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DGVN trauert um Richard von Weizsäcker

Richard von Weizsäcker und Boutros Boutros-Ghali im Gespräch als Letzterer vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog (im Hintergrund zu sehen) im Januar 1995 Berlin empfangen wurde.

Richard von Weizsäcker und Boutros Boutros-Ghali als Letzterer vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog im Januar 1995 in Berlin empfangen wurde. ©Bundesregierung/Bernd Kühler

Der ehemalige Bundespräsident und Weltbürger unterstützte die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen 15 Jahre lang als Präsidiumsmitglied.

Im Alter von 94 Jahren verstarb am 31. Januar 2015 Richard von Weizsäcker. Der studierte Jurist war von 1981 bis 1984 Regierender Bürgermeister von Berlin und von 1984 bis 1994 der sechste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Als Bundespräsident erlangte er im In- und Ausland hohes Ansehen. Besonders prägend war seine Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes vom 8. Mai 1985. Darin bezeichnete Weizsäcker den 8. Mai 1945 als ›Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft‹. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt war Weizsäcker Ko-Vorsitzender der Ende 1993 auf Vorschlag von UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali von der ›Ford Foundation‹ einberufenen ›Unabhängigen Arbeitsgruppe über die Zukunft der Vereinten Nationen‹. Die Arbeitsgruppe legte im Juni 1995 ihren Bericht mit Reformvorschlägen vor. Für die Zeitschrift VEREINTE NATIONEN fasste er seine Erfahrungen aus der Reformkommission zusammen. Außerdem hat von Weizsäcker 2001 am Bericht für die Vereinten Nationen „Crossing the Divide, Dialogue among Civilisation“/ „Brücke in die Zukunft. Ein Manifest für den Dialog der Kulturen“, als einer der von Generalsekretär Kofi Annan eingeladenen Autoren mitgearbeitet. Die Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen wählte ihn wiederholt in ihr Präsidium, dem er von 1996 bis 2011 angehörte.

Die DGVN verliert mit Richard von Weizsäcker nicht nur einen langjährigen Wegbegleiter, die Bundesrepublik Deutschland verliert mit ihm einen ihrer großen Politiker, der wichtige Orientierungen zu Grundfragen der internationalen Politik vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte beigetragen hat.

Richard von Weizsäcker (1986): Die Bedeutung der Friedensfunktion der Vereinten Nationen. In: VEREINTE NATIONEN. Ausgabe 4/86. Seite 121-122.

Richard von Weizsäcker (1995): Alles steht und fällt mit dem politischen Willen der Mitglieder. In: VEREINTE NATIONEN. Ausgabe 5-6/95. Seite 179-183.