DGVN-Nachrichten

„Jugend-Friedenspreis 2014“ - Verleihung im Peterhofkeller der Universität Freiburg

Die Preisträger vom "Wildzeltlager Wildwuchs Westallgäu" zeigen stolz ihre Urkunde und den Scheck über 500 €. © Jakob Ehrenfried

Das Team des "Wildzeltlagers Wildwuchs Westallgäu" freut sich mit Laudator Berthold Lange über die Auszeichnung. © Jakob Ehrenfried

„Unsere Preisträger haben sich vorbildlich verhalten. Sie haben sich und anderen klar gemacht: ‚Wir leben in einer Welt.‘“ Mit diesen Worten hob Detlef Dzembritzki, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) und einer der beiden Laudatoren des Abends, die Kernbotschaft des „Jugend-Friedenspreises“ in den Vordergrund. Wir leben in einer Welt und unsere Anerkennung gebührt denjenigen, die sich dafür engagieren, sie friedlich und gerecht zu gestalten.

Die Idee des „DGVN Jugend-Friedenspreises“

Solches Engagement zu honorieren, ist das Ziel des „DGVN Jugend-Friedenspreises“, welcher seit 2012 in Zusammenarbeit mit der Klimaschutz+ Stiftung und der studentischen Hochschulgruppe forUN Freiburg auf Landesebene in Baden-Württemberg vergeben wird und ehrenamtliches Engagement junger Menschen im weiten Aufgabenfeld der Vereinten Nationen ehrt. „Wir Jungen müssen aus unserem Gewissen die Kraft ziehen, etwas zu geben“, zitierte der langjährige Vorsitzende und künftige Ehrenvorsitzende der Jury, Hans-Christof Graf von Sponeck, einen ehemaligen Schüler. Damit wies er auf die Intention des Preises hin – nicht nur herausragende individuelle Leistungen junger Menschen in den klassischen Schulfächern, sondern auch beispielgebende Leistungen im Bereich der gemeinwohlorientierten Verantwortungsübernahme zu würdigen.

Die Preisverleihung in Freiburg

In diesem Sinne haben sich die Mitglieder der beiden Siegergruppen für ein friedliches und gerechtes globales Miteinander eingesetzt, wofür sie bei der Preisverleihung am 31. Januar 2015 im Peterhofkeller der Universität Freiburg mit dem „Jugend-Friedenspreis 2014“ ausgezeichnet wurden. Peter Kolbe, Mitinitiator des Preises, Vorsitzender der Klimaschutz+ Stiftung und Vorstandsmitglied des DGVN-Landesverbandes Baden-Württemberg, würdigte ihr Engagement und dankte ihnen und allen Beteiligten.

Jury-Mitglied Clara Hirschmann überreichte der Kinderrechtegruppe „Team Nojoud“ aus Rastatt wie auch dem Team des „Wildzeltlagers Wildwuchs Westallgäu“ aus Freiburg und der Region Wangen die Urkunde sowie einen Scheck über je 500 €. Mit dem Gewinn verbunden sind ein Sitz in der Jury, welchen die Preisträger für die folgenden zwei Jahre innehaben, und eine einjährige Mitgliedschaft bei der DGVN.

Musikalisch untermalt wurde der Abend durch das „Trio Im Provisorium“.

Die Preisträger vom „Team Nojoud“ zeigen stolz ihre Urkunde und den Scheck über 500 €. © Jakob Ehrenfried
Peter Kolbe, Mitinitiator des Preises, mit den Preisträgern des „Teams Nojoud“ und Laudator Detlef Dzembritzki sowie Melanie Zimmer und Clara Hirschmann vom Organisationsteam © Jakob Ehrenfried

Das „Team Nojoud“: Bewusstsein für Kinderrechte

„Wir werden unser Preisgeld im Ganzen an ‚terre des hommes‘ spenden“, verrieten die Repräsentanten des zehnköpfigen „Teams Nojoud“. Um Menschen in der Region das Thema „Kinderrechte“ näherzubringen, hatte das Team in den vergangenen Jahren zahlreiche Aktionen auf die Beine gestellt. Dazu zählen die Kampagne „Red Hand“, welche gegen den Einsatz von Kindersoldaten gerichtet ist, und das Projekt „Straßenkinder für einen Tag“. Letzteres gab Kindern ab der sechsten Klasse die Möglichkeit, einen Tag lang einen Einblick in das Leben eines Straßenkindes und so ein tieferes Verständnis für die Situation Millionen anderer Kinder zu erhalten und die eigene privilegierte Situation zu erfahren.

Die Schüler des „Teams Nojoud“, die nun direkt vor dem Abitur stehen, hoben die symbolische Bedeutung des „DGVN Jugend-Friedenspreises“ hervor. Er bilde auf dem Weg in den neuen Lebensabschnitt einen motivierenden Abschluss ihrer Arbeit im Rahmen des Projektes. Die Hoffnung der Gruppe ist, dass durch den Preis neue Aufmerksamkeit auf das Projekt gelenkt wird, die andere dazu motiviert, sich für das schulübergreifende Projekt zu engagieren. Sie selbst wollen sich, dort wo die Ausbildungswahl sie hinverschlägt, weiterhin für das Thema „Kinderrechte“ stark machen.

„Wildwuchs Westallgäu“: ein Zeltlager für soziale Gerechtigkeit

Sich für gerechte Entwicklungsbedingungen von Kindern ungeachtet ihrer Herkunft einzusetzen, ist auch für das Team des „Abenteuerzeltlagers Wildwuchs Westallgäu“ das Hauptmotiv ihrer Arbeit. Die aus etwa 25 Aktiven zwischen 18 und 27 Jahren bestehende Gruppe hatte bereits im Jahr 2013 den „Wildwuchs Westallgäu e.V.“ gegründet, um 40 jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, an ihrem emanzipatorischen und antirassistischen Zeltlager teilzunehmen. Die Gruppe betont, dass das Besondere an ihrem Zeltlager der unterschiedliche Hintergrund der Kinder und der chancengleiche Zugang zur Teilnahme sei. So würden sie ganz bewusst Kinder mit Migrationshintergrund, Sprachbarrieren, Erkrankungen oder aus finanziell schwächeren Familien einladen. „Jeder zahlt nur, was er bereit ist zu zahlen und auch aus finanzieller Sicht vertreten kann“, verriet die Gruppe. Gerade vor diesem Hintergrund sei der „DGVN Jugend-Friedenspreis“ für sie eine Bereicherung weit über den symbolischen Sinn hinaus: „Wir sind auf jede finanzielle Unterstützung angewiesen, schließlich wollen die Kinder ja auch versorgt werden.“

Die meisten Organisatoren des Abenteuerzeltlagers absolvieren ein Studium oder eine Ausbildung im Bereich Pädagogik und sind stolz darauf, den Kindern ein an ihre Bedürfnisse angepasstes Angebot bieten zu können. Diese pädagogische wie auch naturnahe Arbeit hob der Vorsitzende der Kantstiftung, Berthold Lange, in seiner Laudatio hervor: „Die Kunst dabei besteht wohl darin, verborgene Triebe und Knospen zu entdecken und freizulegen und so Energien für eine positive Weiterentwicklung zu wecken.“

Projekte, die inspirieren

Auch Bürgermeister Ulrich von Kirchbach betonte – mit einem Zitat Mark Twains – den wertvollen pädagogischen und friedenspolitischen Hintergrund der beiden Projekte: „Viele haben vergessen, wo die Friedenspfeife vergraben ist; aber keiner vergisst, wo das Kriegsbeil begraben ist...“. Genau deshalb könne es „gar nicht genug dieser Preise geben“, pointierte der Bürgermeister für Kultur, Jugend, Soziales und Integration der Stadt Freiburg. „Die Ausrichtung eines solchen Preises ist der Weg zur Förderung des Friedens und zur Werbung für das soziale Miteinander – gerade für junge Menschen“, so Kirchbach.

Worte, die Hoffnung darauf machen, dass der „Jugend-Friedenspreis“ auch im kommenden Jahr wieder an engagierte Menschen vergeben werden kann, die das umsetzen, was den Organisatoren des „Wildzeltlagers Westallgäu“ wie auch dem „Team Nojoud“ so vorbildlich gelungen ist. Und Worte, die daran erinnern, wofür auch alle Redner einstehen: eine friedlichere Welt, in der es nicht um ein Nebeneinander, sondern um ein Miteinander geht. Denn, um noch einmal die zu Anfang zitierten Worte Herrn Dzembritzkis zu wiederholen:

„Wir leben in einer Welt.“

Melanie Zimmer

Alle Preisträger, die Laudatoren, das Organisationsteam und Hans-Christof Graf von Sponeck sowie Peter Kolbe freuen sich über einen gelungenen Abend. © Jakob Ehrenfried
Hans-Christof Graf von Sponeck, Peter Kolbe, Clara Hirschmann, Frederic Laffin, Lena Sachs, Florenz König, Sophie Uhing, Marie-Lena Bertsch, Sarah Körber, Ronja Fischer, Berthold Lange, Jan Fischer und Detlef Dzembritzki (v.l.n.r.) © Jakob Ehrenfried

Das könnte Sie auch interessieren

  • Helga Timm

    Das UNESCO-Institut der Jugend - eine Brücke zur Welt

    1945 war der Zweite Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation Hitler-Deutschlands und bald darauf Japans beendet, und in San Franzisko wurden die Vereinten Nationen gegründet. 1949 gab sich die Bundesrepublik als deutscher Teilstaat eine parlamentarisch-demokratische Verfassung. Und bereits am 11. Juli 1951 trat sie als Mitglied der UNESCO bei, der Sonderorganisation der Vereinten Nationen… mehr

  • Dietmar Herz, Daniel Seebach, Julia Steets

    Globalisierung erfordert globales Lernen UN-Simulationsprojekte an deutschen Hochschulen als Beitrag zur praxisnahen Ausbildung von Studierenden

    Seit einigen Jahren verbreitet sich auch an deutschen Hochschulen zunehmend eine Lehrmethode, die in den Vereinigten Staaten bereits seit Jahrzehnten erfolgreich angewandt wird: die Vermittlung von Lehrinhalten sowie Verhandlungstechniken und rhetorischen Fähigkeiten mit Hilfe von Simulationen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Nachstellung internationaler Verhandlungen im Rahmen der… mehr

  • VEREINTE NATIONEN Heft 4/1985