alle zugänglich und es gibt öffentliches Wi-Fi.

UN-Habitat und UNEP: Zwei Organisationen, die sich den Herausforderungen stellen

Mit der Recherchereise vom 26.05.-03.06 2015 in die kenianische Hauptstadt Nairobi und nach Addis Abeba, Hauptstadt des benachbarten Äthiopien, bot die DGVN fünf Journalistinnen und Journalisten sowie zwei Multiplikatorinnen aus der entwicklungspolitischen Erwachsenenbildung die Möglichkeit, die urbanen Chancen und Herausforderungen sowie die Arbeit der UN in diesem Bereich in zwei wachsenden afrikanischen Großstädten genauer unter die Lupe zu nehmen. Als politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentren in Ostafrika beheimaten die beiden Städte mehrere UN-Organisationen. Sowohl das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP als auch das Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen UN Habitat haben ihren Hauptsitz in Nairobi, das mit dem United Nations Office in Nairobi (UNON) gleichzeitig der UN-Standort in Afrika ist. Das häufig als „heimliche Hauptstadt Afrikas“ bezeichnete  Addis Abeba ist u.a. Sitz der United Nations Economic Commission for Africa und zudem eine Stadt mitten im Umbruch – unzählige Baustellen und wie Pilze aus dem Boden schießende Wohnblöcke zeugen davon.

Sowohl in der kenianischen als auch in der äthiopischen Hauptstadt standen den JournalistInnen und den Multiplikatorinnen hochrangige und fachkundige Gesprächspartner der UN zur Verfügung: Achim Steiner, UNEP-Exekutivdirektor, Aisa Kirabo Kaycira, stv. Exekutivdirektorin von UN Habitat und Takyiwaa Manuh, Direktorin für soziale Entwicklung bei der UNECA gaben Einblicke in die verschiedenen Dimensionen von Urbanisierung und ihren Herausforderungen, brachten aber auch ihre Hoffnung zu den vielfältigen Chancen, die in diesem Prozess stecken, zum Ausdruck.  So bieten Städte beispielsweise gute Voraussetzungen für Armutsbekämpfung, Wirtschaftswachstum, energieeffizientes Bauen, technische Innovation oder kulturelle Entwicklung.

In beiden Städten wird urbane Entwicklung jedoch nicht „nur“ theoretisch von den UN geplant und gedacht. Besuche von Entwicklungsprojekten in zahlreichen Slumgebieten, in Universitäten, Schulen und Verwaltungen, einem öffentlichen Park sowie auf Straßenbahnbrücken, Busspurbaustellen und einer Müllhalde gaben den Reiseteilnehmern die Möglichkeit, ganz konkret zu recherchieren und zu erfahren, was die Vereinten Nationen und auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Kooperation gemeinsam mit den Partnerorganisationen vor Ort leisten. Durch diverse Hintergrundgespräche in den deutschen Botschaften, mit lokalen und internationalen Experten und natürlich mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der UN konnten viele Perspektiven eingebracht und unterschiedliche Meinungen eingeholt werden. 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Recherchereise (v.l.n.r.): Daniel Wenisch, Ina Nottebohm, Steffen Stürznickel (DGVN), Klaus Späne, Wolfgang Blatz, Janika Hartwig, Katharina Wojczenkjo, Martin Ling.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Recherchereise (v.l.n.r.): Daniel Wenisch, Ina Nottebohm, Steffen Stürznickel (DGVN), Klaus Späne, Wolfgang Blatz, Janika Hartwig, Katharina Wojczenkjo, Martin Ling.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Für eine Reiseteilnahme konnten sich Redakteurinnen und Redakteure der über einhundert Tageszeitungen in Deutschland mit einem regionalen Fokus bewerben. Ausgewählt wurden Wolfgang Blatz (Die Rheinpfalz), Martin Ling (Neues Deutschland), Klaus Späne (Frankfurter Neue Presse), Daniel Wenisch (freier Journalist) und Katharina Wojczenko (Nordbayerischer Kurier). Gemeinsam verfügen die auf der Recherchereise vertretenen Medien über eine tägliche verkaufte Auflage von nahezu 400.000 Exemplaren. Hinzuzurechnen ist die Onlineberichterstattung über die häufig frequentierten Regionalportale der Zeitungen. 

Zudem waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der entwicklungspolitischen Erwachsenenbildung aufgerufen, sich für die Reise zu bewerben. Ausgewählt wurden Janika Hartwig (Entwicklungspolitisches Bildungs- und Informationszentrum) und Ina Nottebohm (Haus Neuland). Beide Institutionen werden die Eindrücke und Ergebnisse der Reise in ihre politische Bildungsarbeit mit aufnehmen. 

Die Reise wurde aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. 


Veröffentlichungen


Die ersten Artikel sind bereits erschienen. Die folgende chronologische Liste von Veröffentlichungen zur Reise wird fortwährend aktualisiert:

Neues Deutschland, 2. Juni 2015, Planet der Slums oder auf der nd-Homepage- MARTIN LING

Die Rheinpfalz, 20. Juni 2015, Hintergrundseite Blickpunkt: Afrikas Metropolen wachsen rasant, mit den Artikeln "Jeder zweite Stadtbewohner lebt im Slum", "Bausparen auf Äthiopisch", "Mit dem Smartphone soziale Probleme lösen" und "Nils erklärt: Im Slum herrscht nicht nur Chaos" - WOLFGANG BLATZ

Frankfurter Neue Presse, 2. Juli 2015, Seite Das Thema, mit den Artikeln "Afrika träumt vom  öffentlichen Nahverkehr", "Schöner Wohnen in der 'Neuen Blume'" und "Pauken in der Slumschule" - KLAUS SPÄNE

Die Rheinpfalz, 11. Juli 2015, Leitartikel Der unterschätzte Faktor - WOLFGANG BLATZ

Nordbayerischer Kurier, 1./2. August 2015, Report, mit den Artikeln "Eine Stadt steht im Stau – und Schnellbusse sollen helfen", "Der Dreck muss weg: Mehr Luft für den Müll" und "Jetzt kommen sogar Frauen in den Park" - KATHARINA WOJCZENKO

Donaukurier, 13. August 2015, Panorama "Afrikas Metropolen im Aufbruch" - DANIEL WENISCH

Nordbayerischer Kurier, Fotostrecke Eindrücke aus Afrika: Nairobi und Addis Abeba - KATHARINA WOJCZENKO

Eine-Welt-Presse 2015, Nord-Süd-Zeitung der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Nachhaltige Stadtentwicklung - Wie Metropolen mithilfe der UN gegen den Kollaps kämpfen - DGVN/DANIEL WENISCH

Frankfurter Neue Presse, 5. Dezember 2015, Reise "Die heimliche Hauptstadt Afrikas in Aufbruchstimmung" - KLAUS SPÄNE

Frankfurter Neue Presse, 2. März 2016, Das Thema mit dem Interview "Klimaschutz im Schatten der Krisen" und dem Artikel "Globale Stimme der Umwelt" - KLAUS SPÄNE

 

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