Korruption/Kriminalität

Korruptionsketten durchbrechen: Der 9. Dezember ist Internationaler Anti-Korruptions-Tag

Auf dem Bild ist eine Menschenkette zu sehen, die von einer Person durchbrochen wird.

„Break the corruption chain - Durchbrich die Korruptionskette“ ist das Motto des diesjährigen Internationalen Anti-Korruptions-Tags. (Logo: UNODC)

Korruption wird oft als unsichtbares Phänomen beschrieben, denn wer anvertraute Macht zum privaten Nutzen missbraucht, versucht dies vor der Öffentlichkeit geheim zu halten. Sichtbar sind hingegen die Folgen, da sie die gesamte Gesellschaft betreffen. Aus diesem Grund erinnern die Vereinten Nationen jährlich am 9. Dezember, dem Internationalen Anti-Korruptionstag, an das Ausmaß und die Konsequenzen weltweiter Korruption.

Korruption gilt als eines der größten Entwicklungshemmnisse weltweit. Es drosselt ökonomisches Wachstum, untergräbt den Rechtsstaat und vergeudet Talente sowie kostbare Ressourcen. Dies hat zum Teil gravierende Folgen für die Menschen:

Weniger Wohlstand: An Orten, an denen  Korruption weit verbreitet ist, sind Unternehmen mit Investitionen zurückhaltender. Ein Grund ist, dass für Unternehmen die Wettbewerbskosten und die Rechtsunsicherheit in korrupten Ländern besonders hoch sind. In Staaten, die reich an natürlichen Ressourcen sind, in denen aber Korruption herrscht, profitiert die Mehrheit der Bürger nicht vom Wohlstand. Laut UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), beläuft sich der weltweit durch Korruption entstandene wirtschaftliche Schaden auf 2,6 Billionen US-Dollar pro Jahr.

Weniger Respekt vor dem Recht: Korruption unterminiert Demokratien, Regierungen, Menschenrechte und ganze Gesellschaften. Staatliche Institutionen, die die Basis einer fairen und gleichberechtigten Gesellschaft bilden, werden durch Korruption geschwächt. Zum Beispiel kann keine Gerechtigkeit existieren, wenn Kriminelle durch Bestechung keine strafrechtliche Verfolgung fürchten müssen.

Hintergrund
Der Internationale Anti-Korruptions-Tag geht auf die Unterzeichnerkonferenz zur UN-Konvention gegen Korruption (UNCAC) zurück, die am 9. Dezember 2003 in Mexiko stattfand. UNCAC ist die erste umfassende, globale und völkerrechtlich bindende Vereinbarung zur Korruptionsbekämpfung. Mittlerweile wurde das Übereinkommen von 173 Staaten ratifiziert. Am 12. November 2014, nach 11 Jahren und als einer der letzten Staaten, ratifizierte die Bundesrepublik Deutschland die Konvention. Neben den Staaten selbst setzen sich innerhalb der Vereinten Nationen insbesondere das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) und das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) für Korruptionsprävention ein.

Weniger öffentliche Dienstleistungen: Korruption leitet öffentliche Gelder fehl, die ursprünglich für wichtige Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, Bildung, sauberes Trinkwasser, Abfallentsorgung und Wohnungsbau vorgesehen sind.

Weniger Arbeit: Wenn Arbeitsstellen nicht mehr nach Leistung und Fähigkeiten sondern durch Beziehungen vergeben werden, ist für viele Menschen der gleichberechtigte Zugang zum Arbeitsmarkt nicht mehr gesichert.

Weniger Umweltschutz: Besonders häufig tritt Korruption in den Bereichen Holzwirtschaft, Schutz von bedrohten Tierarten, Wasserversorgung, Ölförderung, Fischerei und Entsorgung von Giftmüll auf. Eigeninteressen werden zu Lasten von Umweltstandards durchgesetzt, mit zum Teil fatalen Auswirkungen für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen.

Von den Folgen der Korruption sind vor allem Frauen, Kinder, Minderheiten und ärmere Bevölkerungsschichten betroffen. In vielen Teilen der Welt sind sie, aufgrund ihrer prekären Lebensverhältnisse, besonders auf öffentliche Güter wie z.B. Gesundheitsversorgung und sauberes Trinkwasser angewiesen. Zudem sind sie im Alltag häufig sozialer Diskriminierung und Kriminalität ausgesetzt, die durch Korruption zusätzlich verstärkt werden.

Auf dem Foto sind mehrere Stapel Geld zu sehen.
Korruption drosselt die Wirtschaft und führt zu weniger Wohlstand. Öffentliche Gelder kommen nicht mehr dort an, wo sie am dringendsten gebraucht werden. (UN-Photo: Stuart Price)

Korruptionsketten gemeinschaftlich durchbrechen

Beispiele wie die mutmaßliche Ermordung von 43 Studenten durch Polizei und Drogenkartell in Mexiko, die kriminelle Abfallwirtschaft in Italien oder der Schmiergeldskandal in der spanischen Regierung zeigen, dass Korruption verschiedene Gesichter hat und weltweit stattfindet. Wie gegenwärtig das Thema Korruption ist, verdeutlicht der jährlich von der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI) veröffentlichte Korruptionswahrnehmungsindex. Laut des Berichts aus dem Jahr 2014 hat die Korruption in aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie der Türkei, Indien und China, besonders stark zugenommen. Trotzdem betont Transparency International, dass Korruption ein globales und grenzüberschreitendes Phänomen ist. Dem Bericht zufolge würden Finanzzentren, wie Frankfurt am Main, London oder New York, es erst ermöglichen, dass Gelder aus undurchsichtigen Finanzgeschäften besonders korrupter Staaten verlagert werden können.
Das Beispiel verdeutlicht, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit bei der Korruptionsbekämpfung ist. Die UN-Konvention gegen Korruption (UNCAC) stellt, auch elf Jahre nach der Unterzeichnungskonferenz, das bedeutendste Regelwerk für die internationale Korruptionsbekämpfung dar. Das Übereinkommen behandelt unterschiedlichste Korruptionsformen und regelt deren Verhütung, Ermittlung und strafrechtliche Verfolgung. Der Internationale Anti-Korruptions-Tag soll daran erinnern, dass es in der Verantwortung der gesamten Staatengemeinschaft liegt, dieses Übereinkommen weltweit in die Praxis umzusetzen und die Korruptionsbekämpfung weiter voranzutreiben.

Weitere Informationen:
Kampagnenseite zum Internationalen Anti-Korruptions-Tag am 9. Dezember (englisch)

Von Maheba Goedeke Tort

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