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Lakhdar Brahimi neuer UN-Sondergesandter für Syrien

Lakhdar Brahimi neuer UN-Sondergesandter für Syrien spricht an einem Tisch sitzend

Lakhdar Brahimi auf einer UN-Pressekonferenz. UN Photo/Mark Garten

Nach dem Rücktritt Kofi Annans als Sondergesandter für Syrien wird ein alter Bekannter das schwierige Amt des Krisenmanagers übernehmen: Der in Diplomatenkreisen hochgeschätzte ehemalige algerische Außenminister Lakhdar Brahimi soll Anfang September seinen neuen Posten antreten. Brahimi ist Preisträger der Dag-Hammarskjöld-Ehrenmedaille der DGVN.

Der 78-jährige Algerier war seit 1994 in zahlreichen Krisenherden als Vermittler für die UN tätig, u.a. in Südafrika und im Irak. Vor seiner Zeit als UN-Sonderbeauftragter für Afghanistan von 2001 bis 2003 saß er zudem der Expertengruppe zur Überprüfung von UN-Friedensmissionen vor. Der als Endergebnis erschiene und mittlerweile weltbekannte Brahimi-Bericht attestierte das Scheitern vieler UN-Missionen aufgrund struktureller und finanzieller Schwächen und forderte weitreichende Reformen für das UN-Peacekeeping.

Brahimi ist auch Preisträger der Dag-Hammarskjöld-Ehrenmedaille. Mit der höchsten Auszeichnung der DGVN werden herausragende Verdienste um die Lösung der Weltprobleme durch das System der UN geehrt. Brahimi erhielt ihn 2004 für seinen Einsatz in Afghanistan und den richtungsweisenden Reformbericht zu den UN-Friedensmissionen.

In seiner damailigen Rede anlässlich der Preisverleihung wurde deutlich, wie Brahimi über den Umgang mit Konflikten generell denkt. Sein oberstes Credo lautet, immer zu bedenken, dass „zwei Missionen nie identisch sind“. In jedem Land sind unterschiedliche Konfliktparteien und andere soziale und ökonomische Umstände gegeben. Deshalb ist es nach Brahimi besonders wichtig, durch Gespräche mit allen Konfliktbetroffenen die Streitursachen zu verstehen, um letztlich eine maßgeschneiderte Lösung für den Konflikt erarbeiten zu können. Dennoch weiß Brahimi, dass zu Anfang erzielte Erfolge keineswegs zu immerwährendem Frieden und Stabilität führen müssen.

Neuer Plan für Syrien?

Im Syrien-Konflikt fordert Brahimi ein anderes Mandat als das seines Vorgängers. Außerdem kündigte er an, den bislang gescheiterten Sechs-Punkte-Friedensplan von Kofi Annan nicht weiter verfolgen zu wollen. Ob Brahimis Strategien besser geeignet sind, um eine Lösung für den schwierigen Syrienkonflikt herbei zu führen, bleibt abzuwarten. Auch er ist – wie sein Vorgänger Annan - mit einer andauernden Blockade des UN-Sicherheitsrats durch Russland und China konfrontiert. Durch die zuvor beschlossene Nichtverlängerung der UN-Beobachtermission in Syrien schrumpft die UN-Repräsentanz im Land auf ein kaum mehr wahrnehmbares Maß. Menschenrechtsverbrechen und die allgemeine Situation in Syrien werden so wohl noch weniger dokumentiert. Brahimis profunde Kenntnisse über den Nahen Osten sowie die Tatsache, dass er fließend Arabisch spricht, könnten ihn dennoch zum Erfolg führen.

Raija Hawly

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