UN-Aktuell Menschenrechte aktuell

Harmonie über Unterschiede hinweg

Eine Collage von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen.

Collage zum Internationalen Tag der Toleranz. (c) UN

Die Menschheit ist multikulturell – und das ist gut so! So könnte man die Botschaft zusammenfassen, für die mit dem Internationalen Tag der Toleranz geworben wird. Am fünfzigsten Jahrestag ihrer eigenen Gründung, dem 16. November 1995, verabschiedete die UNESCO die Erklärung von Prinzipien der Toleranz, in der sie u.a. den 16. November zum Internationalen Tag der Toleranz erklärte. Die UN-Generalversammlung bekräftigte das Datum im darauffolgenden Jahr in einer Resolution und lud alle Mitgliedstaaten ein, den Tag jährlich mit geeigneten Aktivitäten zu begehen. Toleranz, so heißt es in der Erklärung von Prinzipien der Toleranz, ist „eine Tugend, die den Frieden ermöglicht.“

Mit Toleranz ist die Wertschätzung für sprachliche, ethnische, religiöse und kulturelle Unterschiede gemeint, eine „aktive Einstellung, die sich stützt auf die Anerkennung der allgemeingültigen Menschenrechte und Grundfreiheiten anderer. Keinesfalls darf sie dazu mißbraucht werden, irgendwelche Einschränkungen dieser Grundwerte zu rechtfertigen.“ Die Wahlfreiheit und Menschenrechte jedes Einzelnen müssen gewährleistet werden, womit die Toleranz auch eine Einschränkung erfährt. Toleranz bedeutet keine Akzeptanz von Parallelgesellschaften, sondern im Gegenteil auch eine Förderung der Integration, der Kommunikation und der gegenseitigen Offenheit. Der Internationale Tag der Toleranz beleuchtet Unterschiede – und findet dabei auch Gemeinsamkeiten.

Die positive Anerkennung der Vielfalt soll von Staaten ebenso ausgeübt werden wie von Einzelnen und Gruppen. Schon in der Präambel der UN-Charta wird der Wille ausgedrückt „to practice tolerance“ (in der deutschen Übersetzung: Duldsamkeit zu praktizieren). Ein „Kampf der Kulturen“, wie ihn der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel Huntington voraussagte, soll durch Toleranz vermieden werden.

Die Hauptarbeit dürfte jedoch auf der innerstaatlichen Ebene stattfinden. Die Staaten sind gefordert, Chancengleichheit und Gleichbehandlung aller Gruppen sicherzustellen – angesichts der Berichte über den Umgang mit Roma in mehreren EU-Staaten ein durchaus aktuelles Thema. Neben gesetzlichen Grundbedingungen sollen vor allem im Bildungssektor die tieferliegenden Ursachen von Intoleranz – Unwissenheit, Angst vor dem Unbekannten, Vorurteile sowie kulturelle, soziale und religiöse Motive – beleuchtet werden, um intoleranten Haltungen entgegenzuwirken sowie die Entwicklung der individuellen Sensibilität und Wahrnehmung der Thematik zu unterstützen.

Der Internationale Tag der Toleranz soll auch auf die Gefahren der Intoleranz aufmerksam machen. Rassismus, Faschismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit sind nur einige der Ausprägungen von Intoleranz, die auch in Deutschland zu beobachten sind. Am Internationalen Tag der Toleranz ist jeder Einzelne dazu aufgerufen, die eigene Haltung kritisch zu überdenken und zu hinterfragen, ob sie von Vorurteilen geprägt ist. Jeder Mensch ist einzigartig – und deshalb ist Toleranz für jede Gesellschaft unverzichtbar. Sie ist Harmonie über Unterschiede hinweg.

Von Lena Jöst