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"Let us show the will"

Porträtfoto von UN-Women Direktorin Michelle Bachelet

UN Women Direktorin Michelle Bachelet zur Ansprache 2012, Photo: UN Women

Jedes Jahr am 25. November begeht die Weltöffentlichkeit den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Diesen Gedenk- und Aktionstag hat die UN-Generalversammlung im Jahr 1999 offiziell in der Resolution 54/134 aufgegriffen. Ziel ist, auf die weit verbreitete Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen und diese deutlich als Menschenrechtsverletzung zu verurteilen.

Michelle Bachelet, Exekutivdirektorin von UN Women, spricht zunächst von Fortschritten:
125 Nationen bestrafen häusliche Gewalt inzwischen gesetzlich, der UN-Sicherheitsrat verurteilt sexuelle Gewalt im Krieg als Kriegsverbrechen, Fortschritte in der internationalen Rechtsprechung ermöglichen die bessere Verfolgung von Sexualstraftaten.
Sie betont jedoch auch, wie fern das Ziel einer Welt ohne Gewalt gegen Frauen
noch immer ist:
603 Millionen Frauen leben in Ländern, in denen häusliche Gewalt keine Straftat darstellt. Sexuelle Gewalt ist noch immer weit verbreitet, ebenso wie Frauenmorde („femicides“). Nach Angaben von UN Women haben weltweit sieben von zehn Frauen einmal in ihrem Leben unter physischer oder sexueller Gewalt gelitten. Über 60 Millionen Mädchen werden zwangsverheiratet.
Zwischen 100 bis 140 Millionen Mädchen und Frauen wurden Opfer von Genitalverstümmelung. Mehr als 100 Millionen Mädchen gelten als „verschwunden“ aufgrund von pränataler Geschlechterselektion und einer kulturell bedingten Präferenz für Söhne.
Über 600.000 Frauen und Mädchen werden jedes Jahr über Grenzen hinweg verschleppt, meistens zu Zwecken sexuellen Missbrauchs.
Auch in Deutschland sind die Zahlen noch immer zu hoch. Nach Angaben des Deutschen Frauenrats und Terre des Femmes hat jede
vierte Frau körperliche oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner erlebt.

Gewalt gegen Frauen stellt bis heute eine der weltweit häufigsten Menschenrechtsverletzungen dar –
und zählt gleichzeitig zu den am wenigsten strafrechtlich verfolgten Taten. 
Obwohl die geschlechtliche Gleichstellung in den Verfassungen von inzwischen 139 Ländern der Welt festgehalten ist,
bleibt Frauen der gerichtliche und staatliche Schutz vor Gewalt häufig verwehrt. Dieses Scheitern lässt sich nach Bachelet
vor allem auf den fehlenden politischen Willen zurückführen, die Menschenrechte von Frauen ausreichend zu schützen.
Es sei an der Zeit, dass die Regierungen endlich Verantwortung übernehmen.

“Die Zeit der Gleichgültigkeit und Entschuldigungen ist vorbei.”

UNiTE Kampagne des UN-Generalsekretärs Ban Ki-Moon

Konkret setzt man dazu bei UN Women auf einen 16-Punkte-Plan,
der als direkte Handlungsaufforderung an die Regierungen zu verstehen ist,
um Gewalt vorzubeugen, vor ihr zu schützen und um den Opfern umfassende Hilfsprogramme zu bieten. Mit der Neugründung der Initiative COMMIT, die von den nationalen Regierungen dazu konkrete Verpflichtungen („Commitments“) fordert, sollen diese Punkte umgesetzt werden.
Außerdem veröffentlichte der UN-Treuhandfonds “UN Trust Fund to End Violence against Women” vor kurzem Pläne, lokale Initiativen in 18 Ländern
mit bis zu acht Millionen US Dollar zu unterstützen.

Inzwischen laufen die Vorbereitungen für die 57. Tagung der Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen im März 2013.
Rashida Manjoo, UN-Sonderberichterstatterin über Gewalt gegen Frauen,
wird im Jahr 2013 in New York mit Unterstützung von UN Women dazu ein neues UN-Abkommen fordern.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon appelliert zum diesjährigen Gedenktag:
“Ich rufe alle Regierungen auf, ihre Versprechen einzuhalten und alle Arten von Gewalt gegen Frauen und Mädchen
in allen Teilen der Welt zu beenden, und ich möchte jeden bitten, dieses wichtige Ziel zu unterstützen."
Michelle Bachelet betont zurecht: “Die Zeit der Gleichgültigkeit und Entschuldigungen ist vorbei.” Es müssen endlich Taten folgen.
“Let us show the will", ist ihr Motto. "Mit Entschlossenheit und umfassenderen Mitteln müssen Kräfte mobilisiert werden, um diese
Geißel der Menschheit zu beenden."

Juliane Marie Schreiber

 


 

Die Videobotschaft zum Gedenktag 2012 von Michelle Bachelet:
http://www.youtube.com/watch?v=SH4tlxxc9nc&feature=youtu.be

Weitere Informationen:
http://www.unwomen.org

http://www.un.org/womenwatch/daw/csw/57sess.htm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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