DGVN-Nachrichten

In Hausschuhen zur Sozialentwicklungskommission

Abgebildet ist die Holzinstallation, auf der rote Filzpantoffeln aufgestellt sind.

Schuhinstallation der Künstlergruppe "TMQL!" und den Jugenddelegierten

"Soziale Transformation als Schritt hin zu Nachhaltigkeit" - das war der Titel des Side Events der UN-Jugenddelegierten Celina Sharon Greppler und Ozan Solmus in Kooperation mit den Jugenddelegierten aus Bulgarien und Georgien im Rahmen der diesjährigen Sozialentwicklungskommission. Verschiedene Panelist*innen aus dem Bereich der Psychologie, Kunst und Politik diskutierten mit dem Publikum auf Augenhöhe in einem Stuhlkreis alternative Möglichkeiten zur Akzeptanz- und Empathiebildung als Bedingung für inklusive - und daraus folgend - nachhaltige Gesellschaften. Dem Side Event vorausgegangen war eine Führung durch die partizipative Installation "Swap Your Shoe" im Eingangsbereich des German House. Die Ausstellung, ein Projekt der UN-Jugenddelegierten und der Künstlerinitiative TMQL!, lud die Besucher*innen dazu ein, ihre eigenen Schuhe gegen rote Hausschuhe, die in einer Holzinstallation präsentiert wurden, zu tauschen. Dies taten auch nahezu alle der rund 70 Besucher*innen und Panelist*innen, sodass nicht nur durch das Format des Stuhlkreises, sondern auch durch das gemeinsame Schuhwerk der Dualismus zwischen Publikum und Panel aufgebrochen wurde. Die Diskutant*innen reflektierten den Wechsel ihrer Wahrnehmung und der Zusammengehörigkeit. Es kam unter anderem die Frage auf, was mit Menschen ohne Schuhe oder gar Füße sei? Wie können wir es schaffen, dass unsere Zusammengehörigkeit nicht zum Ausschluss derer führt, die keine Schuhe oder Füße haben? Wie gehen wir mit Zusammengehörigkeit um? Muss diese zwangsläufig zu Exklusion führen?

Thalia Goldstein, Professorin für Psychologie an der Pace University, betonte die Wichtigkeit von Empathiebildung während des Aufwachsens. Dabei ging sie insbesondere darauf ein, wie bedeutend es ist zu wissen, wie es ist, in jemand anderes Schuhe zu treten, seine Perspektive zu wechseln. Sie machte darauf aufmerksam, dass die Gesetze auf allen Ebenen Inklusion bzw. gleiche Rechte garantieren müssen – es ist nicht nur eine Frage von gesellschaftlicher Akzeptanz, sondern auch von Gesetzgebung.

Shahzia Sikander,  Künstlerin, sprach dabei verschiedene Mittel im Rahmen der Kunst an, die sich der Frage der Identität widmen. Welche Rolle dabei "global citizen education" und die Entwicklung von Fähigkeiten spielen, erklärte Golda El-Khoury von der UNESCO. Es wurde den Diskutant*innen schnell klar, dass wir die Sprache der Verhandlungen bei den Vereinten Nationen in ganz viele andere übersetzen, stärker zusammenarbeiten und "künstliche" Grenzen überwinden müssen, um Dinge zu bewegen und Initiativen wie die Post-2015 Agenda umzusetzen. 

Die Teilnehmenden, unter ihnen Ahmad Alhendawi, Gesandter des UN-Generalsekretärs für Jugend, nahmen am Ende des Events die Hausschuhe gefüllt mit Eindrücken und Ideen mit und bedankten sich für eine gelungene und anregende Diskussion.

Der Ehrengast Alhendawi hatte das Event auch im Vorhinein freundlicherweise über seine offizielle Webseite der UN beworben.

Im Anschluss an das Side-Event hatten die Jugenddelegierten die Möglichkeit, vor der Sozialentwicklungskommission im Namen der Jugendlichen in Deutschland das Wort zu ergreifen.

In der Rede gehen sie vor allem auf die Jugendpartizipation im Post-2015 Prozess und ihre Bestrebungen, die Fortsetzung des "Weltaktionsprogramms für Jugend" in die Nachhaltigkeitsziele künftig mit einzubeziehen. So heißt es dort:

"Wir fordern, dass junge Menschen als Partner*innen und Rechtsträger*innen in alle Prozesse der Politikgestaltung auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene, besonders im Post-2015 Prozess, miteinbezogen werden und fordern weiter junge Menschen zu unterstützen, ihre Bestrebungen frei und direkt zu entwickeln und zum Ausdruck zu bringen. Generationsübergreifend zu denken, kann wirklich einen Unterschied machen und ist ein Schlüssel zu nachhaltiger Entwicklung."

Die vollständige Rede können Sie hier nachlesen.


Über die Ausrichtung des Side-Events und der Rede hinaus bemühen sich Greppler und Solmus auch an weiteren Resolutionsverhandlungen aktiv teilzunehmen. Über ihre ersten Erfolge bei Verhandlungen über die Jugendresolution können Sie auf deren Webseite mehr erfahren.

Ab Minute 1:12:00 (nach dem Beitrag von Brasilien) kann die Rede im Web TV der UN angesehen werden.

Celina Greppler, Ozan Solmus und Ann-Christine Niepelt

Ahmad Alhendawi, Sondergesandter des Generalsekretärs für Jugenfragen, beim Tauschen seiner Schuhe gegen Pantoffeln
Ahmad Alhendawi, Sondergesandter des Generalsekretärs für Jugend, beim Tauschen seiner Schuhe gegen Pantoffeln

Das könnte Sie auch interessieren

  • Celina Greppler (1.v.r) und Elise Zerrath (2.v.r.) beim Side-Event zum Jugenddelegierten-Programm mit weiteren Teilnehmer*innen

    Eine Jugendkonferenz ohne Jugend?

    Elise Zerrath, Jugenddelegierte 2013, und Celina Greppler, Jugenddelegierte 2014, waren als Vermittlerin und als eine von zwei nationalen Jugenddelegierten in Sri Lanka. Sie berichten hier vom Verlauf, den Ergebnissen und ihrem Eindruck der Weltkonferenz über Jugend. mehr

  • Christina Apel, Jan Martin Munz

    Jugend in den Vereinten Nationen Ein Praxisbericht

    Internationale Erklärungen und Abkommen zum Thema Jugend oder die Beteiligungsmöglichkeiten Jugendlicher an der Ausarbeitung relevanter UN-Dokumente sind weitgehend unbekannt. Um die Beteiligungsmöglichkeiten zu verbessern, empfahlen die Vereinten Nationen bereits vor über 25 Jahren den Mitgliedstaaten, Jugendliche in ihre nationalen Delegationen zur Generalversammlung und zu anderen relevanten… mehr

  • 25 Jahre UNiG