Veranstaltungsbericht Ziele für nachhaltige Entwicklung/Agenda 2030

Quo vadis? – Die UN auf dem Weg zu einer "Post-2015-Agenda"

Matthias Böhning und Silke Weinlich vor dem Banner der DGVN

Matthias Böhning und Silke Weinlich stellen sich den Fragen des Publikums. ©Thore Nottelmann/DGVN

Am Dienstag, den 03.02.2015, lud die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) zum Mittagsgespräch ins dbb-Forum in Berlin. Das Interesse an der Veranstaltung war groß, was angesichts der Aktualität des Themas nicht verwunderlich ist: Erst Ende letzten Jahres legte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon seinen Synthesebericht für nachhaltige Entwicklung ‚The road to dignity by 2030: Ending poverty, transforming all lives and protecting the planet‘ vor. Nun stellten Dr. Silke Weinlich (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik), Günter Mitlacher (World Wide Fund for Nature) und Matthias Böhning (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft) den Bericht auf den Prüfstand und zeigten Potenziale und Herausforderungen der „Post-2015-Agenda“ auf. Das Gespräch moderierte Gabriele Köhler, die – wie Matthias Böhning – Mitglied im Bundesvorstand der DGVN ist.

Der Synthesebericht des UN-Generalsekretärs

Inhaltliche Schwerpunkte

Das Jahr 2015 wird wegweisend für die UN. Das machte die Generalsekretärin der DGVN, Dr. Beate Wagner, in ihrer Begrüßungsrede deutlich. Zusammen mit der Klimakonferenz in Paris wird der neuen Entwicklungsagenda, der sogenannten „Post-2015-Agenda“, besondere Bedeutung zukommen.

Als Grundlage der Agenda dient der Synthesebericht des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon. Dessen Leistung sieht Weinlich vor allem darin, dass er die Menschen und den Planeten als unseren gemeinsamen Lebensraum ins Zentrum stellt. Sie bilden zwei der insgesamt sechs Themenfelder – Menschen, Würde, Wohlstand, Gerechtigkeit, Partnerschaft und Planet – die aus den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) abgeleitet wurden, welche die zwischenstaatliche Offene Arbeitsgruppe (Open Working Group) zuvor erarbeitet hatte.

Potenziale und Herausforderungen

Zudem hob Weinlich positiv hervor, dass der Synthesebericht weitere Anforderungen an die „Post-2015-Agenda“ spezifiziert. Dazu gehöre die Stärkung der globalen Partnerschaft, wodurch ein Transformationsprozess zu größerer sozialer Gerechtigkeit angestoßen werden solle. Dies sei gerade auch Aufgabe privater Akteure in Ländern des globalen Nordens. Dieser Meinung schlossen sich Böhning und Mitlacher an: Es liege in der Verantwortung der Regierungen, die politischen Rahmenbedingungen und ökonomischen Anreize zu schaffen, um private Akteure in den Entwicklungssektor einzubinden. Böhning betonte, dass dabei gerade die nicht-monetären Leistungen (z.B. Technologie-Transfer) essenziell sind.

Gabriele Köhler und Günter Mitlacher vor dem Banner der DGVN
Gabriele Köhler und Günter Mitlacher diskutieren über nachhaltige Entwicklung. ©Thore Nottelmann/DGVN

Rezeption

In seinem Synthesebericht fordert UN-Generalsekretär Ban Ki-moon weiterhin dazu auf, die neue Agenda auf dem Fundament der Menschenrechte aufzubauen, was laut Weinlich vielfach auf positive Resonanz gestoßen ist. Die Schwächen des Syntheseberichts – so der Vorwurf der Kritiker – lägen darin, dass er bestimmte Themen und Gruppen vernachlässige und nicht konzise bzw. lösungsorientiert sei. Weinlich hingegen sieht darin vielmehr den Versuch, Kritikanfälligkeit zu vermeiden. Schließlich gehe es darum, eine universell geltende „Post-2015-Agenda“ zu entwickeln.

Ökologisches Bewusstsein als Schlüssel zu nachhaltiger Entwicklung

Mitlacher sieht in der Universalität der Agenda die Notwendigkeit, das ökologische Bewusstsein grundlegend zu ändern. Denn ein Transformationsprozess zu größerer sozialer Gerechtigkeit bedeutet für ihn zugleich, die eigenen ökologischen Grenzen zu erkennen, einzuhalten und zu respektieren. Mitlacher betonte, dass dies keineswegs eine neue Forderung ist: Bereits 1972 beschäftigte sich der Club of Rome mit der Frage nach Grenzen des weltweiten Wachstums, bedingt durch die Begrenztheit natürlicher Ressourcen. Darüber hinaus wurden 1992 in der „Rio-Erklärung über Umwelt und Entwicklung“ Strategien formuliert, um die Ökosysteme dergestalt zu erhalten, dass sie für Menschen auch zukünftig nutzbar sind. Ökologische Entwicklungsziele haben Mitlacher zufolge stets auch ökonomische und soziale Auswirkungen, weshalb er dazu anregt, die verschiedenen Themenfelder für nachhaltige Entwicklung als interdependentes Gefüge aufzufassen.

Im September dieses Jahres wird sich zeigen, auf welche Entwicklungsziele sich die Staaten letztendlich einigen können und welche Umsetzungsstrategien in die „Post-2015-Agenda“ einfließen. Sicher ist, dass die „Post-2015-Agenda“ das Verständnis von nachhaltiger Entwicklung neu formulieren wird.

Alexandra Dick

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