UN-Aktuell

Nachruf auf Stéphane Hessel

Stéphane Hessels Profilbild vor einem Mikrofon

Stéphane Hessel. Foto: Marie-Lan Nguyen

Stéphane Frédéric Hessel ist am 26. Februar 2013 im Alter von 95 Jahren gestorben. Der 1917 in Berlin geborene französische Diplomat hat sich sein Leben lang für die Menschenrechte und eine gerechtere Welt eingesetzt. Hessel war im Alter von sieben Jahren mit seiner Familie nach Paris gezogen und hatte später die französische Staatsbürgerschaft angenommen. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geriet er in deutsche Kriegsgefangenschaft, floh nach London und schloss sich der Résistance unter Charles de Gaulle an. Zurück in Frankreich fiel er der Gestapo in die Hände und wurde ins KZ Buchenwald deportiert, konnte jedoch später fliehen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs machte Hessel Karriere als Diplomat in Diensten Frankreichs und als internationaler Beamter in den Vereinten Nationen. In den ersten Jahren des Bestehens der Vereinten Nationen, von 1946 bis 1950, war er Mitarbeiter von Henri Laugier, dem ersten Beigeordneten Generalsekretär für soziale Angelegenheiten und Menschenrechte. In dieser Zeit war Hessel an der Ausarbeitung der 1948 von der UN-Generalversammlung verabschiedeten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte aktiv beteiligt.

1970 wechselte er zum Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), wo er bis 1972 das Amt des stellvertretenden Administrators für Politik und Evaluierung innehatte. Von 1976 bis 1981 war Hessel Frankreichs UN-Botschafter in Genf. Nach seiner Pensionierung ließ sein Engagement für Menschenrechte und die Vereinten Nationen nicht nach. Im Alter von 75 Jahren war er der Leiter der französischen Delegation bei der Wiener Weltmenschenrechtskonferenz im Jahr 1993 und wenig später Mitglied der Unabhängigen Arbeitsgruppe über die Zukunft der Vereinten Nationen (›Weizsäcker-Kommission‹).

Die Einladung, auf einer von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen mitorganisierten Konferenz Mitte April in Berlin aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums der Wiener Weltmenschenrechtskonferenz den Eröffnungsvortrag zu halten, konnte er leider nicht mehr wahrnehmen.

 

Von Anja Papenfuß