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UN, VN, UNO

Millenniums-Entwicklungsziele, Zwischenbericht 2007
"Die Millenniums-Entwicklungsziele sind noch zu erreichen, wenn wir jetzt handeln. Die Welt möchte keine neuen Versprechen. Ich empfehle diesen Bericht als Quelle, die zeigen soll, was erreicht werden kann und was noch erreicht werden muss."
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon
"Der MDG-Bericht 2007 ist die zurzeit umfangreichste Studie zu den Entwicklungszielen".
José A. Ocampos, UN-Untergeneralsekretär
Vollständiger Bericht (deutsch, 25 MB)
„Wir werden keine Mühen scheuen, um unsere Mitmenschen – Männer, Frauen und Kinder – aus den erbärmlichen und entmenschlichenden Lebensbedingungen der extremen Armut zu befreien, in der derzeit mehr als eine Milliarde von ihnen gefangen sind.“
aus der Millenniumserklärung der Vereinten Nationen

Die im Jahr 2000 von den Vereinten Nationen (UN, VN, UNO) verabschiedeten Millenniumsziele und die davon abgeleiteten Millenniums-Entwicklungsziele gelten als wegweisende neue Maßstäbe nicht nur für die nationale und internationale Entwicklungszusammenarbeit. Was sind die MDG? Welche Bedeutung haben sie für die Entwicklungspolitik? Die Hälfte der Zeit zwischen dem Jahr der Verabschiedung der Millenniums-Erklärung und dem Zieljahr 2015 ist vergangen - werden die Ziele erreicht?
Zur Halbzeit: Der MDG-Bericht 2007.
Die Millenniums-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, kurz: MDG) bilden den Rahmen für die weltweite Entwicklungspolitik. Sie sind damit zum Leitfaden nicht nur für alle damit befassten UN-Organisationen geworden. Viele Regierungen haben mittlerweile ihre Entwicklungspolitik an den Millenniumszielen, die auch von der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds sowie Nichtregierungsorganisationen anerkannt werden, ausgerichtet. Die Millenniums-Entwicklungsziele entfalten so eine ungeheure Symbolkraft für die Menschen und stärken sie, den Druck auf ihre Regierungen zu erhöhen.
MDG – kritisch gesehen
Nach Ablauf der Halbzeit erscheint es inzwischen mehr als ungewiss, ob diese Ziele erreicht werden können. Besonders problematisch sieht es im südlichen Afrika aus. Viele haben die MDG für schöne Rhetorik missbraucht. Andere haben versucht, die Armutsbekämpfung mit alten gescheiterten Rezepten eines angeblichen Sickereffekts zu erzielen, bei dem Hilfsgeldern an die jeweilige Regierung "von oben" - oft mittels korrupter Bürokratien - zu der armen Bevölkerung durchsickern sollten. Kritisiert werden auch eine angebliche Überbetonung der acht Entwicklungsziele und die damit verbundene Gefahr, dass die übrigen Ziele der Millenniumserklärung, wie z.B. Abrüstung, im Schatten stehen. Andere kritisieren ferner die besondere Zuwendung für die ärmsten Staaten, obwohl Länder mit mittlerem Einkommen ebenfalls Nachholbedarf hätten und sich zunehmend übergangen fühlten. Weitere Kritiker halten die Millenniumsziele nur für unverbindliche Versprechungen, die ohnehin nicht erreichbar seien. Im Falle eines Scheiterns führe dies nur zu neuen Enttäuschungen und Vertrauensverlust.
Verwechslung mit der Millenniumserklärung
In den Medien und der Öffentlichkeit werden die Millenniums-Entwicklungsziele und die Millenniumserklärung häufig verwechselt. Die Millenniumserklärung ist die im September 2000 von der UN-Generalversammlung auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs angenommene Resolution (A/RES/55/2), die neben entwicklunspolitischen u. a. auch Abrüstungsziele enthält. Kofi Annan hat im September 2001 in seinem "Kompass zur Umsetzung der Millenniums-Erklärung" (A/RES/55/162) einen langfristigen Fahrplan zur Umsetzung der Millenniumserklärung vorgelegt und darin auch die acht Millenniums-Entwicklungsziele konkret ausformuliert. Sie wurden vom Abschnitt "Entwicklung und Armutsbeseitigung" der Millenniumserklärung abgeleitet. Entgegen der weit verbreiteten Annahme haben die Staats- und Regierungschefs diesen Zielkatalog nie gesondert unterzeichnet oder ihm explizit zugestimmt. Es handelt sich um einen Bericht des Generalsekretärs, dessen Vorschläge unverbindlich sind.
Die Hälfte der Zeit zwischen dem Jahr der Verabschiedung der Millenniumserklärung 2000 und dem Zieljahr der 2015 ist vergangen. Sieben Jahre nach dem Millenniums-Gipfel zeigt sich ein gemischtes Bild bezüglich der MDGs. Es bestehen große Unterschiede innerhalb einzelner Länder und erhebliche Disparitäten zwischen ihnen. Viele Staaten sind auf einem guten Weg, um zumindest einige der Ziele bis 2015 zu erreichen. Andere liegen weit zurück. Besonders dramatisch ist die Lage in Afrika südlich der Sahara, das sich in einer Abwärtsspirale von HIV/AIDS, sinkender Nahrungsmittelproduktion pro Kopf, verschlechterten Wohnbedingungen und zunehmender Umweltzerstörung befindet, so dass die meisten Länder dort die Ziele nach heutigem Stand verfehlen werden. Andererseits ist Nordafrika bezüglich Ziel 1 auf einem guten Weg, auch Südostasien und Südasien haben dabei beachtliche Fortschritte erzielt, Ostasien hat die Vorgaben sogar schon erreicht und in Lateinamerika leiden deutlich weniger Menschen Hunger als früher. Insgesamt aber genügen die bisherigen Anstrengungen nicht, wenn die Vorgaben bis 2015 erreicht werden sollen.
Die Inter-Agency and Expert Group (IAEG) für MDG-Indkatoren hat den aktuellen MDG-Bericht 2007 der Vereinten Nationen zusammengestellt, der auf Datenerhebungen von über 20 Organisationen inner- und außerhalb des UN-Systems basiert. Die Ergebnisse sind laut Bericht „wie erwartet uneinheitlich“. Mit Hilfe von 48 festgelegten Indikatoren bieten die Daten einen objektiven Überblick. “Die Ergebnisse in diesem Bericht deuten darauf hin, dass es Fortschritte gegeben hat und dass in den meisten Teilen der Welt weiterhin Erfolge möglich sind, aber es wird auch deutlich, wie viel zu tun übrig bleibt“, erklärt UN-Generalsekretär Ban Ki-moon im Vorwort des Berichts, der nach einer Einschätzung José Antonio Ocampos, Untergeneralsekretär für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten, die zurzeit umfangreichste Studie zu den Entwicklungszielen ist.
Deutliche Fortschritte sind laut Bericht auf dem Gebiet der Armutsbekämpfung zu verzeichnen. Unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums ist die Anzahl der Menschen, die mit nur einem US-Dollar pro Tag leben müssen, von 1,25 Milliarden (32% der Weltvölkerung), auf 980 Millionen (19% der Weltbevölkerung) gesunken. Andere Anzeichen für Fortschritt sind u. a. die Steigerung der Zahl der Schulkinder in Entwicklungsländern, der Zurückgang der Kindersterblichkeit, die Ausweitung von Maßnahmen gegen Malaria und der Fortschritt auf dem Gebiet der Energietechnologien.
Die Kehrseite des Berichts zeichnet allerdings ein weniger optimistisches Bild. Im Westen Asiens hat sich die Armut verdoppelt. Immer noch sterben eine halbe Millionen Frauen jährlich an den Folgen von Komplikationen bei Schwangerschaft oder Geburt, immer noch hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den Entwicklungsländern keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen. Die Internationale Gemeinschaft muss das Jahr 2007, das das Ende der ersten Halbzeit bis 2015 markiert, zur Vorbereitung und Unterstützung neuer Strategien nutzen, betont der
MDG-Bericht 2007.
„Die Millenniums-Entwicklungsziele sind noch zu erreichen, wenn wir jetzt handeln. Die Welt möchte keine neuen Versprechen. Ich empfehle diesen Bericht als Quelle, die zeigen soll, was erreicht werden kann und was immer noch erreicht werden muss, “ sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bei der Vorstellung des Berichts im Juni 2007 in New York.
1. Beseitigung der extremen Armut und des Hungers
> Bis 2015 den Anteil der Menschen halbieren, deren Einkommen weniger als ein US-Dollar pro Tag beträgt.
> Bis 2015 den Anteil der Menschen halbieren, die Hunger leiden.
2. Verwirklichung der allgemeinen Primärschulbildung
> Bis zum Jahr 2015 sicherstellen, dass Kinder in der ganzen Welt, Jungen wie Mädchen, eine Primarschulbildung vollständig abschließen können.
3. Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Ermächtigung der Frau
> Das Geschlechtergefälle in der Primar- und Sekundarschulbildung auf allen Bildungsebenen bis 2015 beseitigen.
4. Senkung der Kindersterblichkeit
> Bis 2015 die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren um zwei Drittel senken.
5. Verbesserung der Gesundheit von Müttern
> Bis 2015 die Mütter-Sterblichkeitsrate um drei Viertel senken.
6. Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten
> Bis 2015 die Ausbreitung von HIV/Aids zum Stillstand bringen und allmählich umkehren.
> Bis 2015 die Ausbreitung von Malaria und anderen schweren Krankheiten zum Stillstand bringen und allmählich umkehren
7. Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit
> Die Grundsätze nachhaltiger Entwicklung in Politik und Programme der Einzelstaaten aufnehmen und den Verlust von Umweltressourcen umkehren.
> Bis 2015 den Anteil der Menschen um die Hälfte senken, die keinen nachhaltigen Zugang zu hygenischem Trinkwasser haben.
> Bis 2020 eine erhebliche Verbesserung der Lebensbedingungen von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern herbeiführen.
8. Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft
> Ein offenes, regelgestütztes, berechenbares und nicht diskrimminierendes Handels- und Finanzsystem weiterentwickeln. Dies umfasst ein Bekenntnis zu guter Regierungsführung, Entwicklung und Armutsminderung auf nationaler und internationaler Ebene.
> Den besonderen Bedürfnissen der am wenigsten entwickelten Länder Rechnung tragen (umfasst den zoll- und quotenfreien Zugang ihrer Exportgütern, ein Schuldenerleichterungsprogramm für die hoch verschuldeten Länder sowie die Gewährung großzügigerer öffentlicher Entwicklungshilfe für Länder, die zur Armutsminderung entschlossen sind).
> Die Schuldenprobleme der Entwicklungsländer durch Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene umfassend angehen und so die Schulden langfristig tragbar werden zu lassen.
Die Millenniumskampagne der Vereinten Nationen informiert, inspiriert und ermutigt Menschen, die sich an der Erreichung der acht Ziele beteiligen wollen. Die Kampagne unterstützt die Bestrebungen der Bürger, ihre Regierungen auf Einhaltung des Zeitplans zu drängen.
"Vor aller Augen haben die Mächtigen der Welt gezeigt, dass ihnen die Fragen der sozialen Gerechtigkeit nicht gleichgültig sind. Doch die Regierungen brauchen zur Umsetzung der ehrgeizigen Ziele der Erklärung die Unterstützung ihrer Bürger und Bürgerinnen. Seit Februar 2005 gibt es auch eine deutsche UN-Millenniumskampagne." (Quelle: www.millenniumkampagne.de)