Arbeitsplätze und wirtschaftliche Entwicklung (SDG 8)

Ländliche Gebiete in Afrika: Geringe Produktivität und hohes Potenzial

Zwei Frauen zerkleinern Getreide

Trotz harter Arbeit sind die Einkommen in ländlichen Gebieten Afrikas wie hier im Südsudan meist noch sehr niedrig. Foto: UN Photo/Isaac Billy Gideon Lu'b

„Das Wirtschaftswachstum in den Ländern Afrikas ist weiterhin robust, aber die Region erlebt eine stetige Zunahme der Zahl der extrem armen Menschen, und diese leben vor allem in ländlichen Gebieten.“

Diese Diagnose von Gilbert Houngbo, dem stellvertretenden Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation ILO für Programme vor Ort und Partnerschaften, hat Konsequenzen für die Arbeit dieser UN-Organisation. Sie berät und unterstützt inzwischen verstärkt Programme in den ländlichen Gebieten Afrikas. 

Die ILO ist zum Ergebnis gekommen, dass in der Vergangenheit die ländlichen Gebiete Afrikas von Regierungen, internationalen Entwicklungsorganisationen und Politikberatern unterbewertet worden sind. Die Folge ist, dass die Prokopf-Nahrungsmittelproduktion in Afrika südlich der Sahara in den letzten 50 Jahren nur geringfügig gestiegen ist. Obwohl fast zwei Drittel der afrikanischen Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt sind, trägt dieser Sektor nur 17 Prozent zum Sozialprodukt bei. Die Produktivität ist gering und nimmt sogar noch ab. Deshalb stellte Gilbert Houngbo am 12. Februar 2014 in einer ILO-Analyse fest: „Es kann nicht überraschen, dass mehr als 60 Prozent der Menschen in ländlichen Gebieten in extremer Armut leben und viele in die Städte flüchten, wo die meisten von ihnen die Zahl der Arbeitslosen oder Beschäftigen im informellen Sektor erhöhen.“

Ein großes ungenutztes Potenzial

Den afrikanischen Regierungen ist diese Krise in den ländlichen Gebieten nicht verborgen geblieben. Deshalb haben sie Ende Januar bei einem Gipfeltreffen der Afrikanischen Union in Addis Abeba das Jahr 2014 zum „Jahr der Landwirtschaft und Ernährungssicherheit“ erklärt. Die ILO unterstützt die afrikanischen Länder bei der Förderung der ländlichen Gebiete und hat zum Beispiel 2008 das Programm „Ländliche Beschäftigung zu Verminderung der Armut“ gestartet, in dem Afrika einen Schwerpunkt bildet. 

Durch die Arbeit im ländlichen Raum Afrikas hat die ILO festgestellt, dass dort ein großes Potenzial für eine wirtschaftliche Entwicklung besteht, dass aber aufeinander abgestimmte Programme erforderlich sind, um dieses Potenzial zu nutzen. Ein wichtiger Ausgangspunkt ist die Verbesserung der physischen und sozialen Infrastruktur, also u. a. Straßen, Energieversorgung, Bildung und Gesundheitsversorgung. Außerdem sollten gezielte Investitionen die Berufsausbildung und den Aufbau von Genossenschaften und kleinen Unternehmen fördern. 

Die ILO ist überzeugt, dass neben der Landwirtschaft auch kleine Handwerks-, Industrie- und Dienstleistungsunternehmen entstehen müssen, wenn es gelingen soll, junge Leute dazu zu bewegen, auf dem Lande zu bleiben. Das Spektrum solcher Betriebe kann vom Tourismus bis zur Erzeugung erneuerbarer Energie reichen. 

Produktive Aktivitäten auf dem Lande fördern

Ban Ki-moon geht an einem Stand mit Eiern vorbei
Besuch von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in einem der „Songhai-Zentren“ in Benin, wo nachhaltige Landwirtschaftsmethoden vermittelt werden, um den Schutz der Umwelt mit einer deutlichen Erhöhung von Produktion und Einkommen zu verbinden. Foto: UN Photo/Eskinder Debebe

Im Februar 2014 hat die ILO in einer Veröffentlichung mit dem Titel „Learning from Catalysts of Rural Transformation“ anhand von acht Beispielen dargestellt, wie lokale Initiativen zu grundlegenden Veränderungen in ländlichen Gebieten in Afrika und anderen Regionen der Welt beitragen. Zu den Beispielen zählen die „Songhai-Zentren“ in Benin und Nigeria, wo produktive Aktivitäten wie Landwirtschaft, Verarbeitung, Energieerzeugung, Reparaturen und Recycling miteinander verbunden werden. Das Zentrum vermittelt nachhaltige und ökologische Anbau- und Handwerksmethoden und betreibt zu diesen Themen auch Forschungsarbeiten. 

Über die innovativen Vorhaben zur Förderung der ländlichen Gebiete heißt es in der Einleitung der Broschüre: „Sie verändern die ländlichen Verhältnisse, nutzen Möglichkeiten zum Wachstum und schaffen angemessene und produktive Arbeitsmöglichkeiten.“

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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