UN-Aktuell Humanitäre Hilfe

19. August 2015 - Welttag der humanitären Hilfe

Auf diesem Bild sieht man einen jungen Mann. Über dem Mann steht mir bunter Schrift geschrieben: "Inspiring the World's Humanity".

Inspire the World’s Humanity – das ist das Motto des diesjährigen Welttags der humanitären Hilfe. Ziel der Kampagne ist es, zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken und die Verantwortung jedes und jeder Einzelnen zu unterstreichen. © UN Photo

Im letzten Jahrzehnt hat sich die Zahl der von humanitären Krisen betroffenen Menschen verdoppelt. Vor diesem Hintergrund wird am 19. August der Welttag der humanitären Hilfe begangen. Ziel ist es, die Arbeit humanitärer Helfer zu ehren und die internationale Aufmerksamkeit auf humanitäre Notlagen zu lenken. Der diesjährige Gedenktag steht unter dem Motto „Inspire the World’s Humanity“.

Im Angesicht zahlreicher Konfliktherde, einer wachsenden Anzahl von Naturkatastrophen und anhaltenden Flüchtlingsströmen sieht sich die internationale Gemeinschaft mit großen Herausforderungen konfrontiert. Die Konsequenzen dessen sind spürbar: Im letzten Jahrzehnt hat sich die Anzahl der von humanitären Krisen betroffenen Menschen verdoppelt. Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) verzeichnet so viele Vertriebene wie nie zuvor: Weltweit sind 59,9 Millionen Menschen auf der Flucht, 38,2 Millionen davon innerhalb der eigenen Landesgrenzen. (Stand Ende 2014). Zudem fallen derzeit vier Konflikte (Syrien, Südsudan, Zentralafrikanische Republik und Irak) unter die Kategorie „L3“, die höchste Notstufe der Vereinten Nationen. Insbesondere im Zusammenhang des Syrien-Konflikts wird von der größten humanitären Katastrophe seit dem zweiten Weltkrieg gesprochen. 

Vor diesem globalen Kontext wird auch in diesem Jahr der Welttag der humanitären Hilfe begangen, den die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Dezember 2008 ins Leben rief. Der 19. August wurde hierbei bewusst als Datum gewählt, um den 22 UN-Mitarbeitern zu gedenken, die 12 Jahre zuvor bei einem Bombenangriff auf das UN-Hauptquartier in Bagdad ums Leben kamen (darunter auch der damalige Hochkommissar für Menschenrechte, Sergio Vieira de Mello). Die Grundidee des Welttags der Humanitären Hilfe besteht darin, die internationale Aufmerksamkeit verstärkt auf humanitäre Notlagen weltweit zu lenken. Zudem soll die Arbeit humanitärer Helfer geehrt werden, die oftmals unter Einsatz ihres Lebens Hilfe leisten. 

Der diesjährige Gedenktag steht unter dem Motto: „Insipiring the World’s Humanity“. Veranstaltungen in New York, Genf und Mailand sowie die Online-Kampagne #ShareHumanity sollen Anstoß für verstärktes Engagement in der Zivilgesellschaft geben. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon betont in diesem Zusammenhang die Verantwortung jedes Einzelnen: “In a world that is ever more digitally connected, each of us has the power and responsibility to inspire our fellow human beings to act to help others and create a more humane world”. 

Auf diesem Bild ist eine Gruppe von Menschen im Sudan zu erkennen, die Nahrungslieferungen empfangen.
Das World Food Program (WFP) versorgt Binnenvertriebene im Sudan mit Nahrung. Weltweit erreicht das WFP 80 Millionen Menschen in 75 Ländern (Stand 2013). © UN Photo

Humanitäre Hilfe im System der Vereinten Nationen 

In der humanitären Krisenbewältigung spielen die Vereinten Nationen und ihre Unterorganisationen, insbesondere UNICEF,  WFP und UNHCR,  eine wesentliche Rolle. Bei humanitären Notlagen sind UN-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort, um die Nahrungs- und Trinkwasserversorgung sicherzustellen, medizinische Hilfe zu leisten und Notunterkünfte zu organisieren. Dem Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) kommt hierbei eine wichtige Rolle zu. Dessen Aufgabe besteht darin, die Zusammenarbeit zwischen den Unterorganisationen zu optimieren und die Kooperation mit nichtstaatlichen Partnern wie dem Roten Kreuz zu gewährleisten. 

Die Unterorganisationen der Vereinten Nationen leisten nicht nur in den Ländern der „L3“-Kategorie humanitäre Hilfe. Zu den Einsatzgebieten gehören auch Afghanistan, Sudan, Kolumbien, der Jemen, die Demokratische Republik Kongo, Jordanien, Mali und viele weitere Länder. Neben der Versorgung der Opfer besteht die Arbeit der Vereinten Nationen auch  in der Vorsorge und Vorbeugung humanitärer Krisen (z.B. durch Frühwarnsysteme oder krisenresistente Infrastruktur). 

Auch wenn das Prinzip der humanitären Hilfe im Artikel 1 der Charta der Vereinten Nationen verankert ist, bezieht OCHA lediglich 5 % des Budgets aus dem regulären UN-Haushalt. Um den restlichen Bedarf zu decken, ist der Notfallkoordinator auf freiwillige Spenden der Mitgliedsstaaten und des privaten Sektors angewiesen. Vergleicht man den finanziellen Bedarf (18,8 Mio.$) mit den Mitteln, die OCHA 2015 zur Verfügung stehen (4,8 Mio.$), ergibt sich eine Finanzierungslücke von 14 Millionen US-Dollar. Die Konsequenzen dieser mangelhaften Finanzierung schlagen sich in den humanitären Einsätzen vor Ort nieder: Nicht selten müssen Notleistungen und Programme reduziert oder gar abgebrochen werden. 

Doch nicht nur die Finanzierungsengpässe stehen einem reibungslosen Ablauf der humanitären Hilfe der Vereinten Nationen im Weg. Immer wieder wird deutlich, dass das System der humanitären Hilfe den neuen Herausforderungen mitunter nicht gerecht wird. Die Komplexität der heutigen Konflikte, das Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und der Klimawandel sind nur einige der zahlreichen Faktoren, die den Kontext, in dem humanitäre Hilfe stattfindet, bedingen. Infolgedessen betont der OCHA Strategic Plan 2014-2017 die Notwendigkeit, humanitäre Hilfeleistungen verstärkt den neuen Anforderungen anzupassen. 

Dieses Bild zeigt das Logo des Welgipfels der humanitären Hilfe.
Der Weltgipfel der humanitären Hilfe wird im Mai 2016 in Istanbul stattfinden. Ziel ist es, das System der humanitären Hilfe zu reformieren. © World Humanitarian Summit

Weltgipfel der humanitären Hilfe 2016 – Eine Chance zur Reform?

Der UN-Weltgipfel der humanitären Hilfe, der im Mai 2016 in Istanbul stattfindet, wird als wichtiger Schritt im Reformprozess der humanitären Hilfe angesehen. Ziel des Gipfels ist es, Ansätze zur Neugestaltung des globalen Systems der humanitären Hilfe zu erarbeiten und die Zusammenarbeit verschiedener Interessengruppen zu stärken. Auf diese Weise soll die Wirksamkeit und Effizienz  humanitärer Hilfe optimiert werden. Dementsprechend werden vier Themenkomplexe im Zentrum der Gespräche stehen: 1) Wirksamkeit humanitärer Hilfe, 2) Risikomanagement und Verringerung der Anfälligkeit, 3) Wandel durch Innovation und 4) Deckung der Bedürfnisse der von Konflikten betroffenen Zivilbevölkerung. Im Vorfeld des Gipfels finden regionale Vorbereitungskonferenzen statt, bei denen Regierungsvertreter, Repräsentanten aus Stiftungen, NGOs und Unternehmen sowie zivilgesellschaftliche Akteure zusammentreffen. 

Angesichts der aktuellen Krisen scheint eine Weiterentwicklung und Neugestaltung des Systems der humanitären Hilfe unausweichlich. Der UN-Weltgipfel der humanitären Hilfe in Istanbul wird ein wichtiges Forum für Diskussion und Innovation bieten. Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Weltgemeinschaft diese Chance nutzen wird.

Von Lisa Heinzel

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