Rio+20

Ins Netz gegangen

Erstmals konnten nicht nur berühmte Persönlickeiten Einfluss auf den Ausgang einer Konferenz nehmen. Stattdessen konnten sich Millionen von Menschen selbst beteiligen und Vorschläge für neue Inhalte einer nachhaltigeren Politik liefern. UN Photo/Maria

Erstmals konnten nicht nur berühmte Persönlickeiten Einfluss auf den Ausgang einer Konferenz nehmen (wie z.B. Gro Harlem Brundtland 2. v. l.). Stattdessen konnten sich Millionen von Menschen selbst beteiligen und Vorschläge für neue Inhalte einer nach

Die UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung wird von fast allen als Fehlschlag betrachtet. Aber es gibt auch beachtliche Erfolge: Die Vereinten Nationen haben 50 Millionen Menschen über das Internet am Weltgipfel teilnehmen zu lassen, sei es über YouTube, Twitter, Facebook oder die neuen Modelle der Teilnahme wie Rio+Social. Zahlreiche der hier geknüpften Verbindungen und Kontakte werden weiterbestehen und so dazu beitragen, dass in Zukunft die Einflussmöglichkeiten für nichtstaatliche Akteure bei solchen Verhandlungen stetig wachsen werden. Dazu zählt auch mehr direkter Input in die Form und den Inhalt der Beschlüsse. Das ist zwar keine Garantie für einen Erfolg, aber es erhöht die Chancen nicht wieder mit leeren Händen nach Hause zu gehen dennoch.

Wayne Bellett war als Vertreter der Delegation des Natural Resources Defense Council in Rio bei der UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung. Er widerspricht der mehrheitlichen Meinung, dass der Weltgipfel ein Schlag ins Wasser war. Er argumentiert, dass das Abschlussdokument nicht allein der Maßstab für den Erfolg oder das Scheitern des Gipfels sei. Andere Autoren äußern sich ebenfalls positiver.

Denn die innovativen und durchaus erfolgreichen Bemühungen der UN, Zivilgesellschaft und Privatpersonen stärker in die Konferenz einzubeziehen haben Wirkung gezeigt. Erstmals haben die Vereinten Nationen es ermöglicht, auf das Ergebnis einer Konferenz direkt über soziale Medien einzuwirken. Dazu zählen bereits als traditioneller zu betrachtende Mittel wie Twitter oder Facebook. Auf Rio+Social wurden Reden und Appelle von gesellschaftlichen Größen wie Gro Harlem Brundtland und Richard Branson zur Verfügung gestellt. Über den Twitter-Account von Rio+Social wurden geschätzte fünf Millionen Menschen erreicht.

Aber auch neue Ansätze kämmen zum Einsatz. Über die Dialoge für nachhaltige Entwicklung (dialogues for sustainable development) trugen dazu bei, dass die Öffentlichkeit Vorschläge für das Abschlussdokument machen konnte. Hierbei ging es darum, in einer offenen Diskussion über mehrere Tage durch Panelisten, Wahlen während der Dialoge und durch eine Onlineabstimmung 30 Vorschläge für das Dokument zu sammeln. Es waren also direkt die Zuhörer der Panels und ca. eine Millionen Menschen an heimischen PCs an der Auswahl der Vorschläge beteiligt. Allerdings sucht man die Vorschläge im finalen Entwurf vergeblich. Eric Anderson, Mitarbeiter des UN-Entwicklungsprogrammes, kündigte an, dass dieser Prozess formalisiert und weiter ausgebaut werden soll.

Zusätzlich gab es noch die Möglichkeit für jede/n, selbst kurze Kommentare abzugeben. In den Messages of the World konnte mit zwei Klicks die eigene Meinung verkünden und den Beiträgen anderer Menschen zustimmen. Je mehr Personen einer Nachricht zustimmten, desto größer wurde sie dargestellt.

(Florian Dorner)