Weltwirtschaft, Handel & Entwicklung

Das System der Vereinten Nationen verfügt über zahlreiche Institutionen, die sich mit den Themen Weltwirtschaft, Handel und Entwicklung befassen. Dennoch: Geht es um internationale Finanz- und Handelsfragen, liegt die Aufmerksamkeit nur selten bei den Vereinten Nationen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 zeigte einmal mehr, dass Andere den Ton angeben: Ins Zentrum der internationalen Krisenkoordination rückten die G-20, während die UN als Krisenmanager kaum wahrzunehmen waren. Doch warum spielen die Vereinten Nationen keine entscheidende Rolle auf diesem Gebiet? Als weltweites Forum müssen sie zu einem gerechteren globalen Handels- und Finanzsystem beitragen. Dies gilt umso mehr mit Blick auf Entwicklungsländer, die weiterhin in den internationalen Wirtschafts- und Finanzbeziehungen marginalisiert werden und besonders unter den Folgen der Krise leiden. weiterlesen>>>

Das Foto zeigt die Wall Street.
Die Wall Street in New York. Photo: Michael Aston

Die Vereinten Nationen als Stimme für Entwicklungs- und Schwellenländer im globalen "Währungskrieg"?
von Laurissa Mühlich

Dass die internationalen Handels- und Finanzbeziehungen stark von Ungleichgewichten und Instabilitäten geprägt sind, macht nicht zuletzt die jüngste Finanzkrise deutlich. Besonders Entwicklungs- und Schwellenländer waren von den Folgen der Krise betroffen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Gemeinsame Schritte in Richtung eines gerechten und transparenten internationalen Rahmens für Handels- und Währungsbeziehungen sind bislang jedoch kaum zu erkennen. Die Finanzkrise hat lediglich zu ad hoc-Interventionen der größten Wirtschaftsmächte geführt. Die Vereinten Nationen spielen eine bedeutende Rolle als Forum aller 192 Mitgliedsstaaten, in das Reformvorschläge für eine Neuordnung des bestehenden Systems eingebracht werden können und das es zu stärken gilt. weiterlesen >>>

 

Die ambivalente Rolle der Vereinten Nationen in der Finanzkrise
von Wolfgang Obenland

Die Vereinten Nationen haben in der akuten Krisendiplomatie nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 kaum eine Rolle gespielt. Sie blieben Zaungast im hektischen Krisenmanagement, das von G-20 und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) dominiert wurde. Mit der Einsetzung einer internationalen Expertenkommission und der Konferenz zur Wirtschafts- und Finanzkrise und ihren Auswirkungen auf Entwicklungsländer gelang es den Vereinten Nationen zumindest, sich in den globalen Diskurs über die Finanzkrise einzubringen und den Ländern ein Forum zu bieten, die in der G-20 nicht zu Wort kommen. weiterlesen>>>

 

Wie lässt sich eine weitere Finanzkrise vermeiden?
Vorschläge der UN-Expertenkommission zur Reform des internationalen Finanzsystems

von Eva-Maria Hanfstängl
Im September 2009 legte die vom Präsidenten der Generalversammlung eingesetzte sog. Stiglitz-Kommission ihren Abschlussbericht vor. Darin unterbreiteten 18 hochrangige Experten unter dem Vorsitz des Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz Vorschläge für die Stabilisierung und Reform des internationalen Finanz- und Währungssystems. Einen Schwerpunkt der Arbeit bildeten die Folgen der Krise für Entwicklungs- und Schwellenländer. Die Kommission sah dringenden Handlungsbedarf, um die internationale Kooperation im Wirtschafts- und Finanzbereich zu erneuern und die nachhaltige Gestaltung globaler Wirtschaftspolitik voranzutreiben. weiterlesen>>>

 

UNCTAD - Sisyphos der Weltgemeinschaft im Schatten der Krise
von Johannes Wendt
Die Handels- und Entwicklungs-konferenz der Vereinten Nationen UNCTAD warnte bereits vor Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise vor den Gefahren des globalen Wirtschaftssystems, besonders für die armen Länder. Trotz ihrer Rolle als "Sprecherin des Südens" fristet die 1964 etablierte UN-Organisation ein Schattendasein in der Weltorganisation. Angesichts der Wirtschaftskrise fordert UNCTAD erneut einen radikalen Strukturwandel in der Weltwirtschaft und regulierende Gegenmaßnahmen zugunsten der Entwicklungsländer, um globalen Ungleichgewichten entgegenzuwirken. In ihrem World Trade and Development Report 2010  kritisiert UNCTAD (auch) die Maßnahmen führender Wirtschaftsmächte im Zuge der Wirtschaftskrise. weiterlesen>>>

 

Creative Economy als neues Wirtschafts- und Entwicklungsparadigma
von Dr. Konrad Melchers

Der Creative Economy Report der UN-Handels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD rückt erstmals die Bedeutung der Kreativwirtschaft in den Blickpunkt. Tatsächlich sieht die Welt der Kreativwirtschaft schon heute ganz anders aus als die traditionelle Weltwirtschaft mit ihrem starken Entwicklungs- und Wohlstandsgefälle zwischen Nord und Süd. Entwicklungsländern bieten sich in kulturellen und künstlerischen Wirtschaftszweigen enorme Potentiale: Ihr Anteil am kreativwirtschaftlichen Welthandel betrug im Jahr 2005 41 Prozent, und in einigen Produktbereichen übersteigen ihre Exporte die der Industrieländer. Einen Bestandstest hat die Creative Economy während der jüngsten Weltfinanz- und Wirtschaftskrise erfahren. Die Kreativindustrien wachsen unverändert weiter. weiterlesen>>>

 

Die Renaissance des Internationalen Währungsfonds
von Wolfgang Obenland

Der Internationale Währungsfonds (IWF) gehört zweifellos zu den Gewinnern der Wirtschafts- und Finanzkrise. Als Kreditgeber für Länder in finanziellen Schwierigkeiten verfügt die UN-Sonderorganisation über große Macht, denn sie knüpft ihre Hilfen meist an wirtschaftspolitische Vorgaben. Allerdings haben die Maßnahmen des IWF gerade für Entwicklungs- und Schwellenländer häufig negative Auswirkungen. Im Zuge der Finanzkrise wurde eine Modernisierung des IWF gefordert. Doch auch nach der im November 2010 beschlossenen Reform bleibt es bei einer Dominanz der wirtschaftsstarken Staaten: Die G-20 dominieren den IWF weiterhin. weiterlesen>>>

 

Konzept und Redaktion: Tina Schmidt

Die Erstellung dieser Seite wurde durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert.

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Titelfoto

Das Bild zeigt einen Arbeiter auf einer Kaffeeplantage in Kolumbien.
Kaffeeplantage in Kolumbien. UN-Foto: Jerry Frank

Institutionen im Überblick

Übersicht: Mit Wirtschaftsfragen befasste Institutionen der Vereinten Nationen

 
Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC)
Als UN-Hauptorgan ist der ECOSOC (Economic and Social Council) gemäß UN-Charta für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten zuständig und koordiniert die Tätigkeiten der UN-Organisationen in diesem Bereich. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Gebiet wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung der Entwicklungsländer. Er setzt sich aus 54 gewählten Mitgliedern zusammen.

UN-DESA (Department of Economic and Social Affairs)
Die Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale Angelegen-heiten des UN-Sekretariats  unterstützt die Arbeit von ECOSOC und UN-Generalversammlung u.a. mit Studien und Berichten im Bereich sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung.

Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD)
Das 1964 gegründete Spezialorgan der UN-General-versammlung setzt sich in ihren alle 4 Jahre stattfindenden Weltkonferenzen mit Wirtschafts- und Handelsfragen der Entwicklungsländer auseinander. Als Forum des globalen Südens verfolgt UNCTAD (United Nations Conference on Trade and Development) das Ziel, Entwicklungsländer in den Welthandel zu integrieren. Ihr gehören alle UN-Mitglied-staaten und die UN-Sonderorganisationen an.

Welthandelsorganisation (WTO)
Die World Trade Organization löste 1995 das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) ab. In den Welthandelsrunden soll ein gemeinsamer Rahmen für internationale Handelsbeziehungen geschaffen werden. Die seit 2001 laufende Doha-Runde befasst sich v.a. mit der Integration von Entwicklungsländern in den Welthandel und einem erleichterten Marktzugang durch Handelsliberali-sierung. Formell zählt die 153 Mitglieder umfassende WTO zwar nicht zum System der UN, ist aber institutionell und inhaltlich mit diesem verbunden.

Internationaler Währungsfonds (IWF)
Der 1945 gegründete IWF ist eine Sonderorganisation der UN, agiert aber unabhängig von ihr. Kernaufgabe ist die Kreditvergabe an Mitgliedsstaaten bei Zahlungsbilanz-problemen und deren wirtschaftspolitische Beobachtung. Ziel des IWF ist die Förderung internationaler Währungs-kooperation. Ihm gehören 187 Mitglieder an.  

Weltbank-Gruppe
Zur Weltbank-Gruppe gehören die 1944 gegründete Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) als UN-Sonderorganisation sowie die 16 Jahre später geschaffene Internationale Entwicklungsorganisation (IDA). Beide gewähren Entwicklungsländern Kredite, um den Lebensstandard zu steigern und Armutsbekämpfung zu unterstützen. Gemeinsam mit 3 weiteren Organisationen – u.a. der Internationalen Finanz-Corporation (IFC) – bilden sie die Weltbank-Gruppe.

Internationale Arbeitsorganisation (ILO)
Die bereits 1919 gegründete UN-Sonderorganisation zählt 183 Mitglieder. Die ILO (International Labour Organization) beschäftigt sich mit internationalen Arbeits- und Sozial-normen und setzt sich für eine soziale und faire Globali-sierung ein, um eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen aller Menschen weltweit zu bewirken. 

Internationales Handelszentrum (ITC)
Das 1964 von WTO und UNCTAD gegründete ITC (International Trade Centre) ist als Agentur für technische Zusammenarbeit im Bereich Welthandel tätig. Ziel ist es, die Integration der Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft und damit auch soziale Entwicklung zu fördern.

Regionale Wirtschaftskommissionen
Die 5 Regionalkommissionen haben die Aufgabe, wirtschaftliche und soziale Entwicklung auf regionaler Ebene in Europa, Afrika, Asien & Pazifik, Westasien sowie Latein-amerika & Karibik zu unterstützen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit in den Regionen zu fördern. Zwischen 1947 und 1973 wurden sie als Nebenorgane des ECOSOC eingesetzt.

Globaler Pakt (UN Global Compact)
Ziel der im Jahr 2000 vom damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan ins Leben gerufenen globalen Initiative ist eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen UN und Privat-wirtschaft. Transnationale Konzerne sollen ihre Firmenpolitik an den Zielen der Vereinten Nationen orientieren, insbesondere auf den Gebieten Menschenrechtsschutz, Arbeitsrechte, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung.

G-8 - G-20 - G-24 - G-77

WELTHANDEL & ENTWICKLUNG

Quelle: www.e-politik.de