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„Ma Ellen“, UNMIL und die Zukunft Liberias

Ein deutscher UN-Polizist hält ein liberianisches Waisenkind auf dem Arm, beide lachen

In ihrer Freizeit unterstützen die in Liberia tätigen deutschen UN-Polizisten ein Waisenhaus am Rande von Monrovia. Foto: Georg Escher

In der deutschen Medienlandschaft, insbesondere regionalen Tageszeitungen, spielen UN-Themen und entwicklungspolitische Fragestellungen nur eine untergeordnete Rolle oder tauchen sporadisch auf - meist im Falle aufsehenerregender Krisen, Bürgerkriegen und Katastrophen. Um zu einem differenzierteren Bild über die Aufgaben und Herausforderungen der Vereinten Nationen in Krisenregionen beizutragen, hatte die DGVN vom 11. bis 18. November 2012 zu einer Informations- und Recherchereise für Journalistinnen und Journalisten nach Liberia eingeladen. Die Reise nach Westafrika führte in eine Region, die hervorragende Anschauungsmöglichkeiten für langfristiges internationales Krisenmanagement, Konfliktnachsorge und Aufbauhilfe durch die internationale Gemeinschaft bietet.

Im Volk wird die Präsidentin auch „Ma Ellen“ genannt: Die Friedensnobelpreisträgerin im Gespräch mit der DGVN-Journalistengruppe. Foto: DGVN

Liberia wird von der ersten demokratisch gewählten Präsidentin Afrikas, der Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson-Sirleaf, regiert. Seit knapp zehn Jahren wird das Land durch die UN-Friedensmission UNMIL (United Nations Mission in Liberia) unterstützt, mit derzeit fast 8.000 Soldaten, 1.300 Polizisten sowie 1.700 zivilen Mitarbeitern. Nach einem 14 Jahre währenden Bürgerkrieg sorgt die Präsenz der Vereinten Nationen für mehr Vertrauen in der Bevölkerung und trägt dazu bei, Grundlagen für ein stabiles Liberia und mehr Entwicklung zu schaffen. Mit dem im September 2012 beschlossenen Mandat des Sicherheitsrates beginnt nun eine Transitionsphase, mit einem schrittweisen Abbau der militärischen Komponente bei gleichzeitigem Ausbau der polizeilichen Kräfte. Insgesamt bot Liberia damit zahlreiche spannende Anknüpfungspunkte für Journalisten und konnte zu vielen Fragestellungen konkrete Antworten liefern, die Leserinteresse wecken: Was leisten die Vereinten Nationen in Entwicklungsländern vor Ort? Wo liegen die Chancen, wo Herausforderungen für internationales Engagement in Post-Konflikt-Staaten? Welche Akteure spielen eine Rolle?

Reiseprogramm, Teilnehmer, Zeitungsbeiträge

Kaum einträglich: In Gbanga konnte sich die Gruppe über die schlechten Arbeitsbedingungen beim Goldschürfen informieren. Viele junge Liberianer sind dazu gezwungen, weil sie sich den Schulbesuch nicht leisten können. Foto: Alfredo Märker

Im Rahmen der einwöchigen Reise wurde ein vielfältiges Programm angeboten. Neben dem Kennenlernen der UN-Mission gab es Gelegenheit zum Meinungsaustausch mit Vertretern weiterer UN-Institutionen im Land (z.B. UNDP, WFP), regierungs- und zivilgesellschaftlichen Institutionen sowie Einblicke in die Entwicklungsprojekte staatlicher und nicht-staatlicher Träger. Im Mittelpunkt der Reise stand zudem ein Besuch und viele Gespräche mit den derzeit in Monrovia tätigen deutschen UN-Polizisten.

Zu den Höhepunkten zählten außerdem ein ausführliches Gruppeninterview mit der Staatspräsidentin Johnson-Sirleaf und das Treffen mit der Sonderbeauftragten des UN-Generalsekretärs und UNMIL-Missionschefin, der Schwedin Karin Landgren. Ergänzt wurde das Programm durch einen zweitägigen Ausflug ins Landesinnere gemeinsam mit Vertretern der deutschen Botschaft, der GIZ und des Zivilen Friedensdienstes.

Beworben hatten sich insgesamt elf Redakteurinnen und Redakteure der über einhundert regionalen Tageszeitungen in Deutschland, auf Vorschlag ihrer Chefredaktionen.

Mit neuem Wissen und vielen Eindrücken auf dem Weg nach Hause: Journalistengruppe mit UNMIL-Fahrer Gerbah Syiron. Foto: Gunnar Pier

Teilnehmer waren André Breitenbach (Main-Echo, Aschaffenburg), Peter Buyer (Südwestpresse, Ulm), Georg Escher (Nürnberger Nachrichten), Ulrich Mendelin (Schwäbische Zeitung, Leutkirch),  Gunnar Pier (Westfälische Nachrichten, Münster) und Caroline Stang (Märkische Oderzeitung, Frankfurt/Oder), deren Medien über eine gemeinsame tägliche Auflage von 1,2 Millionen Druckexemplaren verfügen. Begleitet und organisiert hatte die Reise für das DGVN-Generalsekretariat Dr. Alfredo Märker. Gefördert wurde sie aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).   

Inzwischen sind zahlreiche Beiträge über die Recherchereise in den Print- und Onlineausgaben der entsprechenden Regionalzeitungen erschienen. Thematisch greifen die Artikel dabei die gesamte Bandbreite des Programms auf und beschäftigen sich u.a. mit Fragen der Bildung und der Sicherheitssektorreform, mit Korruption, Entwicklungs- und Ernährungsthemen, deutschem und UN-Engagement und einigem mehr. 

 

Die folgende chronologische Liste wird fortwährend aktualisiert:

Westfälische Nachrichten 23.5.2013 Veranstaltungsankündigung "Liberia nach dem Bürgerkrieg"

Beitrag Märkische Oderzeitung, 13.4.2012, "Wenn Sie tanzen wollen, tanzen wir"

Beitrag Schwäbische Zeitung 26.1.2013, "Süsskartoffen aus dem Klärwerk: Liberias Hauptstadt-Bauern ackern für ein besseres Leben"

Sonderseite Westfälische Nachrichten, 23.1.2013, "Die Straße der Hoffnung", "Ungleicher Kampf", Gärtnern in der Stadt"

Beitrag Märkische Oderzeitung 19.1.2013, "Die verlorenen Kinder"

Sonderseite Südwestpresse 8.1.2013, "Auf steinigem Weg", "Soldaten und Beamte für die Sicherheit", "Deutsche Hilfe"

Beitrag Schwäbische Zeitung 8.1.2013, "Behördenalltag in der Krisenzone"

Beitrag Südwestpresse, 27.12.2012, "Ich wünschte wir hätten mehr kompetente Leute (Interview mit der Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf)

Sonderseite Main-Echo, 22.12.2012 "Der Krieg ist vorbei, der Überlebenskampf nicht", "Notfalls auch Schiffbrüchige an Land holen", "Stichwort DGVN", "Stichwort Liberia"

Sonderseite Nürnberger Nachrichten, 17.12.2012 "Liberie steckt voller Widersprüche und Probleme", "Hier ist Geld im Boden: Liberias Natur blüht, doch die Landwirtschft liegt brach", "Land der Freien", Ein wohlhabender Staat - eigentlich"

Beitrag Märkische Oderzeitung, 15.12.2012, "Mit dem Rücken zum Meer: Monrovia liegt direkt am Atlantik und weiß das nicht zu schätzen – die Menschen haben andere Probleme"

Sonderseite Märkische Oderzeitung, 5.12.2012, „Liberia eine Nation zwischen Krieg und Frieden“ mit Beiträgen über die „UN-Mission“, „Liberias zornige Jugend“ und „Ungenutzte Ressourcen“

Sonderseite Westfälische Nachrichten, 3.12.2012, mit Beiträgen „Im Großstadtrevier von Monrovia“, die „UN in Liberia“ sowie „Liberia muss Verantwortung übernehmen“ (Interview mit der Leiterin der UN-Mission Karin Landgren) mit Ankündigungskasten auf der Titelseite.

Beitrag „Wie ein Kleinbus aus Aulendorf nach Afrika kommt“, Schwäbische Zeitung, 30.11.2012

Beitrag Märkische Oderzeitung, 26.11.2012, „Es dauert, bis die Lücken geschlossen sind“ (Interview mit der Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf)

Beitrag Main-Echo, 24./25.11.2012, „Liberias Frauen sind stark“ (Interview mit der Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf) und Hintergrundkasten Liberia

Sonderseite Schwäbische Zeitung, 23.11.2012 mit Beiträgen „Ma Ellen baut ein Land auf“ (Interview mit der Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf) und „die Geschichte vom gestohlenen Generator“.

Beitrag Westfälische Nachrichten, 23.11.2012, „Das ist in Liberia nicht so einfach“ („Interview mit der Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf“) mit Ankündigungskasten auf der Titelseite

Ausführlichere Online-Verwertungen mit diversen Bilderstrecken oder dem kompletten Interview mit Liberias Präsidentin sind u.a. erschienen:

hier in den Nünrberger Nachrichten

hier Schwäbische Zeitung

sowie erneut hier in der Schwäbischen Zeitung

hier Märkische Oderzeitung 

hier Westfälische Nachrichten 

sowie erneut hier Westfälische Nachrichten 

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