Journalistenreise

Noch bis Ende August bewerben: Recherchereise zur UN-Mission nach Liberia

In der gegenwärtigen deutschen Medienlandschaft, insbesondere bei regionalen Tageszeitungen und Rundfunksendern, spielen UN-Themen und entwicklungspolitische Fragestellungen meist nur eine untergeordnete Rolle oder tauchen sporadisch auf, etwa im Falle aufsehenerregender Krisen oder Katastrophen. Um einen Beitrag zu einem differenzierteren Bild über die Aufgaben und Herausforderungen der Vereinten Nationen in Krisenregionen zu leisten, bietet die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) im November 2012 eine Informations- und Recherchereise für Journalistinnen und Journalisten nach Monrovia/Liberia an. Der Vorteil für Sie: Diese Reise kann zu vielen journalistischen Fragestellungen konkrete Antworten liefern, die das Leser- bzw. Hörerinteresse wecken: Was leisten die Vereinten Nationen in Entwicklungsländern vor Ort? Wo liegen die Chancen, wo Herausforderungen für internationales Engagement in Post-Konflikt-Staaten? Welche Akteure spielen eine Rolle, und welche Bedeutung kommt uns in Deutschland dabei zu?

Staatszerfall und Bürgerkrieg als Herausforderung, Liberia als Erfolgsgeschichte

Die Reise führt in eine krisengeschüttelte Region, die hervorragende Anschauungsmöglichkeiten für langfristiges internationales Krisenmanagement und Konfliktnachsorge durch die internationale Gemeinschaft bietet. Staatszerfall und Bürgerkrieg sind in vielen Staaten Afrikas große Herausforderungen: Somalia, Kongo, Elfenbeinküste sind nur einige Beispiele für Staaten, in denen mangelhafte Strukturen bis hin zu erodierender Staatlichkeit, bewaffnet ausgetragene Verteilungskonflikte und alltägliche Gewalt durch Clans und Jugendbanden die menschliche Entwicklung massiv beeinträchtigen. In Westafrika waren und sind solche Prozesse der Zerstörung und des Wiederaufbaus in den vergangenen Jahrzehnten gehäuft zu beobachten. Liberia ist einer der betroffenen westafrikanischen Staaten.

Liberia wird von der internationalen Gemeinschaft seit knapp zehn Jahren durch die UN-Friedensmission UNMIL (United Nations Mission in Liberia) unterstützt, derzeit mit noch ca. 8.000 Soldaten und 1.300 Polizisten aus 58 UN-Mitgliedstaaten sowie rund 1.700 zivilen Mitarbeitern. Nach einem 14 Jahre währenden Bürgerkrieg sorgt die Präsenz der Vereinten Nationen seit 2003 für mehr Vertrauen in der Bevölkerung und trägt dazu bei, Grundlagen für ein stabiles Liberia zu schaffen: frei von innenpolitischen Krisen und ohne die blutigen Kämpfe verfeindeter Milizen. Mit der Unterstützung der Vereinten Nationen erscheint Liberia heute, trotz bleibender Herausforderungen, auf einem guten Weg. Die Verleihung des Friedensnobelpreises 2011 an Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und die liberianische Bürgerrechtlerin Leymah Roberta Gbowee hat dabei auch die Bedeutung der Rolle von Frauen für den Friedens- und Stabilisierungsprozess in Liberia ausdrücklich gewürdigt. Dass im Aufbauprozess neben politischen und ökonomischen auch soziale Herausforderungen bestehen, zeigt vor allem die Problematik der Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten. Und auch die Aufarbeitung von Menschenrechtsverbrechen ist wichtig. Indem der ehemalige Präsident Liberias, Charles Taylor, im April 2012 in Den Haag schuldig gesprochen wurde, Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben, ist ein weiterer Schritt für die positive Entwicklung Liberias vollzogen worden. Insgesamt bietet das Land damit zahlreiche spannende Anknüpfungspunkte für Journalisten.

Zielgruppe und Programm der Reise

Im Rahmen der Reise wird ein knapp einwöchiges Reiseprogramm angeboten. Es ermöglicht Einblicke in ein fragiles, aber sich stetig stabilisierendes Land, in dem die Vereinten Nationen auf vielfältige Weise engagiert sind. Neben dem Kennenlernen der UN-Mission soll es Gelegenheit zum Meinungsaustausch mit Vertretern weiterer UN-Institutionen (z.B. UNDP, UNHCR, WFP), staatlichen und zivilgesellschaftlichen Institutionen des Landes sowie mit Entwicklungsprojekten staatlicher und nicht-staatlicher Träger geben. Durch die Vermittlung interessanter Termine und sachkundiger Interviewpartner soll die Reise Recherchen ermöglichen sowie Stoff und Anreize für Reportagen und Hintergrundberichte liefern. Sie soll helfen Vorurteile abzubauen und die Bedeutung praktischer Entwicklungspolitik sowie der Rolle der Vereinten Nationen durch konkrete Begegnungen erfahrbar machen, u.a. mit den fünf deutschen Polizisten, die momentan im Rahmen von UNMIL eingesetzt sind.

Teilnehmen können bis zu fünf Journalistinnen und Journalisten. Der Fokus liegt auf etablierten regionalen Medien, also Tageszeitungen und Radiosendern, die in der Regel über keine eigenständige außen- und entwicklungspolitische Berichterstattung verfügen und deshalb – trotz ihrer Reichweite und Bedeutung im Rahmen der politischen Aufklärungsarbeit – im außenpolitischen Kontext meist auf Zweit- oder gar Drittverwertungen zurückgreifen müssen.

Reisestipendium, Kosten, Termin

Die Kosten der Reise (Flug, Unterbringung/Frühstück sowie anfallende Transfer- und weitere programmbezogene Kosten vor Ort) werden von der DGVN aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung übernommen. Weitere Kosten des Aufenthalts – z.B. für Mahlzeiten oder sonstige im Zusammenhang mit der Reise entstehende Kosten (Visum, Impfungen, Malariaprophylaxe etc.) – müssen von den jeweiligen Heimatredaktionen oder den Reisenden übernommen werden. Der Aufenthalt in Liberia ist für die Woche vom 12. bis 18. November 2012 vorgesehen. Da die DGVN nicht als Reiseveranstalter im Sinne der §§ 651a ff BGB anzusehen ist, akzeptieren alle Reisenden gegenüber der DGVN jeglichen Haftungsausschluss.

Bewerbung und Bewerbungsfrist

Sollten Sie als verantwortliche/r Leiter/in eines regional etablierten Mediums Interesse an der skizzierten Reise haben, freuen wir uns über eine schriftliche Bewerbung aus Ihrem festen Redaktionsstamm. Der Bewerbung beizufügen ist ein Motivationsschreiben mit einer Auflistung möglicher journalistischer Beiträge im Nachgang der Reise, drei Arbeitsproben, ein tabellarischer Lebenslauf sowie eine Einverständniserklärung des Arbeitgebers/Mediums, den Mitarbeiter/die Mitarbeiterin für die Dauer der Recherchereise freizustellen. Die Bewerbung kann per E-Mail an den Projektverantwortlichen Dr. Alfredo Märker (maerker@dgvn.de) übersendet werden. Die Bewerbungsfrist endet am 31. August 2012. Über die Auswahl der Reisenden entscheidet die DGVN. Ein Rechtsanspruch besteht nicht.  Rückfragen gerne per E-Mail oder telefonisch unter 030-259375-23.