Bevölkerung

Das Recht auf Entscheidung: Familienplanung, Menschenrechte und Entwicklung

Foto: UNFPA

Mehr als 220 Millionen Frauen in Entwicklungsländern haben keinen Zugang zu modernen Verhütungsmethoden. Das geht aus dem Weltbevölkerungsbericht 2012 "Das Recht auf Entscheidung – Familienplanung, Menschenrechte und Entwicklung" hervor, der heute vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) veröffentlicht wurde. Der Bericht betont das Recht auf Familienplanung und stellt Kosten und Nutzen gegenüber – für die Familien, die Gesellschaften und die menschliche und wirtschaftliche Entwicklung. Außerdem enthält er die aktuellsten demographischen und sozioökonomischen Daten der Vereinten Nationen für die Länder und Regionen der Erde.


Fotostrecke zum Weltbevölkerungsbericht 2012


Der auf Rechten basierende Ansatz sexueller und reproduktiver Gesundheit und Familienplanung habe zu großen Fortschritten geführt, so UNFPA. 645 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter haben heute Zugang zu modernen Verhütungsmitteln. Der Paradigmenwechsel weg vom alten, demographisch ausgerichteten Ansatz der Familienplanung geht auf die Weltbevölkerungskonferenz von 1994 zurück. Seitdem stehen die Menschenrechte sowie die Bedürfnisse, Bestrebungen und Lebensumstände der Frauen im Vordergrund. Studien belegen, dass Frauen, die Familienplanung nutzen können, im Durchschnitt gesünder und besser gebildet sind, über mehr Einfluss und Entscheidungsmacht in Haushalten und Gemeinden verfügen und wirtschaftlich produktiver sind.

Obwohl seit 1994 viel erreicht worden sei, gebe es immer noch einen großen ungedeckten Familienplanungsbedarf, betont UNFPA. 222 Millionen Frauen hätten keinen Zugang zu Verhütungsmitteln, Informationen und Dienstleistungen im Bereich reproduktive Gesundheit. Oft seien es auch gesellschaftliche oder wirtschaftliche Faktoren, die sie davon abhalten, verfügbare Angebote zu nutzen.

Grafik: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung

Hohe Kosten – noch höherer Nutzen

Um allen Frauen, die verhüten möchten, die Möglichkeit dazu zu geben, würde dies, so schätzt UNFPA, rund 8,1 Milliarden US-Dollar pro Jahr kosten – für Verhütungsmittel, Personal und Gesundheitssysteme. Das seien 4,1 Milliarden US-Dollar mehr, als heute investiert würden. Mit den zusätzlichen 4,1 Milliarden US-Dollar können ungewollte Schwangerschaften und unsichere Abtreibungen vermieden werden. So ließen sich ca. 5,7 Milliarden US-Dollar allein bei der Versorgung von Müttern und Neugeborenen einsparen.

Ignoriert man das Recht auf Familienplanung, bleiben Frauen arm, werden gesellschaftlich benachteiligt, leiden an vermeidbaren Krankheiten, können ihr Recht auf Bildung nicht wahrnehmen und weniger zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen. Diese Kosten sind kaum quantifizierbar, ebenso wenig wie der enorme Nutzen, wenn man Familienplanung universell zugänglich macht. Beides umfasst auch die Auswirkungen auf Familien, Gesellschaften und ganze Nationen.

Für viele Entwicklungsziele ist die Familienplanung von zentraler Bedeutung: für die Gesundheit von Müttern und Kindern, die Gleichstellung der Geschlechter, den Zugang zu Bildung, die Verringerung der Armut. Familienplanung müsse deshalb umfassend in alle aktuellen und zukünftigen Entwicklungsinitiativen integriert werden, schreibt UNFPA-Exekutivdirektor Babatunde Osotimehin in seinem Vorwort zum Bericht. Auch in die globale nachhaltige Entwicklungsagenda, die nach 2015 auf den Millenniums-Entwicklungszielen aufbauen wird.

Handlungsempfehlungen

Der Weltbevölkerungsbericht 2012 ruft Entwicklungs- und Industrieländer, internationale Organisationen und die Zivilgesellschaft zum Handeln auf:

• Die finanzielle Unterstützung und das politische Engagement müssen erheblich erhöht werden, um sicherzustellen, dass alle Menschen jederzeit Zugang zu menschenrechtsbasierter Familienplanung haben und dass Dienstleistungen, Hilfsgüter und Informationen der Familienplanung qualitativ hochwertig sind.

• Familienplanung muss als Recht gefördert werden, das es den Menschen ermöglicht, andere grundlegende Rechte wahrzunehmen.

• Freiwillige Familienplanung muss in Maßnahmen zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung integriert werden, da sie positive Effekte darauf hat.

• Wirtschaftliche, soziale, logistische und finanzielle Hindernisse zu freiwilliger Familienplanung müssen abgebaut werden, so dass jeder Mensch Zugang dazu hat.

• Familienplanungsprogramme müssen für alle Nutzer verfügbar gemacht werden – einschließlich Jugendlicher, unverheirateter Menschen und aller, die einen Bedarf haben.

• Die Anzahl der ungewollten Schwangerschaften und der Abtreibungen müssen reduziert werden, indem die Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Qualität von Hilfsgütern und Dienstleistungen der Familienplanung erhöht werden.

• Notfallverhütung muss in bestehende Familienplanungsprogramme aufgenommen werden.

• Jungen und Männer müssen bei der Familienplanung beteiligt werden – zu ihrem eigenen Vorteil und um das Recht von Mädchen und Frauen zu unterstützen, Verhütungsmittel zu nutzen.

Das könnte Sie auch interessieren

  • Das Recht auf Entscheidung: Familienplanung, Menschenrechte und Entwicklung

    Mehr als 220 Millionen Frauen in Entwicklungsländern haben keinen Zugang zu modernen Verhütungsmethoden. Das geht aus dem Weltbevölkerungs- bericht 2012 "Das Recht auf Entscheidung – Familienplanung, Menschenrechte und Entwicklung" hervor, der heute vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) veröffentlicht wurde. Der Bericht betont das Recht auf Familienplanung und stellt… mehr

  • Das Recht auf Entscheidung: Familienplanung, Menschenrechte und Entwicklung

    Mehr als 220 Millionen Frauen in Entwicklungsländern haben keinen Zugang zu modernen Verhütungsmethoden. Das geht aus dem Weltbevölkerungs- bericht 2012 "Das Recht auf Entscheidung – Familienplanung, Menschenrechte und Entwicklung" hervor, der heute vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) veröffentlicht wurde. Der Bericht betont das Recht auf Familienplanung und stellt… mehr

  • Cover Weltbevölkerungsbericht 2015 - Frau mit Kleinkind - Flüchtlinge vor Stacheldraht

    Weltbevölkerungsbericht 2015: Schutz für Frauen und Mädchen in Not

    Naturkatastrophen, Krisen und Konflikte führen dazu, dass immer mehr Menschen auf der Flucht sind und humanitäre Hilfe benötigen. Doch die Hilfsleistungen halten mit der zunehmenden Not nicht Schritt – weder quantitativ noch qualitativ. Große Defizite bestehen beim Schutz der reproduktiven Gesundheit von Frauen und Mädchen. Das zeigt der neue Weltbevölkerungsbericht 2015 des Bevölkerungsprogramms… mehr