Gesundheit/AIDS

AIDS besiegen – bis 2030?

Demonstration während der Welt-Aids-Konferenz 2016 (Quelle: UN AIDS 2016)

Demonstration während der Welt-Aids-Konferenz 2016 (Quelle: UN AIDS 2016)

„Ich habe Angst, dass wir es nicht schaffen“. Mit diesen ernüchternden Worten eröffnete UNAIDS-Direktor Michel Sidibé die 21. Welt-Aids-Konferenz. Bis 2030 – so die Vision – soll Aids besiegt sein. Ein ambitioniertes Ziel. Das wissen auch die rund 18 000 Teilnehmer, die aus allen Teilen der Welt in die südafrikanische Küstenstadt Durban reisten. Mit sich brachten sie ihren Kampfesgeist. Den werden sie brauchen.

Die Zahlen sind erschütternd. Jedes Jahr sterben rund 1,1 Millionen Menschen an den Folgen der Immunschwächekrankheit Aids. Viele Todesfälle wären vermeidbar. Mit antiviralen Medikamenten können Betroffene auf eine fast normale Lebenserwartung hoffen. Doch in den ärmsten Ländern der Welt fehlt häufig der Zugang zu diesen Arzneimitteln. Auch die Zahlen der Neuinfektionen mit dem HI-Virus stimmen wenig optimistisch: in 74 Ländern stieg die Rate der Erstansteckungen.

Bis 2030 soll all das Geschichte sein. Bis dahin, so gibt es das Nachhaltige Entwicklungsziel Nummer 3 ("Gesundes Leben für alle jeden Alters") vor, soll Aids besiegt sein. Dieses Ziel scheint zum jetzigen Zeitpunkt in weiter Ferne.

In Zeiten von Terrorismus und Migration haben sich die Prioritäten der Weltpolitik verschoben. Die finanzielle Unterstützung von Mitgliedsstaaten für den Kampf gegen Aids geht zurück. "Ich bin besorgt. Zum ersten Mal erlebe ich einen Rückgang der Zahlungen von Geberländern", so der UNAIDS-Direktor Michel Sidibé. "Das Risiko besteht, dass es zu einem Wiedererstarken der Epidemie kommt und unsere bisherigen Bemühungen im Sand verlaufen."

Gerade in Afrika ist das Thema von großer Bedeutung. Im Gastgeberland der Konferenz, Südafrika, ist eine von fünf Personen HIV positiv. Der Blick muss aber gar nicht unseren Kontinent verlassen. Auch Osteuropa bekommt die HIV-Epidemie nur schwierig unter Kontrolle. In Bulgarien hat sich beispielsweise die Zahl der Neuinfektionen seit 2005 verdoppelt. Petar Mladenov kommt aus Bulgarien und engagiert sich seit Jahren im Kampf gegen Aids. Bei der Welt-Aids-Konferenz im südafrikanischen Durban war er dabei.

Welt-Aids-Konferenz 

1985 wurde die erste Welt-Aids-Konferenz ausgerichtet. Rund 2000 Teilnehmer kamen nach Atlanta, zu einem Zeitpunkt als die Epidemie ihren Höhepunkt erreichte. Zunächst jährlich, seit 1994 alle zwei Jahre, findet die Konferenz an wechselnden Orten in der Welt statt. Es ist eine Austauschplattform für Wissenschaftler, Menschenrechtsaktivisten und Politiker. Im Jahr 2000 fand die Konferenz bereits einmal in der südafrikanischen Küstenstadt Durban statt.

 

Einblicke in AIDS 2016": Gespräch mit Petar Mladenov

Petar Mladenov nahm vom 18. bis 22. Juli an der „AIDS 2016“ Konferenz in Durban teil. Er ist im bulgarischen Jugendministerium für Internationale Jugendpolitik zuständig.

Warum bist du bei der Weltkonferenz dabei?

Bei der Konferenz repräsentiere ich das Internationale Jugendnetzwerk Y-PEER. Das Netzwerk wurde im Jahr 2000 in Osteuropa und Zentralasien gegründet, zu einer Zeit als die Zahl der HIV-Neuinfektionen explodierte. Drogenabhängige teilten Nadeln, weniger als die Hälfte der jungen Menschen benutzte Kondome beim Sex. Y-PEER wählte einen neuen Ansatz, um den Problemen entgegen zu treten: junge Menschen sollten von und mit Gleichaltrigen über Aids-Prävention lernen - auf Augenhöhe. Seit mehreren Jahren beschäftigt mich das Thema.

Welche Rolle hattest du während der Konferenz?

Bei "AIDS 2016" habe ich das Jugendforum mitgeleitet und war für das Formulieren der Jugendforderungen der Konferenz mitverantwortlich. Außerdem habe ich vor dem Plenum gesprochen zum Thema "Junge Bevölkerungsgruppen - Wie sie befähigt werden, ihre sexuelle und reproduktiven Rechte einzufordern".

Was sind die bestehenden Herausforderungen?

Die Weltkonferenz "AIDS 2016" ist eine mahndende Erinnerung an "AIDS 2000", als die Konferenz zum ersten Mal in Durban stattfand. In den vergangenen 16 Jahren ist viel passiert – allerdings bleiben viele Herausforderungen bestehen. Im Bereich der antiviralen Medikamente gab es große Fortschritte, allerdings muss im Bereich der Prävention noch viel passieren. Gerade bei besonders gefährderten Gruppen. Dazu zählen: Männer, die Sex mit Männern haben, Transgender Personen, Sexarbeiter, Migranten und Häftlinge. Wenn wir es nicht schaffen diese Gruppen zu  erreichen, werden wir nicht erfolgreich sein. Aids bleibt eine riesen Herausforderung – nicht nur in Afrika.

Petar Mladenov bei der Welt-Aids-Konferenz "AIDS 2016" Konferenz (Quelle: Petar Mladenov)

Welche Rolle spielen junge Menschen?

Wir müssen junge Menschen in HIV-Präventationprogramme und bei der Gestaltung von Politik einbinden. Wir, die jungen Menschen, haben die wichtige Aufgabe die Nachhaltigen Entwicklungsziele umzusetzen und Aids Geschichte werden zu lassen. Sobald das Potenzial von jungen Menschen erkannt wird, ist das Ergebnis sofort sichtbar.

Was war an dieser Konferenz besonders?

Dieses Jahr standen zum ersten Mal besonders gefährdete Gruppen wie Sexarbeiter im Fokus. Auch der Rolle von jungen Menschen wurde mehr Beachtung geschenkt. Das erkennt endlich die Wichtigkeit des Mitwirkens dieser Gruppen an. Ich war besonders beeindruckt von Sir Elton John und dem britischen Prinzen Harry, die sich für den Zugang zu Verütungsmittel und Medikatementen für HIV ausgesprochen haben – besonders für junge Menschen.

Was nimmst du mit von der Konferenz?

Die Konferenz sollte einen schnellen Weg finden, um Aids bis zum Jahr 2030 zu beenden. Leider haben Regierungen ihre Gelder für den Internationalen Fund für HIV/AIDS und Tuberklose reduziert. Auch die Zahlungen an UNAIDS und UNFPA sind rückläufig. Das ist sehr besorgniserregend und könnte zu einer weltweiten Katastrophe führen. 600 Milliarden Dollar sind nötig um Aids bis 2030 zu besiegen – es ist ein ehrgeiziges Ziel.

 

 

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Autorin: Elise Zerrath

Die Autorin war UN Jugenddelegierte 2013 und begleitete die deutsche Delegation zur 68. UN Generalversammlung. 2014 hospitierte sie im Rahmen des Carlo-Schmid-Programms im UN Women Büro in Santo Domingo, Dominikanische Republik. 

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