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Die humanitäre Hilfe vor großen Herausforderungen

Zeitschrift VEREINTE NATIONEN 2/11

Das schwere Erdbeben, der Tsunami und der Reaktorunfall – diese dreifache Katastrophe, die Mitte März 2011 Japan heimgesucht hat, rief einen komplexen humanitären Notstand hervor. Mindestens 11 000 Personen kamen dabei ums Leben, Tausende von Menschen gelten als vermisst und rund 250 000 Menschen wurden obdachlos. 20 Millionen Menschen waren im August 2010 von der Flutkatastrophe in Pakistan betroffen, und das Erdbeben Anfang 2010 in Haiti ließen den Karibikstaat ins Chaos versinken.

Der Trend ist eindeutig: Angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung, der zunehmenden Umweltzerstörung und einer hohen Verwundbarkeit durch chronische Armut, wird es in Zukunft eher mehr als weniger komplexe Notstände geben. Von rund 150 Katastrophen pro Jahr in den achtziger Jahren stieg die Zahl in den letzten zehn Jahren auf durchschnittlich 430 Katastrophen pro Jahr. Sind die internationalen Hilfsorganisationen und die Vereinten Nationen gerüstet, diesen wachsenden Herausforderungen zu begegnen?

Heft 2/2011 der Zeitschrift VEREINTE NATIONEN beschäftigt sich mit den Problemen und Chancen internationaler humanitäre Hilfe.

Dieter Reinhardt hat die bestehenden Strukturen der humanitären Hilfe in den Vereinten Nationen untersucht. Er kommt zu dem Schluss, dass die finanziellen und personellen Ressourcen nicht ausreichen und die Hilfe oft nicht am Bedarf orientiert ist. Stark beeinflusst wird das Ausmaß der Hilfe vom geostrategischen Stellenwert einer Krise, ihrer medialen Präsenz und den Schwankungen auf dem privaten Spendenmarkt.

Um die humanitäre Hilfe in den UN auf ein festeres Fundament zu stellen, schlägt der Autor vor, sie über Pflichtbeiträge der UN-Mitgliedstaaten zu finanzieren, ebenso wie die UN-Friedensmissionen. Valerie Amos, die amtierende Nothilfekoordinatorin, wünscht sich im Interview mit dieser Zeitschrift zwar auch eine verlässlichere Finanzierung, weiß aber, dass angesichts eines stagnierenden allgemeinen Budgets dafür Gelder in anderen Bereichen gekürzt werden müssten.

Ein weiteres Problem der humanitären Hilfe ist, dass immer mehr Helfer während ihres Einsatzes getötet, verwundet oder entführt werden. Eine neue Studie, vom Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) in Auftrag gegeben, gibt Handlungsanweisungen, wie die UN in bewaffneten Konflikten weiterhin Hilfe leisten können. Hansjörg Strohmeyer, Mitautor der Studie, erklärt im Interview, dass viel Reden durchaus viel hilft, mithin das beste Mittel sei, sich Zugang zu den Notleidenden zu verschaffen.

Nicht zuletzt wurde den Vereinten Nationen die Aufgabe übertragen, die internationale Nothilfe zu koordinieren. Ob der in den Vereinten Nationen praktizierte Cluster-Ansatz dafür richtig ist, hat nun eine unabhängige Expertengruppe untersucht. Claudia Meier, Mitglied des Evaluierungsteams, kommt zu dem Ergebnis, dass die Praxis, für jeden Sektor Leitorganisationen zu bestimmen, sich im Großen und Ganzen bewährt hat, aber in einigen Bereichen noch verbessert werden müsste.

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