Journalistenreise

Die Vereinten Nationen in Haiti und Kuba: Inselentwicklungsstaaten vor großen Herausforderungen

Foto eines ins Meer abrutschenden Haus, Erosion in der Nähe von Port Salut an der Südspitze von Haiti. Foto: DGVN

Erosion in der Nähe von Port Salut an der Südspitze von Haiti. Foto: DGVN

Das Jahr 2014 hatten die Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr der kleinen Inselentwicklungsländer“ ausgerufen. Diese Gruppe umfasst insgesamt 51 Staaten, zu denen auch größere Inseln und einige flache Küstenanrainerstaaten gezählt werden. Im Rahmen der Klimaverhandlungen werden sie normalerweise in einem Atemzug mit den LDCs (Least Developed Countries) genannt, zu denen viele tatsächlich gehören. Alle Staaten gelten als besonders verwundbar gegenüber Umwelteinflüssen. Wie keine andere Ländergruppe sind die SIDS (Small Island Developing States) den globalen Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt  - mit schweren Einbußen bei ihren Bemühungen um nachhaltige Entwicklung.

Vor welch großen Herausforderungen Inselentwicklungsstaaten stehen, davon konnten sich sechs Journalistinnen und Journalisten vom 13.11.2014 bis zum 22.11.2014 im Rahmen einer interessanten Studienreise überzeugen.  Geladen hatte die  Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN). Mit Kuba und Haiti führte die Reise in zwei Staaten, die einerseits nicht unmittelbar als ‚klassische‘ kleine Inselentwicklungsländer gelten, jedoch zu ihnen jedoch werden, und die andererseits hervorragende Anschauungsmöglichkeiten für die Vielfalt der Aktivitäten der Vereinten Nationen bieten. Zentral in der Karibik gelegen, werden beide Länder regelmäßig von tropischen Wirbelstürmen heimgesucht. 2008 trafen Kuba gleich drei schwere Hurrikans und führten zu erheblichen Zerstörungen. Das Land befindet sich zudem in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage, nicht zuletzt aufgrund des seit mehr als 50 Jahren bestehenden US-Wirtschaftsembargos. Seit 2010 werden daher tiefgreifende Wirtschaftsreformen durchgeführt. Das Land unternimmt große Anstrengungen im Bereich nachhaltiger Entwicklung und Erhaltung der Biodiversität im Agrarbereich und gilt damit als Vorbild in der Region. Mehr als zwölf UN-Organisationen sind auf der Insel vertreten, u.a. die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, das Entwicklungsprogramm UNDP, die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Umweltprogramm UNEP.

Eine weitere Station der Reise war Haiti. Als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre gehört es zur Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder weltweit. Zur schwachen Wirtschaft kommt eine instabile politische Lage mit zahlreichen Unruhen, weshalb im vergaggenen Jahrzehnt mehr als drei Millionen Menschen von dort ausgewandert sind. Große Teile der Bevölkerung leben in extremer Armut. Das Land wurde 2011 von einem schweren Erdbeben heimgesucht, bei dem mehr als 300.000 Menschen ums Leben kamen und Millionen obdachlos wurden. Die Zerstörungen sind bis heute deutlich sichtbar. Zudem richtete auch in Haiti die Wirbelsturmsaison 2008 große Schäden an, auf die das Land im Gegensatz zu Kuba kaum vorbereitet war. Aber auch mit menschengemachten Katastrophen, wie z.B. einer desaströsen Abholzung mit dementsprechenden Umweltschäden, hat das Land zu kämpfen. Haiti ist eines der Schwerpunktländer der Vereinten Nationen. Über 20 UN-Institutionen sind dort vertreten, insbesondere im Bereich der humanitären Hilfe und landwirtschaftlichen Entwicklung. Darüber hinaus ist eine UN-Mission zur Friedenssicherung stationiert. Es gab also zahlreiche Anknüpfungspunkte für Recherchen, darunter Besuche in UN-Einrichtungen und bei UN-geförderten Projekten sowie die Möglichkeit zum Austausch mit Entwicklungsexperten.

Für eine Reiseteilnahme konnten sich Redakteurinnen und Redakteure der mehr als einhundert regionalen Tageszeitungen in Deutschland bewerben. Ausgewählt wurden Dr. Christian Kucznierz (Mittelbayerische Zeitung) , Bernd Hilder (Thüringische Landeszeitung), Johannes Fischer (Lausitzer Rundschau), Birgitta Stauber (WAZ), Ralf Volke (Hannoversche Allgemeine) und Sven Weidlich (Frankfurter Neue Presse).

Gemeinsam verfügen die auf der Recherchereise vertretenen Medien über eine tägliche Druckauflage von weit mehr als einer Millionen Exemplaren. Hinzuzurechnen ist die Onlineberichterstattung über die häufig frequentierten Regionalportale der sechs Zeitungen. Gefördert wurde die Reise aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). 

Liste von Veröffentlichungen zur Reise:

Frankfurter Neue Presse, 15. Januar 2015, Sie brauchen immer noch Hilfe, Sven Weidlich

Mittelbayerische Zeitung, 11. Januar 2015, In immerwährender Schieflage, Christian Kucznierz

Frankfurter Neue Presse, 6. Januar 2015, Was der Klimawandel auf Kuba anrichtet, Sven Weidlich

Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 5. Januar 2015, Haiti hängt am Tropf der Welt, Birgitta Stauber-Klein

Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 1. Januar 2015, In Havanna zeigt sich vorsichtig der Wandel, Birgitta Stauber-Klein

Lausitzer Rundschau, 20. Dezember 2014, Hinter einem Vorhang aus Rum und Zigarrenqualm, Johannes M. Fischer

Blog, 20. Dezember 2014, Auf der Insel: Das Tagebuch der LAUSITZER RUNDSCHAU, Johannes M. Fischer

Frankfurter Neue Presse, 19. Dezember 2014, Eine Chance für Kuba, Sven Weidlich

Lausitzer Rundschau, 14. Dezember 2014, Eine Dame in Weiß im kubanischen Kerker, Johannes M. Fischer

Frankfurter Neue Presse, 11. Dezember 2014, Hilfe für ein gepeinigtes Land, Sven Weidlich

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 1. Dezember 2014, Wenn das Wasser kommt, Ralf Volke

Blog, 21. November 2014, Leben und Überleben in der Karibik, Christian Kucznierz