UN-Klimakonferenzen Klimaschutz (SDG 13)

Die „kleine“ Klimakonferenz in Bonn vom 8.-18. Mai 2017

Ein großer heller Sall mit Posterstellwänden, viele Menschen sehen sich interessiert um oder unterhalten sich

Weltweite Klimaschutzbemühungen auf dem Prüfstand. Auf der 10-tägigen Konferenz in Bonn wurden vor allem die Zwischenstände in der Logistik und Planung für die große Klimakonferenz "COP23" im Herbst in Bonn herausgearbeitet. Foto: UNFCCC

Indien und China werden ihre Klimaziele bis 2030 übererfüllen. Das besagt eine Untersuchung, die letzte Woche auf der Klimakonferenz in Bonn vorgestellt wurde. Der US-Präsident verzögert seine Stellungnahme zum Klimaschutz weiterhin. Kommt es zu einer deutlichen Gewichtsverlagerung um die politische Willensstärke im weltweiten Kampf gegen den Klimawandel?

Die Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer aus über 140 Ländern blickten zunächst gespannt nach Amerika. Ob der US-Präsident Trump das Pariser Klimaabkommen aufkündigt? Und wenn ja, welche Bereiche genau von Streichungen betroffen sein könnten und welche Auswirkungen dies haben könnte.

Die Gespräche begannen dann zunächst wie üblich auf Arbeitsebene, es wurden vor allem organisatorischen Fragen bearbeitet, Vorsitzende gewählt und die Arbeitsweise des Gremiums vereinbart. Inhaltlich ging es um Fragen zu den technischen Eckpfeilern des Paris-Abkommens. Besonders in das Zentrum der Debatten gerückt wurde dabei die weitere Ausarbeitung des Artikels 13 „Regelwerk für Transparenz“ (transparency framework).  Es soll die weltweite Berichterstattung, Messung, Überprüfung und Bewertung der Klimaschutzaktivitäten verständlicher, verlässlicher und vergleichbarer machen. Damit die Wirkung von Maßnahmen besser gemessen werden können. Dies sei ein sehr wichtiger Punkt, sagt auch Jochen Fasbarth, um Vertrauen unter allen Ländern aufzubauen (siehe UNFCCC-Press Briefing, ab Minute 15:34, Sprecher: Jochen Flasbarth, Staatssektretär BMUB).

Neue Zahlen bringen Schwung in die Konferenz

Eine Woche nach Beginn der Konferenz wurden die Hebel dann regelrecht umgelegt. Das „Climate Action Tracker Update“ (CAT) wurde vorgestellt, und hier wird angedeutet, dass die aktuellen Veränderungen in Bezug auf den Kohleabbau in China und Indien diese zu erwartenden negativen Auswirkungen einer US-Absage abschwächen und sogar komplett kompensieren könnten.

Der sogenannte "Climate Action Tracker" bewertet und dokumentiert die Verpflichtungen und Maßnahmen einzelner Länder zur Minderung von Emissionen. Auf Basis der nationalen Zusagen wird errechnet, inwieweit diese geeignet sind, das Ziel des UN-Klimaabkommens von Paris, nämlich die Begrenzung des Temperaturanstiegs auf deutlich unter 2°C, zu erreichen.

Yvonne Deng spricht in der Mitte, links von ihr Bill Hare und Niklas Höhne rechts
Yvonne Deng, Ecofis, Expertin für Klimastrategie und -politik, präsentierte zusammen mit ihren Kollegen die aktuellen erstaunlichen Vorhersagen aus dem Climate Action Tracker Update. Foto: UNFCCC Press briefing (stream on-demand)

Indien erklärte jüngst, dass ein Großteil ihrer geplanten Kohlekraftwerke nicht mehr benötigt werden und wenn es diese Projekte tatsächlich auf Eis lege und weitere Maßnahmen zur Energiewende umsetzt, könne man davon ausgehen, dass es zu einer deutlichen Verlangsamung des CO2-Austtoßes weltweit kommen wird, so Yvonne Deng (Ecofis) auf der Konferenz. Auch Chinas Kohleverbrauch sei in den letzten drei Jahren gesunken und ein anhaltender, langsamer Rückgang wird erwartet. Damit war vor fünf Jahren überhaupt noch nicht zu rechnen, fügte auch Bill Hare von Climate Analytics hinzu.

Wenn man die beiden positiven Entwicklungen zusammenfasse, käme man auf eine erhöhte Reduktion von Treibhausgasen in einer Größenordnung von bis zu 3 Gigatonnen CO2 bis 2030 – und das gegenüber dem, was letztes Jahr noch geschätzt wurde.  

Die Position der Trump-Administration blieb bis zum Ende der Konferenz offen. Es bleibt unklar, ob sie nur ihre national festgelegten Beiträge (Nationally Determined Contributions, NDC) kürzen oder sich vollständig aus dem Pariser Abkommen zurückziehen wolle.  

Sollte die US-Regierung tatsächlich aus dem Abkommen aussteigen, ginge es um ca. 0,4 Gigatonnen CO2, die am Ende mehr emittiert werden würde, als jetzt von der US-Regierung geplant wurde, so heißt es in der CAT-Pressemittung. Die Entwicklungen in Indien und China könnte diese negativen Auswirkungen also bei Weitem aufwiegen, sagen die Experten vom Climate Action Tracker.

Wie ein Lauffeuer wurde die Nachricht via Twitter und auf der Konferenz von den Delegierten untereinander verbreitet: Die großen Bemühungen und der politische Wille, der augenblicklich aus China und Indien vernommen wird, könnte die Tür zum „1,5-Grad-Ziel“ öffnen.

Jetzt erst recht: Talanoa

Das Climate Action Tracker Update hat sicherlich dazu beigetragen, dass die positive Stimmung auf der Konferenz bis zum Ende der Sitzungen klar überwog.  Fast schon trotzig klingt es, wenn die Botschafterin Fidjis und Chefunterhändlerin der COP23-Präsidentschaft, Nazhat Shemeem Khan, zum Ende  der Konferenz sagt: „Es ist klar geworden, dass weiterhin der Wunsch besteht, die Dynamik des Pariser Abkommens aufrecht zu erhalten und es umzusetzen“.

Nazhat Shemeem Khan gestikuliert kräftig und konzentriert während ihrer Rede
Nazhat Shemeem Khan, die Chefunterhändlerin der COP23-Präsidentschaft, auf dem Plenum der Konferenz in Bonn. Foto: UNFCCC

Die Vorbereitungen für die 23. UN-Klimakonferenz (COP 23) vom 6.-17. November in Bonn sind in vollem Gange. Sie findet ebenfalls in Bonn statt, weil die Fidschi-Inseln im Südpazifik, die 2017 die Präsidentschaft der Weltklimakonferenz übernehmen, eine solche internationale Großkonferenz nicht ausrichten können.

COP 23 Logo mit Palmen und Wasser
Hoffentlich weiterhin mit viel Talanoa,
so blickt man auf die COP 23

„In der Zusammenarbeit mit unseren Partnern wollen wir diesen gemeinsamen Enthusiasmus nutzen, um auf der 23. Klimakonferenz und darüber hinaus ehrgeizige Ziele anzustreben. Die Tatsache, dass der Gedanke des „Talanoa“, des Geschichtenerzählens und Dialogs, schon jetzt immer mehr die Verhandlungen und Beratungen durchdringt, ist für uns besonders ermutigend. Wir sind der festen Überzeugung, dass dieser integrative, respektvolle und beteiligende Ansatz zu einem Entscheidungsprozess führt, der den globalen Klimaschutz voranbringt."

Mit diesen Worten blickte Nazhat Shemeem Khan auf die anstehenden schweren Verhandlungen im November und überzeugte auf der Konferenz nicht nur mit ihren wunderbaren Outfits, sondern auch mit ihrem beeindruckenden kulturellen Background.

"Talanoa" ist ein Begriff der pazifischen Inseln, der sich auf das Erzählen von Geschichten, die Weitergabe von Ideen und das Gespräch zwischen Menschen bezieht und das Erreichen von Konsens zum Ziel hat.

Wird Shameem mit diesem kulturellen Schatz den weltweiten Klimaschutz einen Schritt voranbringen? Wir blicken gespannt auf die große Konferenz im November, denn bis dahin wird die Position der US-Regierung mit in die Berechnungen einfließen können und spätestens 2018 kann dann das finale „Paris Rulebook“ vorgestellt und endlich umgesetzt werden werden.

(Birgit Linde)

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