Rio+20 Entwicklungspolitik

Grüne Wirtschaft – die Alternative für Umwelt und Gesellschaft

Ein Arbeiter schraubt ein Solarkollektor fest.

Durch den Übergang zu einer grünen Wirtschaft können in der Solarbranche und in anderen Sektoren bis zu 60 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen. Foto: Shutterstock/UNEP

Durch den Übergang zu einer grünen Wirtschaft können weltweit in den nächsten zwei Jahrzehnten zwischen 15 Millionen und 60 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Dies ist eines der Ergebnisse eines gemeinsamen Berichtes der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und des UN-Umweltprogramms (UNEP).

Der Bericht trägt den Titel: „Working towards sustainable development: Opportunities for decent work and social inclusion in a green economy“ (Für eine nachhaltige Entwicklung arbeiten: Möglichkeiten für eine menschenwürdige Arbeit und die soziale Einbeziehung aller in einer grünen Wirtschaft). Der Bericht wurde am 31. Mai 2012 in Genf vorgestellt, drei Wochen vor dem UN-Gipfel für nachhaltige Entwicklung „Rio+20“ in Rio de Janeiro, wo der Übergang zu einer grünen Wirtschaft eines der Hauptthemen sein wird.

Das bisherige Wirtschaftsmodell führt in die Sackgasse

Die Fortführung des bisherigen ressourcenintensiven Wirtschaftsmodells führt zu steigenden Kosten, sinkender Produktivität und vermehrten Störungen der wirtschaftlichen Aktivitäten, wird in der Studie diagnostiziert. „Das gegenwärtige Modell der Entwicklung hat sich als ineffizient und nicht nachhaltig erwiesen, nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Volkswirtschaften und die Gesellschaften“, erklärte der scheidende ILO-Generaldirektor Juan Somavia bei der Präsentation des Berichtes. „Wir müssen dringend einen Weg nachhaltiger Entwicklung einschlagen, in dessen Mittelpunkt aufeinander abgestimmte politische Maßnahmen für die Menschen und die Erde stehen.“

Juan Somavìa verschwieg nicht, dass es beim Übergang zu einer grünen Wirtschaft auch Verlierer geben wird: „Es werden Arbeitsplätze wegfallen, auch wenn wir netto mit einem starken Zuwachs rechnen. Es ist wichtig, dass wir von vornherein klarstellen, dass es nicht ausschließlich Gewinner gibt.“ Die ILO sei für diesen Übergangsprozess von großer Bedeutung: „Wir haben die richtigen Werkzeuge, um einen Wandel wie diesen zu begleiten – sozialer Dialog und soziale Sicherheit sind auf dem Weg zu einer grünen Wirtschaft so wichtig wie nie.“

Armutsbekämpfung und Umweltschutz miteinander verbinden

UNEP-Direktor Achim Steiner betonte, dass die Studie für den UN-Gipfel für nachhaltige Entwicklung eine „positive Botschaft in einer Welt voller Herausforderungen“ darstellt. Er hob die Bedeutung der grünen Wirtschaft für die Armutsbekämpfung hervor: „Die Ergebnisse unterstreichen, dass sie Millionen Menschen in dieser und in zukünftigen Generationen einbezieht, Armut überwindet und die Lebenssituation verbessern kann.“

Vier Jahre nach einer ersten Studie zu den Chancen grünen Wirtschaftens stellen die Autorinnen und Autoren der neuen Studie fest, dass inzwischen nachweislich bereits Millionen von grünen Jobs geschaffen wurden, vor allem in der Land-, Wald- und Fischwirtschaft, im Energiesektor, beim Recycling sowie im Bau- und Transportwesen.

Gute Aussichten gerade für die arme Bevölkerung

Ein junger Mann sitzt auf einer Eingangstreppe und hat den Kopf auf seine Knie gelegt.
Angesichts einer hohen Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern der Welt besteht die Hoffnung, dass durch den Übergang zu einer grünen Wirtschaft auch dieses gravierende soziale Problem zumindest partiell gelöst werden kann. Foto: ILO

Die Studie enthält zahlreiche konkrete Beispiele aus unterschiedlichen Wirtschaftszweigen und Ländern, die belegen, dass und wie die grüne Wirtschaft das Wachstum fördert und zusätzliche Arbeitsplätze schafft. Ein Beispiel ist der Boom der Ökolandwirtschaft im ostafrikanischen Uganda, wo sich die Einkommenssituation vieler Tausend Bauernfamilien durch die höheren Einnahmen für Ökolebensmittel deutlich verbessert hat. In der Studie wird geschätzt, dass insgesamt mehr als 400 Millionen Kleinbauern in Entwicklungsländern signifikant von der Einführung einer grünen Wirtschaft profitieren können.

Groß ist auch das Potenzial des Ausbaus der Recyclingwirtschaft. Der Übergang von wilden Müllkippen zu einem effizienten Recycling der Abfälle kann für bis zu 20 Millionen Müllsammler in Entwicklungsländern nicht nur Gesundheitsrisiken beseitigen, sondern auch angemessen bezahlte Arbeitsplätze schaffen. Dies erfordert allerdings eine gezielte staatliche Regulierungs- und Förderpolitik zugunsten der Menschen, die bisher nur durch das Müllsammeln überleben können.

Von besonderer Bedeutung für die Weiterentwicklung der grünen Wirtschaft ist der Sektor der erneuerbaren Energien, in dem heute weltweit fast fünf Millionen Menschen beschäftigt werden. Das ist eine Verdoppelung dieser Zahl der Arbeitsplätze seit dem Jahr 2006.

Nachhaltige volkswirtschaftliche Gesamtkonzepte unverzichtbar

ILO und UNEP plädieren für zielgerichtete Investitionen in die grüne Wirtschaft. Als ein Vorbild erwähnt die Studie Förderprogramme für energieeffiziente Gebäude in Deutschland. Dadurch seien große Investitionen der Wirtschaft mobilisiert worden, die nicht nur zur Reduzierung von Energiekosten und Schadstoffemissionen geführt haben, sondern auch zur Schaffung von etwa 300.000 neuen Arbeitsplätzen.

Die Studie macht deutlich, dass die große Herausforderung für alle Länder darin besteht, nicht nur einzelne punktuelle Umweltvorhaben zu unterstützen, sondern ein aufeinander abgestimmtes Konzept der „Begrünung“ der Wirtschaft zu entwickeln und umzusetzen, in dem ökologische und soziale Herausforderungen berücksichtigt sind. Zu den Instrumenten gehören zum Beispiel eine Ökosteuer, Umweltgesetze, die Förderung von Investitionen in die grüne Wirtschaft und gezielte Arbeitsmarktmaßnahmen wie die Aus- und Fortbildung in den Branchen, in denen neue Jobs entstehen. All dies erfordert einen intensiven sozialen Dialog auf nationaler und lokaler Ebene, wie er weltweit bereits in der Zusammenarbeit von Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen und Regierungen in der ILO erfolgreich praktiziert wird.

Mehr Informationen finden Sie auf auf unserem Themenschwerpunkt Rio+20 und der ILO-Website.

Mehr Informationen über die ILO-Arbeit erhalten Sie durch unseren neuen Informationstext Internationale Arbeitsorganisation.

Frank Kürschner-Pelkmann

 

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