Millenniums-Entwicklungsziele

Entwicklung neu denken

Titelseite der Broschüre "Changing with the World"

Der „Strategische Plan“ des UN-Entwicklungsprogramms soll es ermöglichen, einen wirkungsvollen Beitrag zur Verwirklichung der nachhaltigen Entwicklungsziele zu leisten. Foto: UNDP

Dem UN-Entwicklungsprogramm UNDP kommt eine Schlüsselstellung bei der Umsetzung des Konzepts nachhaltiger Entwicklungsziele zu, die gegenwärtig formuliert und von 2016 an weltweit verwirklicht werden sollen.

UNDP ist mit 8.000 Beschäftigten und einem Jahresbudget von 4,5-5 Milliarden Dollar einer der großen Akteure der internationalen Zusammenarbeit im Bereich Entwicklung. UNDP ist in 177 Ländern vertreten und fördert ein breites Spektrum von Programmen und Projekten. Zugleich übernimmt UNDP eine koordinierende Rolle für alle UN-Einrichtungen, die mit Entwicklungsthemen befasst sind.

UNDP hat Ende September 2013 einen „Strategischen Plan“ für die Jahre 2014 bis 2017 veröffentlicht, der den Titel „Changing with the World“ („Sich mit der Welt verändern“) trägt. Er soll das UN-Entwicklungsprogramm noch besser in die Lage versetzen, die einzelnen Länder bei der Verwirklichung der nachhaltigen Entwicklungsziele zu unterstützen. 

„Neu über Entwicklung nachdenken“ 

Der „Strategische Plan“ lässt erkennen, dass nicht nur die Entwicklungskonzepte in den letzten Jahrzehnten sehr viel vielschichtiger und komplexer geworden ist, sondern auch das Instrumentarium, mit dem Programme wie UNDP zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. In dem Plan wird hervorgehoben: „Die Herausforderung besteht darin, neu über Entwicklung nachzudenken.“ Dazu gehört es, wirtschaftliche Entwicklung, ökologische Nachhaltigkeit und sozialen Ausgleich simultan anzustreben. Betont wird die Bedeutung des Naturschutzes und des verantwortungsbewussten Umgangs mit natürlichen Ressourcen. Großes Gewicht wird in dem Konzept auf Genderfragen, die Beseitigung krasser sozialer Unterschiede und die Einbeziehung aller in Entwicklungsprozesse gelegt. 

Den UNDP-Länderprogrammen und -Büros kommt eine wichtige Rolle dabei zu, die Regierungen bei der Formulierung und Umsetzung von Plänen für das nationale Entwicklungsziel-Engagement zu unterstützen. Dabei wird großer Wert darauf gelegt, die Zivilgesellschaft stark einzubeziehen. Ebenso gilt es, die Institutionen zu stärken und wirkungsvoller zu machen, die die staatlichen Entwicklungspläne umsetzen sollen.

Ohne Demokratie keine nachhaltige Entwicklung

Besonders schwierig sind diese Prozesse in Ländern, die sich nach Diktaturen und Bürgerkriegen erst am Anfang demokratischer Prozesse befinden. UNDP bietet Unterstützung an bei Verfassungsreform- und Wahlprozessen, bei der Schaffung von Foren für den gesellschaftlichen Dialog unter Einbeziehung aller gesellschaftlichen Gruppen, bei Friedens- und Versöhnungsprozessen und beim Aufbau rechtsstaatlicher Verhältnisse. Einhergehen müssen solche Prozesse mit dem Aufbau zuverlässiger und wirkungsvoll arbeitender Regierungs- und Verwaltungsstrukturen. 

Wahlhelfer sortieren die Wahlscheine auf einem großen Tisch
Die Vereinten Nationen unterstützen Demokratisierungsprozesse in vielen Ländern der Welt wie die Parlamentswahlen 2012 in Timor-Leste. So werden auch Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung gelegt. Foto: Martine Perret/UN Photo

Daran will UNDP ebenso mitwirken wie an einer Stärkung der Zivilgesellschaft. Im „Strategischen Plan“ heißt es zusammenfassend zu dieser Thematik: „Wir wollen dem engen Zusammenhang von demokratischem Regierungssystem und Fortschritten auf dem Weg zu nachhaltigen Entwicklungszielen und einer hohen Anpassungsfähigkeit die erforderliche Aufmerksamkeit schenken.“

Klimawandel, Naturkatastrophen und ökonomischen Krisen besser standhalten

Es sind vor allem die Armen, die unter den Folgen von Klimawandel, Naturkatastrophen und wirtschaftlichen Schocks zu leiden haben. Deshalb will UNDP mehr tun, um die Gesellschaften im Süden und besonders die Armen in die Lage zu versetzen, mit solchen Krisen fertig zu werden. Dazu gehören u.a. vorbeugende Maßnahmen, Initiativen zur Reduzierung von Risiken und ein wirkungsvolles Warnsystem vor drohenden Katastrophen.

Nach den Krisen oder Katastrophen besteht ein wichtiger Schritt darin, die lokale Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, um Arbeitsplätze und Einkommen neu entstehen zu lassen und es den Menschen so zu ermöglichen, wieder selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Im Plan wird festgestellt: „Eine schnelle wirtschaftliche Wiederbelebung hilft dabei, bessere Voraussetzungen für Stabilität und Nachhaltigkeit zu schaffen.“ Eine wichtige Grundlage ist der rasche Wiederaufbau der Infrastruktur, die Produktion und Handel erst ermöglichen. Ein Augenmerk soll darauf gelegt werden, dass benachteiligte Bevölkerungsgruppen wie Frauen und Flüchtlinge die Chance erhalten, ihren Lebensunterhalt wieder selbst zu verdienen. Zum Erreichen dieser Ziele soll die Zusammenarbeit mit dem „Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten“ (OCHA) weiter intensiviert werden. 

Globale Kooperation fördern

UNDP will die Süd-Süd-Zusammenarbeit sowie trilaterale Formen des Erfahrungsaustausches und der Kooperation fördern. Dazu ist das UN-Entwicklungsprogramm durch seine weltweiten Strukturen und die Länderbüros in allen Weltregionen prädestiniert. UNDP will außerdem seine Rolle als „Wissens-Broker“ ausbauen, also Erfahrungen und Erkenntnisse in einem Land so zugänglich machen, dass anderswo davon gelernt werden kann, auch wenn ein direktes Kopieren von gelungenen Projekten und Programmen kaum möglich ist. 

„Unsere Vision: Ländern dabei helfen, gleichzeitig Armut zu beseitigen und Ungleichheiten und den Ausschluss von Menschen signifikant zu vermindern.“

Aus dem „Strategischen Plan“ von UNDP

Als koordinierende Einrichtung des Netzwerkes „United Nations Development System“ will UNDP den kritischen Dialog über globale und regionale Entwicklungsthemen fördern, die Rollen und Verantwortlichkeiten der einzelnen UN-Einrichtungen vor allem hinsichtlich der nachhaltigen Entwicklungsziele klären und die Kooperation innerhalb des Netzwerkes und mit anderen Akteuren der internationalen Entwicklungszusammenarbeit verbessern. 

In den einzelnen Entwicklungsländern soll die Kooperation der dort arbeitenden UN-Organisationen und -Programme verstärkt und noch stärker auf das Erreichen gemeinsamer Ziele ausgerichtet werden. Außerdem wird angestrebt, die Kooperation mit anderen für eine nachhaltige Entwicklung wichtigen Akteuren im jeweiligen Land zu intensivieren, so mit dem Privatsektor, Stiftungen und Forschungseinrichtungen. 

Im Blick auf die Konsequenzen der Neuausrichtung der Arbeit für UNDP selbst heißt es im „Strategischen Plan“: „... die Richtungsentscheidungen, die in diesem Plan skizziert werden, erfordern stetige, auch strukturelle Veränderungen für UNDP, um wirkungsvoll, rasch reagierend und mit einer höheren Kosteneffizienz tätig zu werden.“ Dazu wird es gehören, alle UNDP-Programme aus dem Blickwinkel der nachhaltigen Entwicklung zu durchleuchten. 

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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