Konflikte & Brennpunkte

Ein neuer Staat in Afrika

Freund oder Feind? Die Zukunft des geteilten Sudan liegt in den Händen der beiden Präsidenten Omar al-Bashir (l.) und Salva Kiir (r.). UN Photo/Isaac Billy

Mit der Gründung Südsudans Anfang Juli ist erstmals ein neuer Staat auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechts der Völker entstanden – ein Vorgang von historischer Bedeutung. Doch in Zukunft wird sich das jüngste Mitglied der Staatengemeinschaft großen Herausforderungen stellen müssen – das betonten die vielen Experten aus Wissenschaft, Politik und Militär am 15. Juli im Münchener Völkerkundemuseum. Zu der Sudan-Konferenz hatte der Landesverband Bayern der DGVN geladen.

S.E. Nickson Deng Peter (l.) im Gespräch mit Brigadegeneral a.D. Klaus Coenen (m.) und Dr. Martin Pabst (r.). Foto: DGVN Bayern

Peter Schumann, Dozent an der Universität Konstanz und ehemaliger ziviler Koordinator für den Südsudan der United Nations Mission in Sudan (UNMIS), schilderte den 75 Teilnehmern der Konferenz die blutige, von tausenden Toten und Vertriebenen geprägte Entstehungsgeschichte der Republik Südsudan und die Rolle der UNMIS während der Verhandlungen mit dem Regime in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. S.E. Nickson Deng Peter, stellvertretender Botschafter der Republik Südsudan bei der Europäischen Union in Brüssel, lobte die breite ausländische Unterstützung, welche sein Land vor der Gründung erfahren habe und noch erfahre. Unterstützt von Prof. em. Fouad Ibrahim von der Universität Bayreuth verwies Deng Peter auf das Potential des Landes und seiner Einwohner sowie auf die vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten mit den Nachbarstaaten wie Kenia oder Uganda.

Trotz aller Chancen der neuen Republik, sich als eigenständiger Akteur auf der internationalen Bühne zu präsentieren – die inneren Konflikte des in wirtschaftlicher Hinsicht stark unterentwickelten Staates gefährden den Zusammenhalt der Bevölkerung, die erst noch lernen muss, sich als zusammengehörige Nation zu fühlen.

Maja Bott, Economic Advisor von UNDP in Khartum, unterstreicht die Bedeutung von Landwirtschaft als wirtschaftliches Standbein im Südsudan. Foto: DGVN Bayern

Maja Bott, die für das UN-Entwicklungsprogramm in Khartum arbeitete, stellte die große Abhängigkeit der Wirtschaft vom Erdöl als potenziellen Risikofaktor heraus, die nicht nur in der umstrittenen, ölreichen Grenzregion Abyei für Spannungen sorge, sondern auch zu einem sehr hohen Staatsanteil an der Gesamtwirtschaft führe. Der CDU/CSU-Entwicklungspolitiker Dr. Christian Ruck (MdB) sprach sich in diesem Zusammenhang dafür aus, die Bevölkerung mittels arbeitsintensiver Projekte in der Landwirtschaft zu beschäftigen, um diesen Wirtschaftszweig so zu einem zweiten, unabhängigen Standbein der sudanesischen Wirtschaft zu machen.

Der Südsudan wird auch nach der ihm im Zuge der Unabhängigkeit zuteilwerdenden medialen Aufmerksamkeit auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft angewiesen sein. Die deutsche Entwicklungshilfe ist sich dieser Tatsache bewusst, wie Julia Kronberg, Beauftragte zu Sudan im BMZ, betonte. Sie verwies auf die Notwendigkeit, die ausländische Hilfe besser zu koordinieren und zu strukturieren um den Südsudan langfristig auf eigene – wirtschaftlich und politisch stabile – Füße zu stellen.

Katja Philipps

Ausführlicher Bericht von Dr. Martin Pabst

Das Programm der Sudan-Konferenz finden Sie hier.

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