Vereinte Nationen & int. Organisationen

Entschlossenes Handeln gefordert

Am Freitag, dem 18. Dezember, muss die Entscheidung über ein neues Klimaabkommen fallen. Staats- und Regierungschefs aus mehr als 100 Ländern sind nach Kopenhagen gereist, um die bisher zähen Verhandlungen zu einem positiven Abschluss zu bringen. Kurz vor diesem wichtigen Konferenzabschluss veröffentlichen wir einige aktuelle Stellungnahmen zur Notwendigkeit eines gemeinsamen weltweiten Engagements für den Klimaschutz.

Klimafachleute melden sich zu Wort

In einem Interview mit Landeszeitung Lüneburg (17.12.2009) wurde der angesehene deutsche Klimaforscher Prof. Stefan Rahmstorf gefragt: „Endet der Gipfel als unverbindliches Palaver, drohen bis 2100 um sieben Grad höhere Durchschnittstemperaturen. Hätte der Mensch noch Platz auf dieser Erde?“ Seine Antwort lautete: „Eine sieben Grad wärmere Welt kann ich mir in den Auswirkungen auf die Menschheit nicht mehr vorstellen. Ich will das auch nicht. Mit Sicherheit ist das keine Welt, in die hineinzuwachsen ich meinen beiden Kindern zumuten möchte.“

Während die Länder auf dem Kopenhagener Gipfel hart um ihre Klimaziele ringen, fordern Forscher, so berichtet die Deutsche Presseagentur, weitere Anstrengungen. Die Industrieländer müssten ihre Treibhausgase bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Die Verfasser der Studie „Copenhagen Diagnosis“, 26 weltweit führende Klimaforscher, betonten am Donnerstag, nur so sei sicherzustellen, dass die Erde sich nicht um mehr als zwei Grad erwärmt. Die EU hat bislang 20 Prozent Reduktion für diesen Zeitraum zugesagt, die USA umgerechnet rund 4 Prozent. Die Marke von zwei Grad Erwärmung könnte 2040 überschritten werden, wenn nicht umgehend Maßnahmen zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes ergriffen werden.

Der Leiter des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, hat die Staatengemeinschaft davor gewarnt, nationale Egoismen vor einen Erfolg des Weltklimagipfels in Kopenhagen zu stellen. Nur wenn die Staaten auf nationale Interessen verzichteten, könnten sie eine wirksame weltweite Umweltpolitik gegen die Klimaerwärmung gestalten, sagte Steiner am Donnerstag im Fernsehsender N24. „Dieser Gipfel steht heute an einem Krisenpunkt, weil wir es nicht schaffen, über die nationalen Interessen hinaus eine globale Klimapolitik zu definieren. Da sind auch die USA gefordert, genauso wie China, aber auch die 190 anderen Länder hier“.

Umwelt- und Klimaschutzorganisationen

Zum aktuellen Stand des UN-Klimagipfels kommentierte Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, so: "Mit zunehmender Zeitnot wird es immer schwieriger, wichtige politische und technische Teilfragen zu schließen. Zwei Tage vor Abschluss der Konferenz kommt es jetzt darauf an, dass konstruktive Kräfte aus Industrie- und Entwicklungsländern Koalitionen bilden und gemeinsam den Weg zu ambitionierten Reduktionszielen, zu den notwendigen langfristigen Finanzzusagen für Klima- sowie Regenwaldschutz und Anpassung sowie zu einem ambitionierten und rechtlich verbindlichen Abkommen zu bahnen. Angela Merkel kann dabei eine zentrale Rolle spielen. Dann aber muss sie über vage Ankündigungen hinaus zeigen, dass sie es ernst meint."

Noch besteht in Kopenhagen die Chance, den Durchbruch für ein ambitioniertes, rechtlich verbindliches Abkommen zu erreichen. "Merkel nimmt eine Sonderrolle ein", weiß Klaus Milke, "sie versteht das Problem, kennt den Prozess, weiß was Deutschland im Fall eines guten Abkommens gewinnen wird, und welche Konsequenzen der Welt ohne umfassendes Klimaregime drohen. Viele hier setzen auf Deutschlands Vermittlerrolle".

Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland), äußerte in Kopenhagen: "Wir brauchen schnell Fortschritte bei der Minderung der Treibhausgase. Entscheidend ist, dass sich die USA bewegen und ihre Klimaschutzangebote deutlich aufstocken. Schließlich ist ein Amerikaner durchschnittlich für zwanzig Tonnen CO2-Emissionen im Jahr verantwortlich. Fünf Mal mehr, als sich ein Chinese im Durchschnitt anrechnen lassen muss. Frau Merkel gilt als gute Moderatorin, in dieser Woche kann sie zeigen, ob sie es schafft, die USA so in die Kopenhagener Verhandlungen einzubinden, dass alle Industrieländer faire Anteile bei der Bewältigung der Klimakrise übernehmen."

"Die Chance, ein internationales Klimaschutzabkommen für die Zeit nach 2012 auf den Weg zu bringen, war nie so groß und wird nie wieder so groß sein wie jetzt", betont  Alois Vedder vom WWF Deutschland. Die Bundesregierung müsse endlich wieder eine Führungsrolle übernehmen. "Zurzeit fällt Deutschland von den vordersten Plätzen beim Klimaschutz zurück", ergänzt Vedder. "Angela Merkel muss sofort nach der Ankunft in Kopenhagen ihren Teil dazu beitragen, dass ambitionierte Zahlen der EU auf den Tisch kommen und so der derzeitige Verhandlungsstillstand überwunden wird!"  

Ein gerechtes Abkommen wird es nach Ansicht des WWF nur mit klaren Finanzzusagen geben. Deutschland müsse dabei seinen fairen Anteil an der internationalen Finanzierung für Klimaschutz und Anpassung in den Entwicklungsländern tragen. Fair seien öffentliche Gelder in Höhe von jährlich sieben bis zehn Milliarden Euro bis 2020.  

Kumi Naidoo, der Geschäftsführer von Greenpeace International, schrieb am 14. Dezember 2009 in einem Beitrag für „die tageszeitung“: „Das große Projekt, das in Kopenhagen geboren werden muss, ist die globale Energie-Revolution. Als ich vor wenigen Jahren erstmals vom Greenpeace-Konzept der Energie-Revolution hörte, dachte ich noch, das mit der ‚Revolution’ sei nur eine sehr treffende Metapher. Inzwischen weiß ich, dass wir es buchstäblich nötig haben, unser Energie- und Wirtschaftssystem schnell und radikal umzubauen. Wenn das nicht revolutionär ist, was dann?

Auf der einen Seite haben wir den Traum von einer gerechten Welt. Auf der anderen Seite plagt uns der Albtraum eines galoppierenden Klimawandels, der noch mehr Elend und Vertreibung gerade für die Ärmsten zu bringen droht. In wenigen Tagen wissen wir, ob Kopenhagen uns unserem Traum oder unserem Albtraum näher gebracht hat. Bis dahin müssen die Politiker noch erheblichen Druck zu spüren bekommen.

Stimmen aus den Kirchen

Der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor, Josef Sayer stellte vor dem Abschluss der Klimakonferenz fest: "Wir erwarten, dass die Regierungen ihrer Verantwortung nachkommen und nun endlich handeln." Pure Absichtserklärungen, die habe es lang genug gegeben, so Sayer. "Die bisherigen Zusagen für Treibhausgas-Reduktionen der Industrienationen betragen lediglich 13-18 Prozent gegenüber 1990. Diese Zahlen liegen weit unter dem benötigten Mindestmaß von 40 Prozent. Dieser Bruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist ein Skandal! Jeder weiß, was notwendig ist, aber niemand will wirklich etwas dafür tun, um die notwendigen Ziele auch zu erreichen. Das ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die schon heute vom Klimawandel betroffen sind."

Die Gefahr, dass sich die Staaten Schlupflöcher vorbehalten, um ambitionierte Ziele zu verwässern, sei groß. "Dabei bedeutet jede Verzögerung mehr Opfer in den Entwicklungsländern. Wenn es so weitergeht wie bisher, kommt es zu einer Erderwärmung von mindestens 3,4 Grad zum Ende dieses Jahrhunderts. Alle in Nord und Süd tragen Verantwortung für die Menschen im Süden und für die Lebenschancen der künftigen Generationen. Aber die Industrienationen müssen voran gehen. Wir können nicht zusehen, wie die Welt zum Teufel geht", so Sayer.

Die Bundesregierung müsse alles in ihrer Macht Stehende tun, damit sich die internationale Staatengemeinschaft beim UN-Gipfel von Kopenhagen auf verbindliche Ziele zum Klimaschutz einige. Das hat die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Katrin Göring-Eckardt gefordert. „Wenn man die bewegenden Berichte aus aller Welt hört, von Menschen, die schon jetzt unmittelbar von den Folgen des Klimawandels betroffen sind und deren Überleben von einem ambitionierten Abkommen der internationalen Staatengemeinschaft abhängt, wird klar: Wir stehen vor einer historischen Weichenstellung. Die Bundeskanzlerin hat die Chance, durch ihren Einsatz für ein faires, ambitioniertes und rechtlich bindendes Abkommen dieser historischen Verantwortung gerecht zu werden. Der Klimagipfel von Kopenhagen muss ein Erfolg werden.“

Die Kirchen seien dabei verlässliche Partner für die Politik im Gegenüber zu kurzfristigen Wirtschaftsinteressen. „Der Klimawandel ist ein ethisches Problem – nicht nur im Blick auf Gerechtigkeit gegenüber den Entwicklungsländern, sondern auch in der Frage nach unserem eigenen Lebensstil.“ Die evangelische Kirche plädiere für eine „Ökonomie des Genug“: „Es gilt zu erkennen, dass ein Lebensstil, bei dem weniger Ressourcen verbraucht werden und weniger CO2-Emissionen anfallen, kein Lebensstil des Verzichts ist, sondern mehr Lebensqualität bedeuten kann.“

Die katholischen Entwicklungs-Organisationen in Österreich fordern die Regierungsvertreter beim Klimagipfel in Kopenhagen am Donnerstag auf, die ins Stocken geratenen Verhandlungen wieder in Gang zu bringen und ein "ambitioniertes und bindendes Abkommen" zu beschließen, das vor allem auch den Ärmsten zu Gute kommt.

"Die Angebote der industrialisierten Staaten für Emissionsreduktionen und zur finanziellen Unterstützung der Entwicklungsländer decken bei Weitem nicht das, was die Gerechtigkeit fordert", betonte Josefa Molitor-Ruckenbauer, Koordinatorin der Kampagne "Klima fair bessern", die von den katholischen Entwicklungs-Organisationen getragen wird. Die reichen Länder hätten die historische Verantwortung für den Klimawandel, der seine Auswirkungen bereits jetzt vor allem in Entwicklungsländern zeigt. Die Regierungsvertreter in Kopenhagen seien nun gefragt, die Stimmung der Öffentlichkeit aufzufangen und ernst zu nehmen. "Besonders in diesen letzten Tagen der Konferenz zeigt sich, dass die Menschen bereit sind, sich für Klimagerechtigkeit einzusetzen. Jetzt müssen sich auch die politischen Vertreter bewegen.“

(Zusammenstellung: Frank Kürschner-Pelkmann)

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