Veranstaltungsbericht

Quinoa – ein Nahrungsmittel der Zukunft?

Eine Zukunft, ausgesät vor tausenden vor Jahren

Unter diesem Slogan rufen die Vereinten Nationen zusammen mit der Welternährungsorganisation FAO zum „Internationalen Jahr der Quinua“ auf. Im Vorfeld dieser Initiative wurde der bolivianische Präsident Evo Morales am 11. Juli 2012 von der FAO zum Sonderbotschafter der Vereinten Nationen für die Quinoa Pflanze ernannt.

Die bolivianische Botschafterin Elizabeth Salguero Carrilloging ging in ihrer Begrüßung gleich auf einige Vorteile der Quinoa ein. Sie stünde für eine ausgewogene Ernährung und sei ihrer Einschätzung nach ein potentielles Nahrungsmittel der Zukunft.

Quinoa wird primär in Peru, Bolivien und Ecuador angebaut und weltweit exportiert. In den Gesellschaften lateinamerikanischer Staaten war die Pflanze bisher im Wesentlichen als ein günstiges Nahrungsmittel für die einheimische Bevölkerung. Sie ist ein widerstandsfähiges, sehr nahrhaftes all-round Gewächs, das  auf kargen Böden mit wenig Wasser angebaut werden kann. Ihr besonderer Nähr- und Entwicklungswert für Entwicklungsländer ist seit geraumer Zeit bekannt, wie durch den Slogan " Eine Zukunft, ausgesät vor tausenden vor Jahren" unterstrichen wird.

Die Teilnehmer der Gesprächsrunde: Stig Tanzmann, der Moderator Jürgen Hoth, Elizabeth Salguero Carrilloging, bolivianische Botschafterin in Deutschland und Andrea Fütterer (von links) in der Botschaft.

Interesse des Nordens an Saatgut

Stig Tanzmann, Vertreter von „Brot für die Welt“, unterstrich die Vorteile der Quinoa. Sie könne in den Regionen, in denen Unterernährung herrscht, durch eine lokale Produktion im Rahmen eines heimisches Pflanzensystems ohne den Bedarf zusätzlicher Inputs genutzt werden. Tanzmann kritisierte allerdings auch den Umgang mit Nahrungsmitteln und erteilte dem „Interesse des Nordens an Saatgut“ eine Absage. Dennoch stellt der Handel mit Saatgut einen wichtigen Absatzmarkt und eine Einnahmequelle für Devisen dar. Saatgut müsse in bäuerlichen Händen bleiben, forderte er. Außerdem böte Quinoa seiner Einschätzung nach eine Antwort auf steigende Nahrungsmittelpreise, da die Pflanze nicht input-intensiv sei und kosten- und ernergiegünstig genutzt werden könne. Da sie kaum gedüngt werden müsse, sei dies sowohl für die Kosten, als auch für die Ökologie positiv.

Auf den Aspekt bäuerlicher Arbeit ging auch Andrea Fütterer von der GEPA, der größten europäischen Importfirma für fair gehandelte Produkte, ein. Sie wies auf die Bedeutung lokaler Kooperativen für die einheimische Bevölkerung hin, da diese sich selber versorgen und überschüssige Nahrungsmittel verkaufen können. Im Verlauf der Diskussion wiesen die Beteiligten mehrfach auf den Punkt lokale Pflanzen für lokale Ernährung hin.

Mit dem von Bolivien entwickelten „Mutter Erde“-Konzept hat das Land einen Ansatz entwickelt, Naturprodukte zu fördern und Klein- und Kleinstbauern für ökologischen Anbau regionaler Pflanzen zu sensibilisieren. Dabei gilt das Prinzip Qualität statt Quantität, denn Bolivien soll nicht nur Rohstofflieferant sein, sondern auch veredelte Produkte exportieren können.

Nach der Diskussion wurde eine Auswahl an Quinoaprodukten angeboten.

ANAPQUI – Stärkung auf lokaler Ebene

Der Unterstützung von Kleinbauern räumte auch Fütterer eine hohe Relevanz ein. Durch ANAPQUI (National Association of Quinoa Producers), einen Zusammenschluss bolivianischer Quinoaproduzenten, soll genau diese Hilfe gewährleistet werden. ANAPQUI gehören aktuell zwölf Partnerorganisationen an. Sie exportieren 70 Prozent des Gesamtvolumens ihrer Anbauflächen; davon gehen wiederum Prozent an fairtrade Handelsgruppen.

Die restlichen 30 Prozent der Produktion entfallen auf den lokalen Markt. Seit den 1980er Jahren wirbt ANAPQUI für einen ökologischen Anbau, um die Fruchtbarkeit der Böden nicht zu belasten. Innerhalb dieser Kooperative wird dieser Ansatz befolgt, sodass eine nachhaltige Bewirtschaftung betrieben werden kann.

Der Anbau der Quinoa Pflanze hat sich für lokale Bauern in Bolivien als positiv erwiesen. Er brachte ihnen sogar einen kleinen Wohlstand, sodass viele von ihnen in Städte zogen, wie die Botschafterin beschrieb. Diesen Migrationsprozess stuft sie nicht als problematisch sondern als eine normale Entwicklung ein.

Die Expertise "Quinoa: An ancient crop to contribute to world food security" des FAO zu finden sie hier.