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Nachruf auf Hans-Peter Kaul

Nachruf Kaul, Bild Fachtagung

Hans- Peter Kaul, Mai 2010 in Berlin (© DGVN)

Die DGVN trauert um ihr Präsidiumsmitglied und langjährigen Freund und Unterstützer Hans-Peter Kaul, der am Montag, den 21. Juli 2014, nach kurzer schwerer Krankheit verstarb. Kaul, der 1943 in Glashütte (Sachsen) geboren wurde, widmete sich im Laufe seiner Karriere als Richter, Völkerrechtler und Diplomat der Reform und Neugestaltung internationaler Gerichtsbarkeit, insbesondere der Strafgerichtsbarkeit. Sein Wirken war von dem Bestreben geprägt, an der Schaffung einer Welt mitzuwirken, in der Völkerrechtsverbrechen, wie sie etwa 1933 bis 1945 von Deutschland ausgingen, nicht straflos bleiben. Kaul galt als treibende Kraft sowohl bei der Ausarbeitung und Verabschiedung des Römischen Statuts im Jahr 1998 als auch bei der Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) im Jahr 2002.

Im Februar 2003 wurde Hans-Peter Kaul als erster Deutscher zum Richter am IStGH gewählt und hatte dieses Amt für insgesamt elf Jahre inne. Von 2004 bis 2009 sowie von April bis Juli 2014 war er außerdem Präsident der Vorverfahrensabteilung des IStGH. Während seiner Amtszeit hatte er weitere wichtige Positionen inne, unter anderem die des Vizepräsidenten des IStGH in den Jahren 2004 bis 2009.

Bereits vor seiner Berufung zum Richter am IStGH leistete Hans-Peter Kaul wichtige Beiträge zur Entwicklung des Gerichtshofs. Im Jahr 2002 wurde er zum Botschafter des Auswärtigen Amtes für den Internationalen Strafgerichtshof ernannt. Von 1996 bis 2003 nahm er als Leiter der deutschen Delegation an den Verhandlungen zum Römischen Statut teil und war davor als Leiter der Abteilung ›Internationales Öffentliches Recht‹ im Auswärtigen Amt unter anderem verantwortlich für diverse Fälle vor dem Internationalen Gerichtshof, von denen Deutschland betroffen war.

Hans-Peter Kaul trat im Jahr 2002 in die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen ein und wurde im Jahr 2008 in deren Präsidium gewählt. Im selben Jahr erhielt er die Ehrendoktorwürde der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln. Sein Engagement für eine bessere Welt, seine profunden Kenntnisse der internationalen Strafgerichtsbarkeit und seine liebenswürdige Persönlichkeit haben Hans-Peter Kaul zu einem hoch geschätzten Kollegen werden lassen. Stets hat er der DGVN mit Rat und Tat zur Seite gestanden, zuletzt bei den Vorbereitungen zur Verleihung der Dag-Hammarskjöld-Ehrenmedaille an Benjamin B. Ferenzc und den IStGH am 6. Dezember 2013 in Frankfurt am Main.

Hans-Peter Kaul hinterlässt nicht nur im Internationalen Strafgerichtshof, sondern auch bei der DGVN eine große Lücke. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau und seinen Kindern.

Die DGVN und die Vereinten Nationen haben mit Hans-Peter Kaul einen selbstlosen Freund und Förderer verloren. Wir werden ihn in guter Erinnerung behalten und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.