Internationales Jahr der Wasserkooperation

„Der Wassertank hat unser Leben verändert“

Ein 3.000-Kubikmeter-Wassertank dient inzwischen der Versorgung von mehr als 50.000 Bewohnern von Rafah im besetzten palästinensischen Gebiet Gaza. Foto: UNDP PAPP

Wasser ist knapp in den besetzten palästinensischen Gebieten, und das verfügbare Trinkwasser reicht nur für eine notdürftige Bedarfsdeckung der Bevölkerung. Mehr als 13 Prozent der Bevölkerung haben keinen Zugang zu Leitungswasser, und viele der bestehenden Anlagen sind in einem reparaturbedürftigen Zustand. Die Wasserqualität ist sehr schlecht. Nur sieben Prozent des Leitungswassers für den privaten Verbrauch entspricht den Standards der Weltgesundheitsorganisation.

Dank einer Initiative des UN-Umweltprogramms UNDP ist die Beschaffung von Wasser nicht länger mehr eine tägliche Belastung für Menschen wie Salem Mdalal und seiner Familie in Rafah im Gazastreifen. Mdalal steht an der Spitze einer zwölfköpfigen Familie und lebt mit seinem Bruder in dem gleichen Gebäude, das insgesamt 30 Menschen beherbergt. Zusammen verbrauchen die Bewohner des Hauses 5.000 Liter Wasser am Tag. Bis vor Kurzem konnte die Stadt Rafah nur zwei Mal in der Woche für etwa drei bis vier Stunden Leitungswasser liefern. Zudem war der Wasserdruck niedrig. Mdalal musste häufig Trinkwasser von Händlern kaufen, die mir ihren Tanklastwagen durch die Straßen fuhren. 1.000 Liter Wasser kosteten 20 NIS (umgerechnet 5,25 US-Dollar).

Nur zwei Mal am Tag wurde die Toilette gespült

„Wir befanden uns in einer Wasserkrise”, sagt Mdalal. „Ich musste Zuhause extreme Maßnahmen ergreifen. Wir spülten die Toilette nur noch zwei Mal am Tag, um Wasser zu sparen. Stellen Sie sich vor, was es bedeutet, wenn 12 Familienmitglieder nur zwei Mal am Tag die Toilette spülen!“

„Ich hatte auch einen Plan aufgestellt, wer wann duschen durfte, und ich habe meine Kinder aufgefordert, aus der Dusche zu kommen, wenn sie zu lange duschten“, fügt er hinzu. „Diese Maßnahmen verursachten Spannungen in der Familie, aber wir konnten es nicht ändern.“

Die Situation der Familie hat sich entspannt, nachdem UNDP einen 3.000-Kubikmeter-Tank gebaut und Pumpen zur Erhöhung des Wasserdrucks für die Versorgung der Bewohner von Rafah installiert hat. Dies erfolgte im Rahmen eines Eine-Million-Dollar-Projektes, das von der japanischen Regierung finanziert wurde.

So wie die Menschen in Mdalals Haushalt hat die Hälfte der rund 100.000 Menschen in der Stadt eine enorme Verbesserung bei der häuslichen Trinkwasserversorgung erlebt, nachdem acht Jahre lang eine ständige Wasserknappheit bestand.

Auch die Elektrizitätsversorgung im Gazastreifen ist unzureichend, der Strom fließt nur acht bis zehn Stunden am Tag. Wegen der unkoordinierten Versorgung mit Wasser und Elektrizität mussten Mdalal und seine Brüder im Wechsel jede Nacht Wache halten und die Pumpen anstellen, sobald Elektrizität und Wasser zur gleichen Zeit verfügbar waren. Das hat sich nun geändert.

Wasserprojekte, die das alltägliche Leben erleichtern

„Wir haben an dem Tag gefeiert, als der Wassertank von Rafah in Betrieb ging.“ Mdalal lächelt: „Gestern war der Wasserdruck so hoch, dass das Leitungswasser ohne den Einsatz unserer eigenen Pumpe das oberste Geschoss unseres Hauses erreichte. Das war ein Rekord.“

„Der Rafah-Tank hat unser Leben verändert”, fährt er fort. „Ich muss nicht länger Abstriche bei der Hygiene in Kauf nehmen, in einem spannungsgeladenen Haushalt leben, mit meinen Brüdern aushandeln, wer mit der Wasserschicht dran ist, und mir Sorgen über die exorbitant hohen Kosten des gekauften Wassers machen.“

UNDP hat mittlerweile mehr als 200 Wasser- und Sanitätsversorgungsprojekte auf der Westbank und im Gazastreifen fertiggestellt. Das Spektrum dieser Projekte reicht von der Stärkung der Leistungsfähigkeit der Wasser- und Sanitärbehörden über den Bau von Wasserleitungsnetzen und Speicherreservoirs bis zu Hausanschlüssen.

Wenn jederzeit Wasser aus dem Hahn kommt

Der Wassertank in Rafah ist Teil eines UNDP-Wasserversorgungs- und Sanitätsversorgungsprogramms in den nördlichen Verwaltungsbezirken des Gazastreifens, für dessen Kosten die japanische Regierung 5,4 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt hat.

„Ich hätte mir gewünscht, dass das Projekt vor acht Jahren verwirklicht worden wäre“, damals, als die Wasserknappheit im Gazastreifen akut wurde, sagt Mdalal. „Es hätte eine Menge Leid vermieden. Nun sparen wir alle Geld und haben Zugang zu dem Wasser, das wir benötigen, um ein normales Leben zu führen. Wir können den Wasserhahn jederzeit aufdrehen und das Wasser fließt. Das mag für Sie banal klingen, aber für uns ist es ein großes Wunder.“

Dania Darwish ist Kommunikationsexpertin beim UNDP-Programm zur Unterstützung des palästinensischen Volkes.

Der Beitrag von Dania Darwish wurde bei einem Geschichtenwettbewerb des UN-Entwicklungsprogramms UNDP in die engere Wahl für die Preisvergabe aufgenommen. Zusammen mit anderen ausgewählten Beiträgen des Wettbewerbs wurde er (auf Englisch) in die Zeitung „Development Advocate“ aufgenommen. Die Zeitung kann in einer pdf-Version heruntergeladen werden.

Übersetzung aus dem Englischen: Frank Kürschner-Pelkmann

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