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Hochgiftiges Quecksilber soll endlich verbannt werden

Das Schwarz-weiß-Bild zeigt eine Mutter, die ihren Sohn in den Armen hält. Beide liegen in einer Badewanne. Das Kind ist etwa 6 Jahre alt. Man erkennt die Verstümmelungen, die es aufgrund der Quecksilbervergiftung davongetragen hat.

Das Bild zeigt Tomoko Uemura mit ihrem Kind. Minamata, 1972

Am 11. Oktober 2013 wurde ein erster weltweit rechtsverbindlicher Vertrag zur Eindämmung gesundheits- und umweltschädigender Quecksilberemissionen auf der UN-Konferenz in Minamata unterzeichnet. UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, hatte bereits seit 2010 in internationalen Verhandlungen die Präambel der Minamata-Konvention für die angestrebte Ratifizierung erarbeitet. Grund dafür waren die global steigenden Quecksilberemissionen.

Der Vertrag verbietet die Erschließung neuer Quecksilberminen und eine Vielzahl quecksilberhaltiger Produkte ab 2020. Es handelt sich dabei vor allem um Batterien, Kosmetika, Thermometer und bestimmte Leuchtmittel. Zudem dürfen Abfälle des hochgiftigen Schwermetalls nur unter strengen Auflagen gelagert und entsorgt werden. Zusätzlich wurde ein Compliance-Team zur Einhaltung des Vertrages etabliert. Deutschland und 86 weitere teilnehmende Staaten zählen bislang zu den Unterzeichnern der neuen Konvention. UNEP-Experten zufolge wird die Ratifizierung voraussichtlich 3-5 Jahre in Anspruch nehmen.

Minamata-Katastrophe verursachte weitreichende Folgen für Mensch und Tier

Auch nach über 60 Jahren leiden noch viele Menschen in Minamata, der Namensgeberin für die UN-Konvention, unter den gesundheitlichen Folgeschäden von Quecksilbervergiftungen. Der japanische Chemiekonzern Chisso verklappte in den 1950er Jahren ungefiltert hochtoxische quecksilberhaltige Abfälle in die Bucht von Minamata. Das Gift reicherte sich in Fischen und  Meeresfrüchten an. Über den Fisch, das Hauptnahrungsmittel der dortigen Bevölkerung, erkrankten nachgewiesenermaßen weit über 10.000 Menschen. Es kam zu schweren Schädigungen des Nervensystems bei Menschen und Tieren. Gehirnschäden, Bewegungsverlust, Lähmungen, Sprachverlust und Krämpfe waren die Folgen. Ca. 3.000 Erkrankte starben an den Folgen des Verzehrs von Methylquecksilber vergiftetem Fisch. Noch heute weisen Muscheln aus der Region Minamata eine erschreckend hohe Konzentration von Quecksilber auf.

Der Umgang von Chisso mit den Geschädigten war skandalös. Erst durch staatliche Untersuchungsergebnisse sah sich der Chemiekonzern in den 60er Jahren gezwungen seine Schuld einzugestehen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen und zögernd Entschädigungszahlungen zu gewähren. Die japanische Regierung übte wegen wirtschaftlicher Interessen kaum Druck auf den Chemiekonzern aus und verzichtete auf eine staatliche Kontrolle. Ca. 2.000 Opfer wurden offiziell anerkannt, von ihnen leben heute noch etwa 700. Weitere 17.000 Geschädigte haben erfolglos Anträge auf Entschädigung gestellt.

UN-Konvention als erster Schritt in die richtige Richtung

Der erarbeitete Vertrag wird als erster positiver Schritt zur Bewältigung des globalen Quecksilberproblems gewertet. Die Ursache für die Schwierigkeiten bei der Entwicklung eines inhaltsstarken Übereinkommens waren die unterschiedlichen Entwicklungsstände der 140 teilnehmenden Staaten. Kritik am Vertragsergebnis üben die Umweltorganisationen IPEN (The International POPs Elimination Network) und NGOs wie ZMWG (The Zero Mercury Working Group) sowie die japanische Bürgerinitiative CACP (Citizen Against Chemical Pollution), die sich für die Interessen der Betroffenen einsetzt.

Die NGOs zeigten sich besorgt über Schlupflöcher und lange Übergangsfristen im ausgehandelten Vertrag. Kurzfristige Wirtschaftsinteressen der Staaten dominierten freiwillige Maßnahmen für gesundheitliche Belange und Umweltschutz. Eine deutlichere inhaltliche Stärkung des Minamata-Abkommens würde vor dem Hintergrund steigender Quecksilberemissionen angemessener erscheinen. Doch durch den stabilisierenden institutionellen Einfluss von UNEP wurde ein Grundstein für die Entwicklung eines künftig wirkungsvolleren Instruments für eine quecksilberfreiere Zukunft gelegt.

Béla Winsmann

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