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70 Jahre Vereinte Nationen: Bundespräsident Gauck im Gespräch mit jungen Menschen

Gruppenfoto vom Bundespräsident mit seinen Gästen

v.l.n.r.: Jonas Meereis, Elise Zerrath, Carina Lange, Daniela Schadt, Joachim Gauck, Alexander Kauschanski, Matthias Böhning, Rupert Heindl, Heidrun Fritze. © Bundesregierung

Am Vormittag des 31. August 2015 empfing Bundespräsident Gauck gemeinsam mit Daniela Schadt junge Menschen, die vielfältig in Bezug auf die Vereinten Nationen engagiert sind. Anlass des Treffens war das 70. Gründungsjubiläum der Vereinten Nationen. Mit seiner Einladung unterstrich der Bundespräsident nach Ansicht des DGVN-Vorsitzenden Detlef Dzembritzki die Bedeutung der UN für die deutsche Politik und würdigte zugleich das 10-jährige Bestehen des UN-Jugenddelegierten-Programms.

Bei dem Treffen in der Villa Hammerschmidt in Bonn stand die Perspektive junger Menschen auf die Vereinten Nationen im Zentrum des Gesprächs.  Der Bundespräsident, so wurde schon nach wenigen Minuten deutlich, sah sich hierbei vor allem in der Rolle des Zuhörers und des Fragenden. Sein Ziel war es, sich von den Jugendlichen über die Möglichkeiten zur Jugendbeteiligung in den Vereinten Nationen und das politische Engagement junger Menschen ins Bild setzen zu lassen.

Bundespräsident und seine Gäste sitzen um einen Tisch
Interessiert tauschte sich Bundespräsident Gauck mit seinen Gästen aus. Im Zentrum des Gesprächs stand das politische Engagement junger Menschen und Möglichkeiten zur Partizipation in der UN. © Bundesregierung

Jugenddelegierte als „Vermittler zur Welt des Politischen“

Dass Jugend und politisches Engagement in keinem Widerspruch zueinander stehen, haben die gegenwärtigen Jugenddelegierten, Carina Lange und Alexander Kauschanski, auf ihrer Fahrradtour im August vielfach erfahren. Bei der zweiwöchigen Tour spürten die Beiden nichts von Politikverdrossenheit, welche der jungen Generation oftmals zugeschrieben wird. Im Gegenteil stießen Carina und Alexander auf großes politisches Interesse. Auch die Vereinten Nationen waren vielen jungen Menschen bereits ein Begriff.  Den Jugenddelegierten zufolge hat jedoch eine Großzahl der Jugendlichen das Gefühl, der nationalen und internationalen Politik machtlos gegenüber zu stehen. Das Problem bestände, so Alexander, darin, dass „die Sprache der Jugend von Politikern häufig nicht mehr beherrscht wird“. Dementsprechend kann seiner Meinung nach in Deutschland nicht von einer Politikverdrossenheit gesprochen werden, sondern vielmehr von einer Politikerverdrossenheit. Politik, da sind sich Carina und Alexander einig, muss auf Augenhöhe gestaltet werden. Bundespräsident Gauck betonte, dass den Jugenddelegierten hier eine bedeutende Vermittlerrolle zukommt.

Die Aufgabe der Jugenddelegierten besteht laut Elise Zerrath zudem darin, wichtige Denkanstöße in der UN-Politik zu geben. Die ehemalige Jugenddelegierte verwies beispielsweise darauf, dass die Weltorganisation der sozialen Komponente der Nachhaltigkeit bislang nicht ausreichend Beachtung geschenkt hat. Um verstärkte Aufmerksamkeit auf soziale Gerechtigkeit zu lenken, setzten Elise Zerrath und ihr Amtskollege in ihrer Deutschlandtour bewusst den Schwerpunkt auf soziale Inklusion. 

Die Vereinten Nationen greifbar machen: Die Rolle politischer Bildung  

Der Sprecher des Jungen-UNO-Netzwerks-Deutschland (JUNON), Jonas Meereis, kritisierte, dass die Vereinten Nationen bislang nur wenig Platz in den Lehrplänen deutscher Schulen finden. Dementsprechend fehlen Schülerinnen und Schülern oftmals schon die Grundkenntnisse zur Funktionsweise der Weltorganisation. Meereis bedauerte die fehlende Verankerung der UN in den Lehrplänen und wies darauf hin, dass die Begeisterung für die UN und ihre Arbeitsbereiche vor allem dann entsteht, wenn bereits Wissen vorhanden ist. Auch Bundespräsident Gauck sieht in der Vermittlung von UN-Themen in der Schule ein großes Potential. Er ermunterte den JUNON-Sprecher, sich auf das Interesse des Bundespräsidenten zu berufen, wenn er für das Projekt „UN im Klassenzimmer" wirbt.  Auch Carina Lange und Alexander Kauschanski berichteten, dass viele junge Menschen mehr politische Bildung fordern. Dies bezüglich stellte Carina fest: „Viele wissen einfach nicht, wie das System funktioniert, wo und wie sie sich engagieren können“.  Heidrun Fritze, ehemalige Jugenddelegierte, unterstrich in diesem Zusammenhang die Rolle non-formeller Bildung, welche außerhalb von Schulen stattfindet. Wichtig sei es, den Jugendlichen das System der Vereinten Nationen auf eine weniger komplexe und abstrakte Weise näher zu bringen. Darin liegt, so Heidrun Fritze, auch die Stärke des Jugenddelegierten-Programms. Sie bedauerte jedoch, dass solche Programme bislang größtenteils in westlichen Ländern etabliert sind. Wichtig sei es, auch die Jugend im Globalen Süden dabei zu unterstützen, ein solches Programm ins Leben zu rufen.

Rupert Heindl, Jugenddelegierter für nachhaltige Entwicklung betonte zudem, dass die Bedeutung der Ziele für nachhaltige Entwicklung in Deutschland nicht angemessen hervorgehoben werde. Nur wenige Menschen in Deutschland wüssten über den post-2015-Prozess Bescheid. Aus seinen Erfahrungen in der Landwirtschaft weiß der Jugenddelegierte jedoch, dass selbst lokale Probleme oft in globalen Zusammenhängen ihre Ursache haben und dementsprechend auf globaler Ebene behandelt werden müssten.

Gruppenfoto
Dem Bundespräsident schätzt den Austausch mit jungen Menschen sehr. Er spricht von einem „kostbaren Alter“, in dem das Bedürfnis, die Welt zu verbessern, besonders stark ist. © Bundesregierung

Bundespräsident Gauck ruft zur „Anti-Spießer-Haltung“ auf

Im Laufe des Vormittags kamen die Gesprächsteilnehmer mehrfach auf den Idealismus als treibende Kraft des politischen Engagements zu sprechen. Dem Bundespräsidenten zufolge ist die Zeit zwischen 13 und 20 Jahren eine Lebensphase, in der Menschen das Bedürfnis, die Welt zu verbessern, besonders stark verspüren.  Er spricht von einem „kostbaren Alter“, weswegen er den Austausch mit dieser Altersgruppe besonders schätze. Bei älteren Menschen beobachtete er dagegen häufig eine „gewisse Ohnmacht“. Problematisch ist laut Gauck insbesondere, dass diese Ohnmacht von der Gesellschaft nicht unbedingt als negativ empfunden wird. Der Grund dafür liegt dem Bundespräsidenten zufolge in den Lebensverhältnissen wohlhabender Gesellschaften. „Dann hat ein großer Teil der Bürgerschaft nicht das Gefühl, sich einbringen und etwas verändern zu müssen.“  Der Bundespräsident sprach in diesem Zusammenhang von einer „Neigung zu verspießern“, welcher entgegengetreten werden muss. Den Einsatz seiner jungen Gäste würdigte er mit einem „gedanklichen Orden“: „Ihr Engagement ist das eigentliche Geschenk an Deutschland.“ 

„ZukUNftsmusik“ für den Bundespräsidenten

Im Anschluss an das Gespräch überreichten Carina Lange und Alexander  Kauschanski dem Bundespräsidenten ein Buch, in dem vielfältige Forderungen und Wünsche junger Menschen in Form von „ZukUNftsmusik“ festgehalten sind.  „ZukUNftsmusik“ – das Motto, unter dem auch die Amtszeit der gegenwärtigen Jugenddelegierten steht – soll die Weltgemeinschaft als Orchester verbildlichen. Dort sind alle Generationen vertreten und jede Stimme zählt – sonst klingt die Musik nicht. Der Bundespräsident deutete an, dass die „ZukUNftsmusik“ auch in seinen Reden erklingen werde. 

Von Lisa Heinzel

Ein Blick in die Presse:

27.08.2015 Kieler Nachrichten,
Ein junger Blick auf die Weltpolitik

01.09.2015 Generalanzeiger,
Bei Vertretern des hellen Deutschlands

10.09.2015 Lübecker Nachrichten,
UN-Jugenddelegierte trifft Bundespräsident

 

 

Sonderseite zum UN-Jubiläum:

http://www.dgvn.de/un-im-ueberblick/70-jahre-vereinte-nationen/

Veranstaltungen zum UN-Jubiläum:

http://www.dgvn.de/un-im-ueberblick/70-jahre-vereinte-nationen/dgvn-veranstaltungen-zum-jubilaeum/

Webpräsenz des Jugenddelegiertenprogramms zur UN-Generalversammlung

http://www.jugenddelegierte.de/

Webpräsenz Junges UNO-Netzwerk (JUNON)

http://www.junges-uno-netzwerk.de/

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