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ILO übernimmt Verantwortung für eine grüne Arbeitswelt

Titelseite des Berichts mit einem grünen, geschwungenen Blatt

Arbeit in Zeiten des Klimawandels. Die ILO übernimmt Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel. Quelle: ILO, Bericht des Generaldirektors Guy Ryder

Nicht ohne Grund wird der Klimawandel meistens am vorindustriellen Niveau gemessen. Die Arbeitswelt ist eine fundamentale Ursache für die globale Erwärmung. Guy Ryder, Generaldirektor der Internationale Arbeitsorganisation (ILO), hat auf der diesjährigen Internationalen Arbeitskonferenz im Juni 2017 (#ILC2017) in einem Bericht die Verantwortung seiner Organisation betont, aktiv den notwendigen Übergang hin zu einer ökologischen, nachhaltigen und sozialen Arbeitswelt mitzugestalten.

Die Gestaltung einer fairen Globalisierung kann nicht von Regierungen allein erreicht werden“, betonte Guy Ryder am Rande des G20-Gipfels in Hamburg. „Wirtschaft und Gewerkschaften müssen eine aktive Rolle übernehmen, um die Arbeitswelt inklusiv, nachhaltig und gerecht zu gestalten“.

Die Internationale Arbeitsorganisation, Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Hauptsitz in Genf, wird gemeinsam und gleichberechtigt von Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen und Regierungen in aller Welt getragen. Die ILO setzt sich unter anderem für soziale Gerechtigkeit und für Arbeitsrechte ein. Es wurden Arbeits- und Sozialnormen erarbeitet, die möglichst in allen Ländern durchgesetzt werden sollen.

Herausforderungen und Chancen

Einige Studien deuten darauf hin, so der Bericht, dass eine ehrgeizigere Klimapolitik tatsächlich wesentlich höhere Beschäftigungszuwächse erbringen würde. 2013 waren in der EU in der sogenannten „Öko-Industrie“ über 4,2 Millionen Menschen und damit deutlich mehr als im Automobilbau beschäftigt. Zur gleichen Zeit wurde mit Umweltprodukten und Umweltdienstleistungen ein Umsatz von mehr als 700 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Die ILO beim jüngsten G20-Gipfel in Hamburg

Die ILO sieht sich als wichtigen Teamplayer im multilateralen System. Wie komplex die weltwirtschaftliche und vor allem klimaschutzpolitische Zusammenarbeit im Augenblick ist, zeigten die G20-Verhandlungen im Juli 2017 in Hamburg. Trotzdem konnte sich die ILO in Schlüsselbereichen ihrer Arbeitsfelder in der G20-Abschlusserklärung einbringen.

„In der G20-Abschlusserklärung bekennen sich die Staats- und Regierungschefs zu der Herausforderung, menschenwürdige Arbeit für alle zu schaffen und den Trend zu steigender Ungleichheit umzukehren. Denn die Mehrzahl der G20 Themen können nur zufriedenstellend bewältigt werden, wenn Beschäftigung weltweit gefördert wird“, erläuterte Guy Ryder.

Der Klimaschutz spielte am Schluss bekanntlich keine gewichtige Rolle mehr, obwohl sich alle Staaten bis auf die USA ausdrücklich weiterhin klar zum Pariser Abkommen und einer ehrgeizigen eigenen Klimapolitik bekennen. 

Bei einem Szenario ohne jegliche Klimaschutzmaßnahmen („Business as usual“) würde die Entwicklung völlig anders weiterverlaufen, da ist sich die ILO sicher. Das wird von weiteren Studien untermauert: Bis 2050 wäre ein Rückgang der Produktivität um 7,2 Prozent zu erwarten. Der Weltklimarat schätzt sogar, dass die Wirtschaftsleistung in den am stärksten betroffenen Sektoren um mehr als 20 Prozent sinken würde. Darüber hinaus sei eine qualitative Verschlechterung der Lebensbedingungen des Menschen zu erwarten.

Die Grüne Jahrhundertinitiative

Wo setzt die ILO mit ihren Klimaschutzaktivitäten an? Mit der 2013 vorgestellten Green Initiative („Grüne Jahrhundertinitiative“) ist sie gestartet. Sie hat dann 2016 diese Initative mit klaren „Leitlinien für einen gerechten Übergang zu einer ökologisch nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft für alle“ umrahmt. Darin wurden Grundsätze und Richtlinien formuliert. Auf dieser Grundlage will die ILO nun unter anderem in vier Hauptaufgabenfeldern aktiv die Umgestaltung unterstützen:

  • Forschung- und Analysearbeiten zur Schaffung grüner Arbeitsplätze und zu den Beschäftigungseffekten konkreter Klimaschutzmaßnahmen auf Grundlage, der von den Mitgliedsstaaten gemeldeten Beiträge zur Treibhausgas-Emissionsminderung (Nationally Determined Contributions, NDCs). Zusätzlich Untersuchungen zu neuen Qualifizierungs- und Ausbildungsanforderungen und Entwicklung von Kompetenzstandards für grüne Arbeitsplätze.
Logo der Initiative
Mit der „Grüne Jahrhundertinitiative“ möchte die ILO das erhebliche Potenzial für die Schaffung von menschenwürdiger Arbeit in Verbindung mit dem Übergang zu einer kohlenstoffarmen, nachhaltigen Entwicklung herausstellen. Quelle: ILO
  • Förderung des Dialogs im Rahmen von NDC-Prozessen, indem sie die Mitgliedsgruppen verstärkt auf Möglichkeiten zur Beteiligung aufmerksam macht und die Sozialpartnerorganisationen besser in die Lage versetzt, sich auf sinnvolle Weise darin einzubringen.
  • Enge Zusammenarbeit mit internationalen Arbeitnehmer und Arbeitgeberpartnern, wie z. B. den Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) und der Internationalen Arbeitgeber-Organisation (IOE), aber auch zur UNFCCC, G20 und G7.
  • Das bedeutendste Programm der ILO ist jedoch mit Abstand das Programm zum sozialen Basisschutz für alle arbeitenden Menschen und ihre Familien („social protection floors“). Mehr als 21 Länder werden bereits von der ILO bereits darin unterstützt, ihre Wirtschaft so zu reformieren, in dem sie z. B. die Kraftstoffsubventionen streicht, dass es möglich wird,  gezielter ärmere Teile der Bevölkerung finanziell zu unterstützen (Welche Möglichkeiten es noch gibt, um diesen Basis-Schutz umzusetzen, wird in der ILO Broschüre „World Social Protection Report 2014-15“ ab Seite 149 aufgelistet).

Der Film berichtet unter anderem über die Länder, in denen das "ILO Global Flagship Programme" bereits umgesetzt wird. Quelle: ILO

Trotz der augenblicklich sehr unberechenbaren politischen Übereinstimmung in Bezug auf das Pariser Klimaabkommen, wird die ILO hoffentlich ehrgeizig und zügig ihre internationalen Programme fortsetzen und mit starken Trends in Sachen Klimaschutz, weltweit grüne Spuren in die Arbeitswirklichkeit ziehen.

Der vollständige Bericht kann auf Deutsch auf der Website der ILO heruntergeladen werden.

(Birgit Linde)

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