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Nachruf: Tono Eitel (1933–2017)

Der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen trifft Tono Eitel während einer internationalen Konferenz für nachhaltige Entwicklung kleiner Inselstaaten in Port-Louis, Mauritius.

Der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan (rechts) trifft Antonius "Tono" Eitel, ehemaliger ständiger Vertreter Deutschlands bei den Vereinten Nationen, während der internationalen Konferenz zum Zehnjahresüberblick des Barbados-Aktionsprogramms für nachhaltige Entwicklung kleiner Inselstaaten in Port-Louis, Mauritius.

Die DGVN hat Abschied genommen von ihrem am 25. Juni 2017 verstorbenen langjährigen Präsidiumsmitglied Tono Eitel. Eitel stand von 1963 bis 1998 im Dienste des Auswärtigen Amtes. Er erwarb sich rasch den Ruf eines brillianten Völkerrechtlers, sowohl in der täglichen Praxis des Amtes als auch in der Theorie. Zahlreiche Publikationen zeugen von einem außergewöhnlich breiten Interessenspektrum an staats- und völkerrechtlichen Fragestellungen, insbesondere auf dem Gebiet des Seevölkerrechts. Sein profundes Wissen und seine beruflichen Erfahrungen gab er seit 1991 weiter als Honorarprofessor an der Ruhr-Universität Bochum.

Eitel hat in den Jahrzehnten seines Berufslebens Höhen und Tiefen einer Diplomatenkarriere erlebt. Zu den Höhen sind u.a. zu rechnen die Leitung der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amtes, der Posten des deutschen Botschafters bei den Vereinten Nationen in New York, der Vorsitz im UN-Sicherheitsrat und – schon als vielseitig engagierter Pensionär – der bravouröse Wahlsieg bei Bruno Simmas Kandidatur für den Internationalen Gerichtshof im Jahre 2002, um den sich Tono Eitel sehr verdient gemacht hat. Auf der anderen Seite entging er nur knapp dem Tod als Botschafter in Beirut, als sein Dienstwagen unter Beschuss genommen wurde und sein Fahrer dabei ums Leben kam.

Wer mit Eitel zusammengearbeitet hat, schätzte seine überaus angenehmen Umgangsformen, seine Ausgeglichenheit, sein unprätenziöses Auftreten, seine Fähigkeit zu motivieren, aber auch seinen spritzigen Humor. Diese Eigenschaften, die man verkürzt unter dem Begriff der sozialen Intelligenz zusammenfassen könnte, in Kombination mit seinem fachlichem Können auf Spitzenniveau behalten seine Weggefährten in gleichermaßen dankbarer wie respektvoller Erinnerung, in der  – dies kann man sagen ohne zu übertreiben -  auch Bewunderung mitschwingt.

Als Beispiel für den erwähnten spritzigen Humor sei verwiesen auf ein Gespräch Eitels mit dem Autors dieses Nachrufs, in dem Letzterer sein Bedauern darüber aussprach, dass er nur eine relativ kurze Zeit die Freude hatte unter Eitels Führung zu arbeiten. Daraufhin Eitel: “Dies war gut so, denn wir haben es beide nicht verdient, in einem Über-Unterordnungsverhältnis zu stehen.”

 

Dr. Wolfgang Münch