UN-Aktuell Veranstaltungsbericht Friedenssicherung

3. Tag des Peacekeepers: Frauen für den Frieden

Neun Peacekeeperinnen wurden für ihren Einsatz für den Frieden geehrt. Foto: photothek.net

Sie setzen sich für die Stabilisierung in Haiti ein, sie arbeiten in der Rechtsstaatsförderung im Kosovo oder sie engagieren sich in der Menschenrechtsarbeit in Niger: Frauen sind aus Deutschlands internationalen Friedensmissionen nicht mehr wegzudenken. Beim 3. Tag des Peacekeepers, an dem Personen aus Zivilgesellschaft, Polizei und Militär für ihr Engagement geehrt werden, standen sie dieses Jahr im Mittelpunkt. Zum 15-jährigen Jubiläum der Resolution des UN-Sicherheitsrats 1325 "Frauen, Frieden und Sicherheit", die mehr weibliche Beteiligung an der internationalen Konfliktbewältigung fordert, zeichneten Innenminister Thomas de Maizière, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsstaatssekretär Ralf Brauksiepe neun Frauen für ihren herausragenden Einsatz für den Frieden aus.

Phumzile Mlambo-Ngcuka, Untergeneralsekretärin der Vereinten Nationen und Exekutivdirektorin von UN Women, bezeichnete die Resolution in ihrer Festrede als "einfach, aber revolutionär". Zum ersten Mal werde darin die Bedeutung von Frauen für den Frieden anerkannt. Weibliche Beteiligung sorge in vielen Fällen für einen stabileren Frieden. Insbesondere die Effektivität von Peacekeeping-Missionen sei deshalb eng verknüpft mit Gleichstellungsfragen.

Opferschutz allein reicht nicht aus

Phumzile Mlambo-Ngcuka, Exekutivdirektorin von UN Women. Foto: König

Diese Einschätzung bestätigte auch Außenminister Steinmeier in seiner Rede. Krisenprävention und Stabilisierung könnten nur gelingen, „wenn die gesamte Gesellschaft eingebunden ist. Männer und Frauen.“ Nicht nur seien Frauen in Konflikten besonders stark betroffen. Sie hätten als Friedenssicherungskräfte auch oft einen besseren Zugang zu besonders verwundbaren Teilen der Gesellschaft. Opferschutz allein reiche deshalb nicht aus. „Wir müssen die aktive Rolle von Frauen bei der Schaffung von Frieden und der Überwindung von Konflikten stärken“, sagte Steinmeier.

Innenminister de Maizière sprach den Geehrten großen Respekt für ihre „harte und oft gefährliche Arbeit“ aus. Gerade Frauen seien bei ihren Einsätzen mit besonders schwierigen Bedingungen konfrontiert. Oft sei die Ungleichheit seit Jahrhunderten tief in der Gesellschaft verwurzelt, was es umso schwerer mache, sich als Frau in der Friedenssicherung Gehör zu verschaffen. Die Konsequenz daraus dürfe aber nicht sein, nur Männer zu Einsätzen zu schicken. Im Gegenteil: „Gerade hier müssen Frauen eine starke Rolle spielen, um etwas in Gang zu setzen“, so de Maizière.

Was ist Peacekeeping?

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19.000 Frauen bei der Bundeswehr

Verteidigungsstaatssekretär Brauksiepe erinnerte in seiner Rede daran, dass auch "eine kleine Revolution in der Bundeswehr" dieses Jahr ihr 15-jähriges Jubiläum feiert. Nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs wurde im Jahr 2000 das Grundgesetz geändert. Seitdem stehen Frauen alle Bereiche der Bundeswehr offen – auch der Dienst an der Waffe. Aus wenigen hundert Soldatinnen sind inzwischen knapp 19.000 geworden. Dass Männer und Frauen bei der Bundeswehr Seite an Seite arbeiten, sei mittlerweile selbstverständlich, so Brauksiepe. Den aktuellen Frauenanteil von elf Prozent würde man deshalb gern verdoppeln.

Einig waren sich die Redner über die umfassende sicherheitspolitische Verantwortung Deutschlands. "Wir dürfen in unserem internationalen Engagement nicht nachlassen", mahnte de Maizière. Gerade angesichts aktueller Flüchtlingszahlen sei dies wichtiger denn je. Auch Steinmeier plädierte für eine präventive Außenpolitik: "Unser Ziel muss es sein, vorsorgend, gezielt und flexibel in Stabilität und Frieden zu investieren, anstatt spät – und oft zu spät – eingreifen zu müssen." Die Bandbreite des Engagements der Preisträgerinnen zeige, "wie reichhaltig unser Instrumentenkasten ist, den wir in der Krisenprävention nutzen müssen", sagte Steinmeier.

 

Die geehrten Teilnehmerinnen an Friedenssicherungmissionen

Resolution 1325

Am 31. Oktober 2000 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1325 "Frauen, Frieden und Sicherheit". Das Dokument gilt als ein Wendepunkt in der Geschichte der internationalen Frauenrechte und legt erstmals politische Richtlinien  für eine geschlechtersensible Friedens- und Sicherheitspolitik fest. Ziele der Resolution sind eine aktive Einbindung von Frauen in allen Phasen der Konfliktprävention und Konfliktbewältigung sowie der Schutz von Frauen und Mädchen vor sexueller Gewalt und Vergewaltigung in bewaffneten Konflikten. Die Bundesregierung verabschiedete am 19. Dezember 2012 einen nationalen Aktionsplan, der die Umsetzung der Resolution verbessern soll. 

Antje Grawe
Seit Januar 2014 Persönliche Assistentin der Sonderbeauftragten des UN-Generalsekretärs (SRSG), Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Haiti (MINUSTAH)

Gertraut Marx-Leitenberger
Seit 2013 Richterin der Special Chamber of the Supreme Court for Privatisation Matters, European Union Rule of Law Mission in Kosovo (EULEX Kosovo)

Christina Wagner
Seit März 2013 Expertin für Menschenrechte und Geschlechterfragen bei der zivilen EU-Mission zur Kapazitätenstärkung in Niger (European Union Capacity Building Mission Sahel Niger – EUCAP Sahel Niger)

Tanja Hammes
Polizeihauptmeisterin, 2013/2014 Angehörige der Supplementary Police Unit (SPU) innerhalb der EULEX Kosovo

Janin Markgraf
Kriminaloberkommissarin, 2014/2015 Angehörige der Mission der Vereinten Nationen in der Republik Südsudan (UNMISS)

Sigrid Roth
Zolloberamtsrätin, 2013/2014 Zoll-Expertin und Stellvertretende Leiterin des Deutschen Kontingents in der European Border Assistance Mission to Moldova and Ukraine (EUBAM MD/UA)

Melanie Hainke
Obermaat, 2014 Angehörige der Maritime Escort Mission – Organization for the Prohibition of Chemical Weapons (MEM OPCW)

Derya Kit
Stabsgefreiter, 2014 Angehörige der Mehrdimensionale integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali  (MINUSMA)

Henriette Vetter
Oberleutnant, 2014 Angehörige der EU NAVFOR Somalia – Operation ATLANTA

 

Von Hannah König

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