Friedenssicherung

Friedenssicherungskonferenz in London: Frauen im Fokus

Ellen Margrethe Løj, Sonderbeauftragte und Leiterin der UN-Mission in Südsudan zeichnet eine Offizierin mit einer Medaille aus. (C) UN Photo/JC McIlwaine

Ellen Margrethe Løj, Sonderbeauftragte und Leiterin der UN-Mission in Südsudan zeichnet eine Offizierin mit einer Medaille aus. (C) UN Photo/JC McIlwaine

Mehr als 85.000 Blauhelm-Soldaten dienen in 16 Missionen auf vier Kontinenten unter dem Mandat der Vereinten Nationen mit dem Ziel Frieden zu sichern, Zivilisten zu schützen und Sicherheit zu schaffen. Doch der Bedarf an Friedenssicherungstruppen steigt weiter an und die UN kommt kaum hinterher, genug Blauhelme zu stellen. Zudem werden die Operationen durch ein neues Konfliktumfeld und ausgeweitete Mandate komplexer und auch gefährlicher. Daneben haben zahlreiche Fälle sexueller Ausbeutung und Gewalt durch Blauhelme und UN-Personal einen Schatten auf einige Missionen geworfen. Die Herausforderungen vor denen die Friedenssicherung der Vereinten Nationen steht, sind groß.

Am vergangenen Donnerstag (8. September 2016) haben sich nun beim UN Peacekeeping Defense Ministerial Verteidigungsministerinnen und -minister aus 80 Ländern in London getroffen um diese Probleme anzugehen. Das Treffen folgte dem Versprechen von 50 weltweit führende Politikerinnen und Politiker vor einem Jahr in New York, die UN-Friedenssicherungsmission zu stärken und zu modernisieren. Ein besonderer Fokus der eintägigen im Lancaster House lag dabei auf der Bedeutung von Frauen in UN-Missionen. So wurde von verschiedenen Seiten die Forderung und der Wunsch deutlich, dass es mehr weibliche Blauhelmsoldaten gibt. Ein steigender Anteil von Frauen an Friedensmissionen würde sowohl für eine höhere Effektivität der Einsätze sorgen als auch das Vertrauen in UN-Peacekeeping mit Blick auf die jüngsten Skandale wiederherstellen. Momentan sind lediglich 4 Prozent der Friedenstruppen Frauen. Mehrere Verteidigungsministerinnen und -minister haben daher die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen aufgefordert bis 2020 die Anzahl weiblicher Blauhelme zu verdoppeln. Diese Forderung fand sich auch im abschließenden Communiqué der Konferenz. Dieses Abschlussdokument ruft zudem UN-Generalsekretär Ban Ki-moon dazu auf, sich dafür einzusetzen, dass mehr Frauen mit Führungspositionen innerhalb der Missionen bedacht werden.

Angelina Jolie als Fürsprecherin

Der Einsatz für eine stärkere Beachtung von Frauen bei der Friedenssicherung bekam in London prominente Unterstützung. Die Hollywood-Schauspielerin Angelina Jolie hielt überraschend eine Rede. Auch sie stellte heraus, dass es für die Glaubwürdigkeit der UN-Missionen von zentraler Bedeutung ist, dass Frauen und Kinder nicht von denen sexuell ausgebeutet oder misshandelt werden, die sie beschützen sollen. Dabei könne auch die stärkere Einbeziehung von Frauen in allen Phasen der Friedenssicherung helfen. Jolie ist Sonderbotschafterin für das UN Flüchtlingshilfswerk (United Nations High Commissioner for Refugees – UNHCR) und engagiert sich gegen sexuelle Gewalt in Konflikten.

Neben dem Thema Frauen und UN-Friedensmissionen wurden in London weitere zentrale Aspekte des Peacekeeping besprochen. So ist die schnelle Entsendung von Truppen weiterhin eine große Herausforderung. Auf der Konferenz in London haben UN-Mitgliedstaaten zugesagt, ihre Militär- und Polizeieinheiten innerhalb von 30 bis 90 Tagen in den Einsatz schicken zu können.
Das oben erwähnte Communiqué stellt zudem die sogenannten drei Ps in den Mittelpunkt: Pledges (Zusicherungen), Planning (Planung) und Performance (Leistung). So erklärten die unterzeichnenden Ministerinnen und Minister, dass die truppenstellenden Länder gut ausgebildetes und ausgerüstetes Personal stellen müssen. Moderne Friedenssicherung brauche zudem verbesserte politische und militärische Planung während des gesamten Missionszyklus. Ebenfalls entscheidend wären hohe Leistung des zivilen und uniformierten Personals, das durch effektive und verantwortliche Führung gestützt ist.

In London hat die Regierung Großbritanniens zudem zugesagt, 100 zusätzliche Peacekeeper in den krisengeschüttelten Südsudan zu entsenden.

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