Vereinte Nationen & int. Organisationen

DiCaprio: „Jetzt ist die Zeit zu handeln“

Leonardo DiCaprio redet mit ernster Mine

Der Schauspieler Leonardo DiCaprio forderte beim UN-Klimagipfel von den Regierungen ein entschlossenes Handeln für den Klimaschutz. Foto: UN Photo/Cia Pak

„Völker der Erde: Heute sind wir nicht zusammengekommen um zu reden, sondern um Geschichte zu schreiben." Dies erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zur Eröffnung des UN-Klimagipfels in New York am 23. September 2014.

Auf seine Einladung hin nahmen mehr als 120 Staats- und Regierungschefs an dem hochrangigsten internationalen Treffen zum Klimawandel seit der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 teil. Ziel des eintägigen Treffens war es, den Bemühungen für ein internationales Klimaabkommen mehr Auftrieb zu geben.

Der UN-Generalsekretär nannte in seiner Eröffnungsansprache den Klimawandel die größte Gefahr in der Geschichte der Menschheit: „Die menschlichen, ökonomischen und ökologischen Kosten des Klimawandels werden bald untragbar sein.“ Er fügte hinzu: „Der Klimawandel bedroht den so hart errungenen Frieden, unseren Wohlstand und die Chancen für Milliarden Menschen. Er ist die prägende Aufgabe unserer Zeit. Unsere Antwort wird die Zukunft entscheiden.“ 

„Handeln Sie mit Mut und Aufrichtigkeit"

Auch der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC,  Rajendra Pachauri, forderte ein entschiedenes Handeln für den Klimaschutz: „Unsere Zeit zum Handeln läuft ab.“ Der Hinweis auf Finanzierungsengpässe sei keine überzeugende Ausrede: „Uns wird gesagt, dass der Kampf gegen den Klimawandel zu teuer sein wird. Das stimmt nicht. Warten Sie ab, bis Sie die Rechnung für ein Nichtstun sehen." 

„Sie können Geschichte schreiben, oder von der Geschichte verteufelt werden", mahnte Leonardo DiCaprio, bekannter Schauspieler und neuer UN-Friedensbotschafter. Er verband seine Aufforderung zum Handeln mit konkreten Forderungen nach einem Preis für CO2-Emissionen und der Streichung der Subventionen für Öl und Kohle. DiCaprio erklärte, seine Arbeit als Schauspieler bestehe darin, anderen Leuten etwas vorzumachen. „Ich schauspielere für meinen Lebensunterhalt, Sie nicht. Jetzt sind Sie dran. Jetzt ist die Zeit zu handeln. Wir bitten Sie, handeln Sie mit Mut und Aufrichtigkeit."

USA und China wollen mehr für den Klimaschutz tun – aber ausreichend viel?

„Kein Land hat in den letzten Jahren seine Kohlenstoffverschmutzung so sehr reduziert wie die Vereinigten Staaten“, verkündete US-Präsident Barack Obama beim Klimagipfel. Das ist eine Behauptung, die keineswegs von allen geteilt wird, zumal danach die Ankündigung folgte: „Die USA werden ihr Ziel erreichen, 17 Prozent weniger Treibhausgase als 2005 auszustoßen.“ Dass Obama 2005 und nicht wie international üblich 1990 zum Ausgangspunkt der Berechnungen machte, hat den Effekt, die sehr bescheidenen US-Klimaziele „hochzurechnen“, denn 2005 waren die Emissionen weit höher als 1990, und so muss nur wenig getan werden, um das Klimaziel von 17 Prozent zu erreichen. 

Obama gestikuliert und spricht
US-Präsident Barack Obama forderte die Regierungen der Welt zu einem stärkeren Klimaengagement auf. Seine Ankündigungen für das US-Engagement waren allerdings bescheiden. Foto: UN Photo/Cia Pak

Die Ankündigung eigener Klimaschutzinitiativen verband Präsident Obama mit einer Aufforderung an andere Länder: „Wir werden unseren Teil beitragen, aber das geht nur gemeinsam.“ Die USA beanspruchen in der Klimapolitik zusammen mit China eine Führungsrolle: „Wir, die USA und China, haben eine spezielle Verantwortung, zu führen. Das ist es, was große Staaten tun müssen."

China ist inzwischen vor den USA das Land mit den höchsten klimaschädlichen Emissionen. Der chinesische Vizepremier Zhang Gaoli nutzte die jedem Regierungsvertreter zustehenden vier Minuten Redezeit beim Gipfeltreffen, um hervorzuheben, dass China schon viel geleistet habe und sich verpflichte, noch mehr zu tun. Die chinesischen Klimaschutzziele für das für 2015 geplante internationale Klimaabkommen werde man „so schnell wie möglich“ vorlegen. 

EU kündigt mittelfristig höhere Klimaziele an 

Für die Europäische Union machte Kommissionspräsident José Manuel Barroso in New York die Zusage, den Treibhausgasausstoß bis 2030 auf 40 Prozent unter den Stand von 1990 zu senken. Bisher hatte die EU nur ihr Klimaziel bis 2020 formuliert, 20 Prozent Reduktion, weil sich die Mitgliedsstaaten auf kein ambitionierteres Ziel einigen konnten. Außerdem will die EU in den nächsten sieben Jahren insgesamt drei Milliarden Euro an Entwicklungsländer zahlen, damit diese ihre Industrie nachhaltiger gestalten können. Barroso verband seine Ankündigungen mit dem Lob für die bisherigen Klimaschutzanstrengungen in der EU. Seit 1990 sind die klimaschädlichen Emissionen um 19 Prozent gesenkt worden, während gleichzeitig die Wirtschaft um 45 Prozent wuchs: „Wachstum und Klimaschutz gehen Hand in Hand.“ 

Dass Bundeskanzlerin Merkel nicht zum Gipfeltreffen reiste, sondern sich von Umweltministerin Barbara Hendricks und Entwicklungsminister Gerd Müller vertreten ließ, hatte schon vorab für Kritik von politischer Opposition und Umweltverbänden in Deutschland ausgelöst. Vor Ort war eine Folge, dass die deutsche Umweltministerin erst spätabends nach allen Regierungschefs und Staatspräsidenten ihre Ansprache halten konnte. 

Sie bekräftigte das Ziel, die deutschen Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent zu vermindern und in nächster Zeit bis zu 750 Millionen in den Grünen Klimafonds einzuzahlen. Deutschland strebt ein Klimaabkommen an, „das alle Staaten an feste Reduktionsverpflichtungen bindet“. Ministerin Hendricks warb dafür, die globale Energieversorgung zu dekarbonisieren und kündigte an, in der klima- und entwicklungspolitischen Zusammenarbeit keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu finanzieren. 

Der Süden der Welt

Viele Staats- und Regierungschefs aus Entwicklungsländern erinnerten in New York daran, dass sie kaum zu den Ursachen des Klimawandels beigetragen haben, aber als Erste die Folgen globaler Klimaveränderungen zu spüren bekommen. Um mit steigendem Meeresspiegel und mehr Extremwetterereignissen fertig zu werden, benötigen sie dringend umfangreiche finanzielle und technische Unterstützung. 

Große Betroffenheit löste die Ansprache von Kathy Jetnil-Kijiner von den Marshallinseln als Vertreterin der Zivilgesellschaft aus, die einen eindringlichen Appell zum Handeln und ein zorniges Gedicht vortrug.

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