Internationales Jahr der nachhaltigen Energie

Nachhaltige Energie als Randphänomen in Kuba

Sonnenaufgang vor der Küste Havannas. Statt auf vorhandene moderne Energiequellen zu setzen, hofft Kuba auf Offshore-Ölquellen im Ozean. Foto: UN (Milton Grant)

Es gibt sie, die Erfolgsbeispiele nachhaltiger Energie in Kuba. Gut 2000 Schulen und mindestens 400 Krankenhäuser werden in ländlichen Gebieten der Karibikinsel durch Solarstrom betrieben, lokal durch Photovoltaikanlagen gewonnen, unabhängig vom nationalen Stromnetz. Doch genau da liegt der Haken: Der über die Leitungen verteilte Strom des Landes wird nur zu 3,8 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen. Vielmehr setzt die Regierung auf subventioniertes Erdöl des engen Verbündeten Venezuela.

Das Nachbarland Dominikanische Republik gewährt derweil Einspeiseförderungen für Solarstrom, welcher dort mit 14 Prozent einen mehr als dreifach höheren Anteil am Gesamtstrom des Landes ausmacht als in Kuba. Einspeisevergütungen, wie sie nun auch in Japan gezahlt werden, existieren im Castro-Regime nicht, alternative Energien werden dadurch fast nur lokal begrenzt genutzt. Investitionen tätigt die Regierung kaum, Gelder fließen vor allem in die Suche nach neuen Ölquellen. Und das obwohl viele andere Inselstaaten um Kuba herum die Bedeutung nachhaltiger Energie für alle erkannt haben.

Offshore-Ölbohrungen als vermeintliche Lösungen

Stattdessen werden täglich 100 000 Barrel Öl aus Caracas in Richtung Havanna verschifft, während Kuba im Gegenzug Ärzte und Technische Berater nach Venezuela schickt. Diese Abschottung vom Weltmarkt kommt den Kubanern in diesem Fall teuer zu stehen, immer wieder gibt es stunden- oder tagelange Stromausfälle im ganzen Land. Alejandro Montesinos, einer der wenigen kubanischen Experten für erneuerbare Energien und Vorsitzender von "Cubasolar", klagt deswegen vorsichtig die Regierung, aber auch die Gesellschaft an: "Kuba ist abhängig von Öl, aber das liegt auch an unserer Kultur. Die Regierung, die meisten Naturwissenschaftler, aber auch die einfachen Bürger sehen in fossilen Quellen immer noch die einzig wahren Energielieferanten. Sie denken, in Kürze würden Massen an Öl im Golf von Mexiko gefunden werden und das Energieproblem des Landes sei gelöst".

Die Hoffnungen für eine langfristige Energiesicherung in Kuba ruhen vor allem auf Offshore-Ölquellen, doch Rückschläge wie im letzten Monat, als eine neu erkundete Ölquelle vor der Küste sich als trocken erwies, zeigen, dass das Land mittelfristig auf alternative Energiequllen setzen muss. Erste Schritte dafür werden durchaus getätigt, insgesamt existieren auf der Karibikinsel 9000 Solarpanels und vier Windparks. Außerdem wird aus Zuckerrohr, dem wichtigsten Exportgut Kubas, Biomasse gewonnen. In Kürze soll ein Solarkraftwerk auf den Jungferninseln entstehen sowie ein weiterer Windpark an der kubanischen Nordküste. Für Montesinos ist das zwar ein gutes Zeichen, aber nicht genug: "Die geplanten Maßnahmen sind sicher positiv zu bewerten, aber solange erneuerbare Energien neben dem Öl stiefmütterlich behandelt werden, haben wir ein Problem".

Jean Mikhail