UN-Aktuell Internationales Jahr der Wasserkooperation Menschenrechte & Entwicklung

Gemeinsam das kostbare Gut pflegen

Eine Demonstration mit drei Personen im Vordergrund, alle in Blau, sie tragen ein Banner mit der Aufschrift "2013)

Der Weltwassertag 2013 steht im Zeichen internationaler, nationaler und regionaler Zusammenarbeit. Foto: UNESCO

Rund um den Globus wird der Weltwassertag begangen. "Wasserkooperationen“ stehen in diesem Jahr im Fokus – und damit das große Potenzial der gemeinschaftlichen Pflege und Nutzung der weltweiten Wasservorkommen. 

Jedes Jahr weisen die Vereinten Nationen mit dem Weltwassertag auf die kaum zu überschätzende Bedeutung der blauen Ressource Wasser für die Menschheit hin. In diesem Jahr betont die UN die besondere Relevanz von unterschiedlichen Formen der Zusammenarbeit beim Management der Wasserressourcen. 780 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Wasserkooperation - unverzichtbar auf allen Ebenen

Die Relevanz von Wasserkooperationen auf höchster Ebene wird vor allem durch den transnationalen Charakter zahlreicher Wasservorkommen deutlich. Flüsse halten sich nun mal nicht an politische Grenzen: 276 große Flussläufe auf allen Kontinenten überschreiten mindestens eine Grenze, was dazu führt, dass die überwiegende Zahl aller Staaten über internationale Gewässer auf ihrem Territorium verfügt. Davon liegen 21 Länder mit ihrem kompletten Staatsgebiet in einem grenzüberschreitenden Flussbecken und sind deshalb in besonderer Weise auf Wasserkooperationen mit ihren Nachbarn angewiesen. In Subsahara-Afrika teilen sich ohne Ausnahme alle Länder mindestens ein grenzüberschreitendes Flussbecken mit einem anderen Staat.

Wasserkooperation in den Vereinten Nationen

Innerhalb der UN-Familie bündelt UN Water alle Aktivitäten einzelner UN-Agenturen im Zusammenhang mit der Wasserthematik. UN Water wurde im Jahr 2003 im Nachgang des Weltgipfels zur Nachhaltigen Entwicklung, der 2002 in Johannesburg stattfand, vom Hochrangigen Programmausschuss der Vereinten Nationen (High Level Committee on Programmes, HLCP) als Koordinierungsmechanismus ohne eigene operative Tätigkeit formal ins Leben gerufen. Die hohe Relevanz von Wasser für das menschliche Leben wurde zudem im Juli 2010 von den Vereinten Nationen durch die Ausrufung eines Menschenrechts auf Wasser gewürdigt. Alle drei Jahre veröffentlicht das World Water Assessment Programm (WWAP) unter der Leitung der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) einen Weltwasserbericht (World Water Development Report, WWDR). Der aktuellste Bericht erschien am 12. März 2012 unter dem Thema „Wasserbewirtschaftung – Unsicherheiten und Risiken“.

Wasserkooperationen sind auch auf niedrigerer Ebene unverzichtbar. Einzelne Regionen innerhalb eines Landes ringen ebenso um die verfügbaren Wasservorkommen, wie einzelne Städte innerhalb der Regionen oder Stadteile innerhalb der Städte. Verschiedene Wirtschaftszweige konkurrieren um begrenzte Wasserressourcen ebenso, wie es verschiedene Volksgruppen tun. Die gerechte Verteilung des verfügbaren Wassers zwischen der ländlichen und städtischen Bevölkerung eines Staates ist genauso Diskussionsgegenstand wie die Frage einer gerechten Verteilung auf Dorfebene. Und schließlich muss Wassergerechtigkeit auch zwischen heute lebenden und zukünftigen Generationen garantiert werden. Deutlich wird: Um das verfügbare Wasser zum Wohle Aller einzusetzen, muss die gesamte Kooperationskette funktionieren.

Die unterschiedlichen Formen der Wassernutzung ergeben ein komplexes Bild. Trinkwasser konkurriert mit Nutzwasser, indem die landwirtschaftliche Bewässerung mitunter auf die gleichen Vorkommen zurückgreift, wie  die Energieerzeugung durch Wasserkraft. Jede Nutzungsform bringt spezifische Herausforderungen im Hinblick auf erfolgreiche Wasserkooperation mit sich. Und nur im Ausgleich der unterschiedlichen Interessen, Ansprüche und Bedürfnisse lässt sich letztendlich eine Lösung finden, die begrenzte Ressource Wasser gemeinverträglich zu nutzen.

An einer kleinen Dorfpumpe im Jemen stehen fünd Kinder und eine Frau und versuchen Wasser zu pumpen
Frauen und Kinder im Jemen füllen ihre Wassereimer an einer vom Dorf betriebenen Wasserpumpe. Foto: UN/Ian Steele

Knappere Wasserressourcen zwingen zum Handeln

Eine Reihe von Entwicklungen hat in der jüngeren Vergangenheit die Notwendigkeit für Wasserkooperationen erhöht. Erstens wächst weltweit der Bedarf an Wasser kontinuierlich, was zweitens jedoch an vielen Orten angesichts knapper werdender Wasserressourcen immer problematischer wird. Drittens schafft ein häufig genauso unzureichendes wie unkooperatives Wasserressourcenmanagement wenig Abhilfe. Es ist mehr das Zusammenspiel dieser drei Faktoren als die jeweiligen Entwicklungen an sich, die zunehmend zum Problem werden.

Der Planet Erde ist durstig – unaufhaltsam steigt die Nachfrage nach Wasser rund um den Globus. Vor allem das Bevölkerungswachstum führt zu einem Mehrbedarf an Wasser - sowohl direkt durch steigenden Verbrauch  an Trinkwasser als auch indirekt durch wachsende Nachfrage nach Nahrungsmitteln, zu deren Herstellung Wasser benötigt wird. In Verbindung mit sich verändernden Ernährungsgewohnheiten geht man inzwischen davon aus, dass sich die Nachfrage nach Nahrungsmitteln bis 2050 um 70 Prozent und damit auch die Nachfrage nach Wasser enorm erhöhen wird. Wie eng Ernährung und Wasser zusammenhängen, verdeutlichte der Themenschwerpunkt des Weltwassertages 2012

Die verfügbaren Wasserressourcen werden mancherorts immer knapper. Selbst in Gegenden, in denen man zunächst nicht damit gerechnet hätte, verschärfen sich die Probleme hinsichtlich des Zugangs zu ausreichenden Wasservorkommen. Zum Beispiel geht das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) davon aus, dass die Wasserknappheit in Zentral- und Osteuropa mit hoher Wahrscheinlichkeit zunehmen wird und sich bis 2070 die Anzahl der hiervon betroffenen Menschen von 28 auf 44 Millionen erhöhen wird. Auch der Klimawandel hinterlässt seine Spuren: Stärkere Verdunstung aufgrund höherer Temperaturen, niedrigere Niederschläge sowie eine Zunahme extremer Wetterereignisse sind laut Experten bereits in naher Zukunft flächendeckend zu erwarten. Es wird vermutet, dass Dürren sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in ihrer Intensität zunehmen werden, während zeitgleich – in markantem Gegensatz dazu – Überflutungen häufiger zu bewältigen sein werden. Dementsprechend wird die Berechenbarkeit sicherer Wasservorkommen in der Zukunft stark nachlassen.

Kluges und geschicktes Management der vorhandenen Wasserressourcen könnte die Lage verbessern, ist in der Realität jedoch noch selten anzutreffen. In der Tat können heutzutage technische Mittel kaum zusätzliche Wasserressourcen im größeren Stil mobilisieren, um den wachsenden Durst zu stillen oder der Knappheit entgegenzuwirken. Deshalb liegt das Management vorhandener Wasserressourcen zunehmend im Fokus des politischen Handelns. Problematisch ist jedoch, dass Wassermanagement häufig instrumentalisiert wird und somit bereits bestehende Auseinandersetzungen entlang sozialer oder politischer Konfliktlinien zusätzlich verschärft werden. Statt die Auswirkungen von steigender Nachfrage und zunehmender Knappheit abzudämpfen, verschärft der Mangel an kooperativer und gemeinschaftlicher Verwaltung des Wassers die Lage enorm.

Internationaler Wassertag

Internationale Tage sind ein effektives Instrument zur Bewusstseinsbildung und zur Schaffung von öffentlicher Aufmerksamkeit für zentrale Themen der menschlichen Entwicklung. Der Weltwassertag wurde im Jahr 1993 von der UN-Generalversammlung erstmalig ausgerufen.
Die Federführung für den Weltwassertag 2013 liegt bei der UNESCO. Zwei zentrale Veranstaltungen finden am 22. März in Den Haag und im UN-Hauptquartier in New York statt. Den thematischen Rahmen bildet im Jahr 2013 das von den UN ausgerufene Internationale Jahr der Wasserkooperation (siehe hierzu auch den DGVN-Themenschwerpunkt).

Wasserkooperation für das friedliche Zusammenleben

Vor diesem Hintergrund hebt die UNESCO die Relevanz von Wasserkooperationen in mehrfacher Hinsicht hervor. Wasserkooperationen seien in gleichem Umfang sowohl für die soziale, die ökonomische als auch die ökologische Dimension von enormer Bedeutung. Wichtig sei es, die jeweiligen Auswirkungen von funktionierender oder mangelhafter Wasserkooperation in ihrer Komplexität anzuerkennen, um der Forderung nach mehr Kooperation im Hinblick auf die vielleicht wichtigste Ressource der Menschheit mehr politische Schubkraft zu verleihen.

1. Wasserkooperationen sind unverzichtbar, um Frieden zu stiften und zu erhalten. Konflikte um die Ressource Wasser werden – aufgrund der aufgezeigten komplexen Problematik – in der nahen Zukunft an Häufigkeit und Intensität zunehmen. Zwar haben sich die in der Vergangenheit heraufbeschworenen Schreckensvisionen von „Wasserkriegen“ als überzogen erwiesen, da die Konfliktparteien regelmäßig eingesehen haben, dass die Kosten eines offen ausgetragenen Konflikts seinen potenziellen Nutzen deutlich übersteigen würden. Beispiele für Konflikte um die Ressource Wasser auf niedrigeren Ebenen gibt es dennoch genügend. Houdret (2008) unterscheidet in ihrer Typologie von möglichen Wasserkonflikten innerhalb eines Landes folgende fünf Arten, für die sich allesamt aktuelle oder in der jüngeren Vergangenheit liegende reale Beispiele nennen lassen: (1) Wasserkonflikte zwischen Nomaden sowie zwischen Nomaden und Sesshaften, (2) Wasserkonflikte zwischen Bauern, (3) Konflikte zwischen urbanen und ländlichen Wassernutzern, (4) Konflikte zwischen Nutzern und Verwaltern von Trinkwasserservices, (5) Konflikte zwischen Befürwortern und Gegnern von Dämmen und großen Projekten für den Wassertransfer. Wasserkooperationen können das bestehende Konfliktpotential in eine positive Gemeinschaftsanstrengung umlenken und sogar dazu führen, soziale, kulturelle, ethnische und politische Trennlinien zu überwinden. Zusammenarbeit im Hinblick auf ein für alle Beteiligten lebensnotwendiges Gut kann auch zu Entspannung und Vertrauensbildung führen. Die UNESCO betont daher, dass der Zugang zu Wasser „sowohl eine Quelle des Konflikts als auch ein Katalysator für Kooperation und Friedensschaffung“ sein kann.

In Nord-Darfur steht eine Gruppe von Männern vor der Kamera alle in weiß und im Hintegrund Wüstenähnliche Landschaft. Sie halten ein Schild hoch "We need Water"
Wasser ist ein Menschenrecht. Trotzdem leiden viele Menschen wie in Nord-Dafur erheblich unter dem Wassermangel. Foto: UN/ Albert González Farran

2. Wasserkooperationen sind Schlüsselfaktoren im Hinblick auf zahlreiche Ziele der weltweiten Entwicklungszusammenarbeit, wie Gesundheit, menschliche Entwicklung, Armutsreduzierung und Geschlechtergerechtigkeit. Denn noch immer hängen 80 Prozent aller Krankheiten in Entwicklungsländern mit einer unzureichenden oder qualitativ schlechten Wasserversorgung zusammen. Jedes Jahr sterben rund 1,9 Millionen Menschen an Durchfallerkrankungen, die auf eine mangelhafte Wasserversorgung zurückzuführen sind. Knapp 900 Millionen Menschen weltweit haben nach wie vor keinen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser. 84 Prozent der Betroffenen leben in ländlichen Gebieten, in denen der Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur zur Frischwasserversorgung und Abwasserentsorgung noch komplizierter ist als in Städten. Jegliche Bemühungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit scheinen vergebens, wenn nicht direkt und effektiv eine Versorgung dieser Menschen mit ausreichendem und frischem Trinkwasser sichergestellt und die Relevanz von Hygienemaßnahmen betont wird. Leidtragende des mangelhaften Zugangs zu Trinkwasser sind häufig Frauen und Mädchen, die das Wasser von Kilometer weit entfernten Quellen an ihre Wohnstätte tragen müssen – eine Arbeit, die sie häufig zusätzlich zur Hausarbeit erledigen.

3. Wasserkooperationen schaffen ökonomische Vorteile. Alle wirtschaftlichen Aktivitäten sind in der einen oder anderen Weise von einer ausreichenden Wasserversorgung abhängig. Der Agrarsektor ist auf Bewässerung ebenso angewiesen, wie der industrielle Sektor sein Nutz- und Kühlwasser benötigt. Wasserkooperationen können zu effizienteren und nachhaltigeren Nutzungsmodellen der begrenzt verfügbaren Wasserressourcen führen, woraus letztendlich allen Beteiligten ein ökonomischer Gewinn erwächst. Im Bereich der Energiegewinnung bleiben die Möglichkeiten einer wasserenergetischen Nutzung von Grenzflüssen ungenutzt, solange sich die Nachbarstaaten nicht auf einen Modus der Zusammenarbeit einigen können. Fehlende Kooperation wird hierbei in ökonomischer Hinsicht beiden Staaten zum Nachteil.

4. Wasserkooperationen sind unerlässlich für den Schutz von natürlichen Ressourcen sowie den Umweltschutz. Unkooperative Wassernutzung birgt in besonderem Maße die Gefahr der Übernutzung natürlicher Wasserressourcen. In vielen Ländern übersteigt die Wassernutzung bereits die Rate der Erneuerung. Man spricht in diesem Fall vom „overuse“ der Oberflächen- oder Grundwasserressourcen. Die Folgen sind gravierend – die massive Entnahme von Grundwasser führt zum Einsickern von Salzwasser in Böden und Trinkwasservorkommen und macht ganze Gegenden unbewohnbar. Lebensgrundlagen und Einkommensquellen für ansässige Fischer und Farmer gehen verloren und der Migrationsdruck steigt. Dies wiederum erhöht den Druck auf Ressourcen wie Land und Wasser in zusätzlichem Maße, da Betroffene häufig in bereits dicht besiedelte Regionen migrieren. Beispiele für Regionen, wo diese Konsequenzen bereits spürbar sind, lassen sich in China, Yemen, Iran, aber auch in Zentralasien sowie in zahlreichen Ländern in der Sahelzone sowie in Ländern in der MENA-Region finden.

Matthias Böhning

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