Zeitschrift VEREINTE NATIONEN aktuell Friedenssicherung

Libyen, Sudan, Liberia, Kongo

Misrata, Libyen, Juni 2011, Foto: UNHCR

Mit dem Ende des Kalten Krieges sind die Friedenseinsätze der Vereinten Nationen in Anzahl und Umfang sprunghaft gestiegen. Zugleich hat sich das Aufgabenspektrum enorm erweitert. Die quantitative, aber vor allem die qualitative Ausweitung stellen die UN vor große Herausforderungen. Welche dies sind und wie sie vor Ort gelöst werden könnten, damit beschäftigen sich die vier Hauptbeiträge und alle drei besprochenen Bücher im aktuellen Heft der Zeitschrift VEREINTE NATIONEN 3/2012.

Hansjörg Strohmeyer berichtet in seinem Beitrag Libyen nach Gaddafi.
Die Vereinten Nationen unterstützen den Aufbauprozess
von der neu eingerichteten politischen UN-Mission in Libyen. Das Land habe zwar große Sicherheitsprobleme, und der Aufbau der staatlichen Institutionen laufe eher schleppend, doch die kleine UN-Mission arbeite in einem positiven Umfeld und könne die Libyer auf ihrem Weg zu nachhaltigem Frieden und Wohlstand effektiv unterstützen. Die Republik Südsudan wird in diesem Juli ihren ersten Geburtstag feiern. Dies wird aber nur bedingt ein Grund zur Freude sein. Der Krieg zwischen Nord und Süd ist wieder aufgeflammt, weil lebenswichtige Fragen bezüglich der Grenze und der Öleinnahmen nicht gelöst wurden. Peter Schumann stellt fest, dass UN-Operationen in einem solchen politisch ungeklärten Umfeld keine Lösung sein können und nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Frederik Trettin und Joel Gwyn Winckler haben sich in einer umfassenden Studie mit den Verwaltungsabläufen in Friedensmissionen beschäftigt. In vielen UN-Missionen treten die für größere Organisationen typischen Probleme, wie Fragmentierung und mangelnde Koordinierung, auf. Sie sind erst dadurch entstanden, dass die Friedensmissionen seit dem Ende des Kalten Krieges an Anzahl und Umfang stark zugenommen haben. In ihrem Beitrag nennen die Autoren die Hauptprobleme allgemein und stellen Lösungsmöglichkeiten am Beispiel der UN-Mission in Liberia vor.

Andere Probleme bei der Friedenssicherung sieht Gerlinde Kurzbach. Sie war mehrere Jahre Ausbilderin für UN-Bedienstete vor Ort in den Missionen MONUC/MONUSCO in der Demokratischen Republik Kongo sowie bei der MINURSO in der Westsahara. Sie bemängelt, dass die Vereinten Nationen den wichtigen Bereich der Aus- und Weiterbildung von Bediensteten in Friedensmissionen vernachlässigen.

Zum aktuellen Heft VN 3/2012.

Das könnte Sie auch interessieren

  • Ein Jahr Südsudan: Kein Frieden trotz massiver UN-Präsenz

    Die Republik Südsudan wird in diesem Juli ihren ersten Geburtstag feiern. Dies wird aber nur bedingt ein Grund zur Freude sein. Peter Schumann hat im Mai den neuen Staat bereist und mit Vertretern der UN-Missionen vor Ort gesprochen. mehr

  • Mayeul Hiéramente

    Zwölf Jahre Internationaler Strafgerichtshof – ein Rückblick

    Der Beitrag bewertet, wie sich der Internationale Strafgerichtshof seit seiner Einrichtung im Jahr 2002 entwickelt hat, welchen Schwierigkeiten er ausgesetzt war und ist und welche Erwartungen man legitimer Weise an ein Weltstrafgericht haben kann. Es wird gezeigt, wo noch Verbesserungsbedarf besteht und welche Erfolge bereits errungen wurden und noch zu erwarten sind. mehr

  • Frederik Trettin, Joel Gwyn Winckler

    Die Friedensmissionen der Vereinten Nationen Komplexe Organisationen mit schwierigen internen Herausforderungen

    Die Friedensmissionen der Vereinten Nationen sind in den letzten 20 Jahren umfangreicher und komplexer geworden, so dass die Organisationsstrukturen im UN-Sekretariat immer wieder angepasst werden mussten. Eine Folge dieser Anpassungen ist die immer stärkere Arbeitsteilung, welche mit einer Fragmentierung der Organisationsstrukturen einhergeht. Die dadurch entstandenen Probleme für die interne… mehr