Journalistenreise

Journalistenreise zu UN-geförderten Projekten in Kuba und Haiti

Hurricane Sandy passed to the west of Haiti on 25 October, causing heay rains and strong winds, flooding homes and overflowing rivers. Members of the UN Stabilization Mission in Haiti (MINUSTAH) prepare to deliver aid to residents of an island of Haiti

Hurricane Sandy Causes Heavy Rains and Floods in Haiti - UN Photo/Logan Abassi

In der deutschen Medienlandschaft, insbesondere bei regionalen Tageszeitungen, spielen UN-Themen und entwicklungspolitische Fragestellungen eine untergeordnete Rolle und tauchen meist nur im Zusammenhang mit aufsehenerregenden Krisen und Katastrophen auf. Um einen Beitrag zu einem differenzierteren Bild über die Aufgaben und Herausforderungen der Vereinten Nationen zu leisten, bietet die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) im November 2014 eine Informationsreise für Journalistinnen und Journalisten nach Kuba und Haiti an. Reisezeitraum wird der 13.11.2014 bis 22.11.2014 sein.

Die Auswahl dieser beiden Staaten erfolgt anlässlich des von den Vereinten Nationen für 2014 ausgerufenen „Internationalen Jahres der kleinen Inselentwicklungsländer“. Der von der UN geprägte Begriff der „kleinen Inselentwicklungsländer" umfasst 51 Staaten, zu denen auch größere Inseln und einige flache Küstenanrainerstaaten gezählt werden. Im Rahmen der Klimaverhandlungen werden sie normalerweise in einem Atemzug mit den LDCs (Least Developed Countries) genannt, zu denen viele tatsächlich gehören. Alle Staaten gelten als besonders verwundbar gegenüber Umwelteinflüssen. Wie keine andere Ländergruppe sind die SIDS (Small Island Developing States) den globalen Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt  - mit schweren Einbußen bei ihren Bemühungen um nachhaltige Entwicklung. Einige Länder könnten buchstäblich versinken: Die Bedrohungen sind so gravierend, dass die Bekämpfung des Klimawandels für sie zu einer Frage des Überlebens geworden ist. Schon jetzt sind die SIDS Opfer zunehmender Extremwetterereignisse und Katastrophen wie Hurrikans oder Überschwemmungen. Hinzu kommen schwere wirtschaftliche Probleme. Typische Hindernisse für eine nachhaltige Entwicklung sind u.a. ihre Abgeschiedenheit, schwache Ressourcenausstattung, Energieabhängigkeit und ihr geringes Exportvolumen. Auch die Überfischung der Meere trifft ihre Ökonomien empfindlich. Inselentwicklungsländer haben in den vergangenen Jahren weniger Entwicklungsfortschritte verzeichnet als andere Ländergruppen. Zum Teil sank das Wohlstandsniveau sogar. Unter den negativen Auswirkungen der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise haben sie besonders gelitten.

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2014 zum „Internationalen Jahr der kleinen Inselentwicklungsländer“ erklärt.

Kuba und Haiti, Herausforderungen zweier Inselentwicklungsländer

Mit Kuba und Haiti führt die Reise in zwei Staaten, die einerseits nicht unmittelbar als ‚klassische‘ kleine Inselentwicklungsländer gelten, zu ihnen jedoch gezählt werden, und die andererseits mehr als andere Inseln hervorragende Anschauungsmöglichkeiten für die Vielfalt der Aktivitäten der Vereinten Nationen bieten.

Zentral in der Karibik gelegen, werden beide Länder regelmäßig von tropischen Wirbelstürmen heimgesucht. 2008 trafen Kuba gleich drei schwere Hurrikans und führten zu erheblichen Zerstörungen. Das Land befindet sich zudem in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage, nicht zuletzt aufgrund des seit über 50 Jahren bestehenden US-Wirtschaftsembargos. Seit 2010 werden daher tiefgreifende Wirtschaftsreformen durchgeführt. Das Land unternimmt große Anstrengungen im Bereich nachhaltiger Entwicklung und Erhaltung der Biodiversität im Agrarbereich und gilt damit als Vorbild in der Region. Mehr als 12 UN-Organisationen sind auf der Insel vertreten, u.a. die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, das Entwicklungsprogramm UNDP, die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Umweltprogramm UNEP.

Eine weitere Station der Reise ist Haiti. Als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre gehört es zur Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder weltweit. Zur schwachen Wirtschaft kommt eine instabile politische Lage mit zahlreichen Unruhen, weshalb im letzten Jahrzehnt über drei Millionen Menschen von dort ausgewandert sind. Große Teile der Bevölkerung leben in extremer Armut. Das Land wurde 2011 von einem schweren Erdbeben heimgesucht, bei dem über 300.000 Menschen ums Leben kamen und Millionen obdachlos wurden. Die Zerstörungen sind bis heute deutlich sichtbar. Zudem richtete auch in Haiti die Wirbelsturmsaison 2008 große Schäden an, auf die das Land im Gegensatz zu Kuba kaum vorbereitet war. Aber auch mit menschengemachten Katastrophen, wie z.B. einer desaströsen Abholzung mit dementsprechenden Umweltschäden, hat das Land zu kämpfen. Haiti ist eines der Schwerpunktländer der Vereinten Nationen. Über 20 UN-Institutionen sind hier vertreten, insbesondere im Bereich der humanitären Hilfe und landwirtschaftlichen Entwicklung. Darüber hinaus ist eine UN-Mission zur Friedenssicherung stationiert. Es bieten sich also zahlreiche Anknüpfungspunkte für Recherchen der Journalisten und Journalistinnen in beiden Ländern an. Besuche in UN-Einrichtungen und bei UN-geförderten Projekten sowie die Möglichkeit zum Austausch mit UN-Fachleuten werden von der DGVN geplant.

Zielgruppe und Programm der Reise

Die Reise besteht aus einem zehntägigen Programm. Neben dem Kennenlernen der UN-Aktivitäten soll es Gelegenheit zum Meinungsaustausch mit Vertreterinnen und Vertretern relevanter staatlicher und zivilgesellschaftlichen Institutionen sowie mit Entwicklungsprojekten geben. Durch die Vermittlung interessanter Termine und sachkundiger Interviewpartner soll die Reise Recherchen ermöglichen sowie Anreize für Reportagen und Hintergrundberichte liefern. Sie soll helfen, Vorurteile abzubauen und die Bedeutung praktischer Entwicklungspolitik sowie der Rolle der Vereinten Nationen durch konkrete Begegnungen nachvollziehbar machen.

Teilnehmen können bis zu sechs Journalistinnen und Journalisten. Der Fokus liegt auf etablierten regionalen Medien, also Tageszeitungen, die in der Regel über keine eigenständige außen- und entwicklungspolitische Berichterstattung verfügen und deshalb – trotz ihrer Reichweite und Bedeutung im Rahmen der politischen Aufklärungsarbeit – im außenpolitischen Kontext meist auf Zweit- oder gar Drittverwertungen zurückgreifen müssen.

Reisestipendium, Kosten, Termin

Die Kosten der Reise (Flug, Unterbringung/Frühstück sowie anfallende Transfer- und weitere programmbezogene Kosten vor Ort) werden von der DGVN aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung übernommen. Weitere Kosten des Aufenthalts – z.B. für Mahlzeiten, Zubringer oder sonstige im Zusammenhang mit der Reise entstehende Kosten (Visum, Impfungen, Malariaprophylaxe etc.) – müssen von den jeweiligen Heimatredaktionen oder den Reisenden übernommen werden. Nach gegenwärtigem Planungstand reist die Gruppe am 13.11.2014 von Frankfurt nach Havanna und am 17.11.2014 weiter nach Port-au-Prince. Die Rückkehr nach Deutschland ist für denn 22. November 2014 vorgesehen. Da die DGVN nicht als Reiseveranstalter im Sinne der §§ 651a ff BGB anzusehen ist, akzeptieren alle Reisenden gegenüber der DGVN jeglichen Haftungsausschluss.

Bewerbung und Bewerbungsfrist

Sollten Sie als verantwortliche/r Leiter/in eines regional etablierten Printmediums Interesse an der skizzierten Reise haben, freuen wir uns über eine schriftliche Bewerbung aus Ihrem Redaktionsstamm. Der Bewerbung beizufügen ist ein Motivationsschreiben mit einer Auflistung möglicher journalistischer Beiträge im Nachgang der Reise, drei Arbeitsproben, ein tabellarischer Lebenslauf sowie eine Einverständniserklärung des Arbeitgebers/Mediums, den Mitarbeiter/die Mitarbeiterin für die Dauer der Recherchereise freizustellen. Die Bewerbung kann per E-Mail an den Projektverantwortlichen Dr. Alfredo Märker (maerker@dgvn.de) übersendet werden. Die Bewerbungsfrist endet am 10. Juni 2014. Über die Auswahl der Reisenden entscheidet die DGVN. Ein Rechtsanspruch besteht nicht. Rückfragen gerne per E-Mail oder telefonisch unter 030-259375-23.

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