UN-Aktuell Antidiskriminierung

Internationaler Tag der indigenen Bevölkerungsgruppen der Welt

Ein mit traditioneller Amazonasindianer-Schmuck bekleideter und geschminkter Mann steht am Rednerpult der UN-Generalversammlung und streckt seine Arme weit aus.

Nilson Tuwe Huni Kuĩ aus dem Amazonasgebiet vor der UN-Generalversammlung im Februar 2013. UN Photo/Devra Berkowitz

Anlässlich des Internationalen Tages der indigenen Bevölkerungsgruppen hat die DGVN ihren Themenschwerpunkt zu Indigenen Völkern erneuert. Mit dabei ist nun eine interaktive Weltkarte, auf der eine Auswahl indigener Völker weltweit eingetragen ist. Beim Klicken auf die einzelnen Völker erscheinen Hintergrundinformationen zu Problemen, denen jene in einer globalisierten Welt ausgesetzt sind.


Das Thema Indigene Völker erhält innerhalb des UN-Systems erst seit wenigen Jahren mehr Aufmerksamkeit und wird nach wie vor kontrovers diskutiert, jedoch oftmals immer noch ignoriert. Auch Deutschland hat, unter dem Verweis auf juristische Probleme, bisher nicht das Übereinkommen über eingeborene und in Stämmen lebende Völker (ILO-Konvention 169) unterzeichnet, welches indigenen Völkern das Recht auf ihr Land und dessen natürliche Ressourcen sichert.

Im Zuge der industriellen Globalisierung werden indigene Stämme, ob in den Weiten Sibiriens oder des Amazonas, mehr und mehr zurückgedrängt und ihrer traditionellen, eng mit ihrem natürlichen Lebensraum verbundenen Lebensweise entzogen. Dies sorgt zum einen für soziale Umwälzungen innerhalb der Gemeinschaften, die fast immer zu ihrem Nachteil ausschlagen, und der Zerstörung ihrer Kultur und Traditionen. Zum anderen wird aber auch ihr Selbstbewusstsein und Widerstand erweckt. Besonders in den lateinamerikanischen Ländern erlangen indigene Gemeinschaften in letzter Zeit durch gewaltsamen Protest weltweite Aufmerksamkeit. In Ländern wie Bolivien und Ecuador haben sie es auf politischem Wege zu neuen, integrierenden Staatsverfassungen und damit zu fundamentalen Gesellschaftsumwälzungen geschafft.

Evo Morales steht am Rednerpult der UN-Generalversammlung.
Evo Morales, hier vor der UN-Generalversammlung, ist als Präsident Boliviens seit 2006 das erste indigene Staatsoberhaupt eines lateinamerikanischen Landes. UN Photo/Devra Berkowitz

Die Vereinten Nationen haben an dieser Entwicklung hin zu einer besseren Repräsentation und Artikulation indigener Völker maßgeblich Anteil. 1993 riefen sie das Internationale Jahr der Indigenen Völker aus, welchem 1994-2004 die Internationale Dekade der Indigenen Völker folgte. Im Dezember 2004 wurde sie durch Beschluss der Generalversammlung um die Zweite Internationale Dekade der Indigenen Völker fortgesetzt, die von 2005 bis 2015 stattfindet. In diesen Zeiträumen soll auf die Situation der indigenen Bevölkerung weltweit aufmerksam gemacht werden und diese durch internationale wie nationale Maßnahmen verbessert werden. Insbesondere die Weiterentwicklung des rechtlichen Schutzes spielt hierbei eine große Rolle. So gelang es 2007 nach jahrelangen Verhandlungen, die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker von allen UN-Mitgliedstaaten zu verabschieden.Doch bleibt viel zu tun. Insbesondere das einzig verbindliche Völkerrechtsdokument, die oben erwähnte ILO-Konvention 169, ist bislang erst von 22 Staaten ratifiziert worden. Gleichzeitig beschleunigt sich die kommerzielle Ausbeutung der Naturreservate weltweit, und damit dem Lebensraum der meisten indigenen Völker, rasant.

Aber nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die soziale Situation der indigenen Völker ist meist prekär. Vielerorts ist gerade die Achtung ihrer Menschenrechte, nämlich Nicht-Diskriminierung, Gleichberechtigung sowie Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht gewährleistet. Deshalb ruft UN-Generalsekretär Ban Ki-moon am 9. August insbesondere zur Achtung der Rechte indigener Völker auf. Nächstes Jahr wird überdies am 22. und 23. September die erste Weltkonferenz über indigene Völker stattfinden.  

 

Zum DGVN-Themenschwerpunkt

Katharina Eimermacher