Internationales Jahr der Wasserkooperation Arbeitsplätze und wirtschaftliche Entwicklung (SDG 8) Korruption/Kriminalität

Korruption im Wassersektor

Leitragende der Korruption im Wassersektor sind die Ärmsten der Armen. Ca. 1.2 Milliarden Menschen bleiben bei der Verteilung der kostbaren Ressource außen vor. UN-Foto: Albert Gonzalez Farran

Leitragende der Korruption im Wassersektor sind die Ärmsten der Armen. Ca. 1.2 Milliarden Menschen bleiben bei der Verteilung der kostbaren Ressource außen vor. UN-Foto: Albert Gonzalez Farran

Wasser ist leben. Ohne eine gerechte Verteilung des kostbaren Guts leiden Millionen Menschen. Funktionierende Regulierungs- und Aufsichtssysteme in den staatlichen Wassersektoren sind deshalb unabdingbar. Im Idealfall stellen sie sicher, dass die Bevölkerung nach sozialen Maßstäben mit Wasser und Sanitärleistungen versorgt wird. Dennoch bleiben derzeit ca. 1.2 Milliarden Menschen außen vor, wenn es um den Zugang zu sauberem Trinkwasser oder sanitären Anlagen geht. Dies hat verschiedenen Gründe wie beispielsweise die allgemeine Wasserknappheit in ariden Regionen der Welt oder die ökonomische Schwäche vieler Entwicklungsländer.

Eine der häufigsten Ursachen für die mangelnde Grundversorgung der Bevölkerung mit Wasser ist jedoch die weithin verbreitete Korruption. Sie behindert die Entwicklung und reduziert die Effektivität von nationalen und internationalen Anstrengungen. Die Vereinten Nationen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und einzelne Staaten unterstützen Entwicklungsländer darin, Kapazitäten aufzubauen und das Wassermanagement zu verbessern. Korrupte Offizielle und staatliche Angestellte verursachen jedoch enorme Kosten. Die NGO Transparency International (TI) schätzt, dass von den fast 44 Milliarden US-Dollar "Wasser-Entwicklungshilfe" aus den Jahren 2008 bis 2011, ca. 4.4 bis 13 Milliarden US-Dollar durch Korruption verloren gingen. Leittragende sind die Ärmsten der Armen, die nicht in der Lage sind, für ihre eigenen Interessen einzustehen. Darunter viele Kinder, die kilometerlange Märsche unternehmen müssen, um ihren und den Durst ihrer Familie zu stillen.

Auch im kenianischen Ministerium für Wasser und Bewässerung wurde die Tragweite der systematischen Korruption erkannt. In der Praxis fällt es den Verantwortlichen jedoch oft schwer, aktive Gegenmaßnahmen zu betreiben. Foto: Flickr/Wayan Vota
Auch im kenianischen Ministerium für Wasser und Bewässerung wurde die Tragweite der systematischen Korruption erkannt. In der Praxis fällt es den Verantwortlichen jedoch oft schwer, aktive Gegenmaßnahmen zu betreiben. Foto: Flickr/Wayan Vota

Was kann getan werden?

Initiativen wie die Open Budget Initiative (OBI) oder Construction Sector Transparency (CoST) versuchen durch internationale Unterstützung, das Verantwortungsgefühl von Offiziellen und Beamten zu stärken. Der Wassersektor scheint jedoch besonders anfällig für Korruption zu sein. Dies liegt daran, dass in den meisten Entwicklungsländern allein der Staat für Wassermanagement, Abwasser und sanitäre Einrichtungen verantwortlich ist. Internationale Unterstützung muss daher immer erst bestimmte öffentliche Einrichtungen durchlaufen. Hinzu kommt, dass die Monopolstellung der meisten Wasserbehörden eine effektive Kontrolle oft unmöglich macht.

Es kann gefährlich werden, Korruptionspraktiken öffentlich aufzudecken. Antikorruptionsmaßnahmen sind daher ein sehr sensibles Thema für die Beschäftigten im Wassersektor. Normalerweise profitieren immer mehrere Akteure von der systematischen Unterschlagung von Ressourcen. Um diesen Satus quo beizubehalten riskieren viele Beschäftigte im Wassersektor eine ganze Menge. Viele Entscheidungsträger zögern deshalb, die Korruption wirklich anzugehen, auch wenn sie öffentlich das Gegenteil behaupten.

Die Vereinten Nationen versuchen in vielen Entwicklungsländern eine verantwortungsvolle Staatsführung, die sogenannte „good governance“, zu fördern. Transparenz und Verantwortungsgefühl müssen wieder eine größere Rolle spielen, fordert beispielsweise das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR). Auch die Wirtschafts- und Sozialkommission für Asien und den Pazifik (ESCAP) betont, dass nachhaltige Entwicklung im Wassersektor nur durch die Prinzipien der „good governance“ erreicht werden kann. Eine konkrete Umsetzung in Entwicklungsländern könnte bedeuten, dass sich die Wassersektoren einer tiefgreifenden Reform unterziehen. Dies führt zur eindeutigen Trennung und Klarstellung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten der zuständigen Einrichtungen. Zudem sollte der Zugang von Aufsichtsbehörden erleichtert werden, um Unregelmäßigkeiten frühzeitig zu erkennen. Es sind letztendlich der politische Wille und finanzielle Ressourcen, die benötigt werden, um wirklich etwas gegen Korruption im Wassersektor zu unternehmen. Geschieht dies nicht, kann sich sie Lage der Ärmsten nur verschlimmern.

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Florian Demmler

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