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Palais am Festungsgraben – Ein Haus für die Vereinten Nationen?

Palais am Festungsgraben. © Creative Commons

Das illustre Palais am Festungsgraben ist eines der letzten architektonischen Schmuckstücke in Berlins Mitte, das im Besitz der Stadt ist. Ein neues Konzept, das am 15. Juni im Marmorsaal des Palais vor 200 Gästen zum ersten Mal öffentlich vorgestellt wurde, schlägt nun vor das Gebäude als „Haus für die Vereinten Nationen“ zu nutzen.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion kritisierten Politiker von Grünen und CDU sowie Unterstützer des Konzepts die mangelnde Sichtbarkeit der Vereinten Nationen in Berlin. „Die fehlende Repräsentanz der UN in Berlin ist ein Defizit, für das man sich schämt, wenn man sich den gefühlten, internationalen Anspruch der Stadt vor Augen führt“, konstatierte Stefan Evers, Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus.

Das Konzept - Ein Haus für die Vereinten Nationen in Berlin

Das Nutzungskonzept für das sanierungsbedürftige Palais sieht vor, dass das „Haus für die Vereinten Nationen“ sowohl Informationsbüros von UN-Organisationen beherbergen soll, als auch Nichtregierungsorganisationen, die im UN-Kontext arbeiten. „Mit dem Haus für die Vereinten Nationen soll die UN in Deutschland, in der Hauptstadt, eingebettet sein“, so Stephan Dömpke, Initiator der Idee, vom World Heritage Watch e.V. Das Haus für die Vereinten Nationen verstehe sich außerdem als Dialogzentrum und -partner für das benachbarte Humboldt-Forum. Rolf Kreibich vom World Future Council bezeichnete es als einen „Kumulationspunkt für internationale Politik in Berlin“. Zudem gäbe es mit ILO, Weltbank, WFP und UNHCR einige UN-Dependancen in Berlin, die an einem solchen Haus Interesse haben könnten. „Ein Haus für die Vereinten Nationen könnte als standardmäßige Anlaufstelle für den Generalsekretär dienen, wenn er Berlin besucht“, sagte Ekkehard Griep, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen, die das Konzept unterstützt.

Warum aber nun gerade das Palais am Festungsgraben? „Die Bedeutung einer Institution misst sich an dem Gebäude, in dem sie untergebracht ist. Da muss es einen Ort geben“, betonte Tom Koenigs, MdB für Bündnis 90/Die Grünen und Unterausschuss Vereinte Nationen. Vor diesem Hintergrund erscheint das Palais am Festungsgraben ein idealer Ort. Umgeben von Humboldt Universität, Auswärtigem Amt, Museumsinsel und Staatsoper stelle das Haus nach Koenigs eine perfekte Mischung aus Nähe zur Regierung, zentraler Lage und würdevoller Vergangenheit dar. „Nur ein Haus, das höchsten repräsentativen Ansprüchen genügt, kann der UN und ihren Zielen gerecht werden“, resümierte auch Dömpke. Nach Prof. Rolf Kreibich sei es überhaupt ein Glücksumstand, dass das Palais noch in den Händen der Stadt sei. „Die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) hat das Haus vor 14 Jahren für den symbolischen Preis von einem Euro angeboten. Damals hat aber niemand zugeschlagen.“

Ein langfristiges Projekt

Rolf Kreibich, Tom Koenigs, Shelly Kupferberg Stefan Evers und Ekkehard Griep (v.l.n.r.)
Rolf Kreibich, Tom Koenigs, Shelly Kupferberg Stefan Evers und Ekkehard Griep (v.l.n.r.)
Foto: DGVN

Im Laufe des Abends gab es aber auch Nachfragen. Welche Nichtregierungsorganisationen in einem „Haus für die Vereinten Nationen“ einziehen dürften, bewegt die derzeitigen Mieter, wie Monika Helbig vom Theater im Palais. Zwar haben aufgrund der baldigen Sanierung alle Mieter kurzfristige Mietverträge und müssten ohnehin bald ausziehen, aber wer wieder zurück darf und wer das entscheidet, bleibt noch unklar. Weitere Beiträge aus dem Publikum bezogen sich auf die Finanzierung der enormen Sanierungskosten von 20-25 Millionen Euro und der zeitlichen Dimension des Projekts. Da an diesem Abend die erste öffentliche Diskussion des Vorschlags stattfand, mahnte das Podium zu Geduld. „Es ist ein Prozess, der jetzt in Bewegung gerät. Heute beginnt die Zeit zu laufen“, so Ekkehard Griep. Stefan Evers beipflichtend: „Erfahrung bei Gebäuden dieser Größenordnung zeigt, dass allein die Sanierung fünf Jahre dauert. Abreißen und neu bauen, ginge da schneller.“ Klare Worte zur Finanzierung kamen von Tom Königs: „Nichts scheitert am Geld, alles scheitert am politischen Willen“. Im Laufe des Abends keimte auch immer wieder die Konkurrenz eines Haus für die Vereinten Nationen gegenüber dem deutschen UN-Standort Bonn auf. Hier jedoch beschwichtigte Koenigs: „ Bonn gegen Berlin ist keine Diskussion. Wenn das Palais die Dimension des neuen Innenministeriums hätte, dann wäre das eine Diskussion.“

Die nächsten Schritte

Die nächsten Schritte bestehen nun nach Koenigs vor allem im Aufbau von politischem Druck und dem Gewinnen weiterer einflussreicher Unterzeichner für das Konzept. Bis zum Ende des Jahres soll die BIM einen oder mehrere kulturaffine Mieter für das Palais finden. Wie auch immer sich der Senat entscheiden wird, der Initiativen  Förderverein Berliner Schloss e.V. hätte nach Ansicht von Prof. Kreibich gezeigt, dass Initiativen, wie ein „Haus für die Vereinten Nationen“ auf lange Sicht etwas erreichen können. Stefan Evers stellte abschließend fest: „Politik ist Ausdauersport, aber es lohnt sich, sich auf den Weg zu machen“.

 

Von Moritz Andresen

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