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Ein Tag ist nicht genug

Das Bild zeigt eine stilisierte Frau und einen Schriftzug gegen Gewalt gegen Frauen.

Poster gegen Gewalt © UN

Im Dezember 1999 erklärte die UN-Generalversammlung den 25. November zum Internationalen Tag für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Das Datum geht auf die Ermordung dreier politischer Aktivistinnen – die Schwestern Patria, Minerva und Maria Teresia Mirabal – in der Dominikanischen Republik zurück, die am 25.11.1960 auf Befehl des damaligen Regierungschefs Rafael Trujillo hin brutal ermordet wurden und seitdem in der Dominikanischen Republik als Symbol des Widerstands gegen die Diktatur gesehen werden. Nun soll der Tag dazu dienen, auf das weltweit verbreitete Problem der Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen und Initiativen zur Prävention und zur Aufklärung durchzuführen.

Politische Motive sind allerdings eher selten Auslöser für Gewalt, die sich speziell gegen Frauen und Mädchen richtet. Gewalt gegen Frauen ist, so die UN-Generalversammlung, „eine Ausdrucksform der traditionell ungleichen Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen, die zur Beherrschung und Diskriminierung der Frauen durch die Männer geführt“ haben und zugleich auch „einer der maßgeblichen sozialen Mechanismen…, durch den Frauen gegenüber Männern in eine untergeordnete Stellung gezwungen werden“.

Als weltweit verbreitetes Phänomen existiert Gewalt gegen Frauen in vielen Formen und Varianten. Am häufigsten werden Frauen Opfer von Gewalt durch ihren eigenen Partner, z.B. in Form von Schlägen oder erzwungenem Sex. Die Auswertung verschiedener Studien aus der ganzen Welt ergibt zudem, dass die Hälfte aller Frauen, die Opfer von Totschlag oder Mord werden, von aktuellen oder ehemaligen Ehemännern oder Partnern getötet werden. Gleichzeitig leben etwa 603 Millionen Frauen in Ländern, in denen häusliche Gewalt noch nicht als Straftat angesehen wird.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist nicht auf einzelne Länder oder Kulturen oder gar auf spezielle Gruppen von Frauen innerhalb der Gesellschaft beschränkt. Weltweit erleben bis zu 70 Prozent aller Frauen mindestens einmal in ihrem Leben physische und/oder sexuelle Gewalt. Jede fünfte Frau weltweit wird mindestens einmal in ihrem Leben das Opfer einer (versuchten) Vergewaltigung.  

Besonders schlimm ergeht es Frauen in bewaffneten Konflikten, in denen Vergewaltigungen schon lange als Taktik eingesetzt werden, um das Gefüge einer Gesellschaft auseinanderzureißen. Allein bei dem Völkermord in Ruanda 1994 wurden zwischen 250.000 und 500.000 Frauen vergewaltigt. In der Demokratischen Republik Kongo geht man heute von 1100 Vergewaltigungen im Monat aus. Die psychischen Folgen für die betroffenen Frauen sind verheerend; auch das Risiko dauerhafter Verletzungen oder einer Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten und HIV/Aids ist sehr hoch.

Das Bild zeigt Frauen, die Mützen mit einem englischen Schriftzug gegen Gewalt gegen Frauen tragen.
Eine Demonstration für die Beendigung von Gewalt gegen Frauen. UN-Photo/Christopher Herwig

Gewalt gegen Frauen ist  international verboten, wozu die UN mit der Verabschiedung von Dokumenten wie der Erklärung zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen oder dem Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau beigetragen hat. Der Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen ist damit jedoch noch nicht gewonnen. Im Jahr 2008 rief der UN-Generalsekretär die Kampagne UNiTE to End Violence Against Women ins Leben, um verstärkt Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken und politischen Willen und Ressourcen für die Prävention und Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu mobilisieren.

Wie notwendig das ist, zeigt u.a. die Situation des UN-Treuhandfonds zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. In seiner Botschaft anlässlich des 25. Novembers betonte der UN-Generalsekretär, dass sich die Anfragen an den Fonds in den letzten Jahren mehr als verdoppelt haben, während die finanziellen Beiträge um 60 Prozent zurückgegangen sind.

Da ein Tag zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen nicht ausreicht, folgen auf den 25. November traditionell 16 Tage des Aktivismus gegen geschlechtsspezifische Gewalt, die mit dem Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember enden. Dieses Jahr fordern die UN-Organisation UN Women und UNiTE mit dem Thema „Orange your world in 16 Days“ dazu auf,  die Farbe orange zu tragen, wobei Orange als Farbe der UNiTE-Kampagne die Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen symbolisiert. Dadurch soll Aufmerksamkeit auf Gewalt gegen Frauen und Aktivitäten zur Prävention und Beendigung geschlechtsspezifischer Gewalt gelenkt werden.

Mit einer besonderen Aktion macht derzeit UN Women auch allgemeiner auf die Diskriminierung von Frauen aufmerksam. Wer die Begriffe „Women should“ oder „women shouldn`t“ googelt, bekommt von der  Autocomplete-Funktion Vorschläge wie „women should be silent“ (Frauen sollten schweigen) oder „women shouldn‘t work“ (Frauen sollten nicht arbeiten). Der Ursprung: echte Sucheingaben bei Google vom 9. März 2013. Die Kampagne von UN Women platziert diese diskriminierenden Sprüche deutlich sichtbar, um so darauf hinzuweisen, wie weit die Realität von der vielbeschworenen Gleichberechtigung der Geschlechter entfernt ist. 

 

Lena Jöst

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